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Mix aus Aktien und Anleihen

Wandelanleihen: Sicherheitsnetz für das Depot?

Bremen (dpa/tmn)

Laufende Zinsen plus eine mögliche Aktienrendite versprechen Wandelanleihen. Wer sich auskennt, kann sie als Beimischung in sein Depot nehmen und damit Schwankungen verringern.

Von Annika Krempel, dpa

Wandelanleihen sind eine Alternative zu Aktien. Aber sie sind auch recht kompliziert. Foto: Fabian Sommer/dpa/dpa-tmn

Seit dem Einbruch am Anfang der Corona-Krise 2020 kennen die Finanzmärkte scheinbar nur noch eine Richtung: nach oben. Mancher Anleger fürchtet, dass diese Börsenrallye bald ein Ende findet und sucht Möglichkeiten, sich gegen fallende Kurse abzusichern.

Eine davon sind Wandelanleihen. Doch dieses Finanzprodukt ist ziemlich kompliziert, warnt Thomas Mai, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen.

Wandelanleihen sind eine Mischung aus Aktien und Anleihen. Anleger kaufen die Papiere und leihen damit dem Herausgeber Geld. In der Regel ist das ein Unternehmen. Dafür zahlt dieses einen Zins und am Ende der Laufzeit das Geld zurück. «Zusätzlich haben die Anleger die Option auf einen Wandel. Sie können in einem festgelegten Zeitfenster ihre Papiere zu einem festgelegten Preis in Aktien umtauschen.»

Gedämpftes Risiko

Wer eine Wandelanleihe kauft, hofft darauf, dass der Aktienkurs steigt, um sich mit dem Umtauschrecht günstig Anteile am Unternehmen zu sichern und so Rendite einzufahren. Sollte der Kurs dagegen fallen, kann der Anleger auf den Wandel verzichten. Dann bleiben noch immer die Zinszahlungen, die zumindest etwas Gewinn versprechen. Der sogenannte Kuponzins ist bei Wandelanleihen aber niedriger als bei normalen Anleihen. Das ist der Preis für das Umtauschrecht.

Mit Wandelanleihen können sich Anleger an eine Aktie förmlich heranrobben, beschreibt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. «Das ist eine Möglichkeit, mit einem Sicherheitsnetz in ein Unternehmen zu investieren.»

Kompliziert im Detail

Doch vielen Anlegern sei diese Form der Geldanlage zu kompliziert, berichtet Tüngler. «Und das zu Recht.» Denn die Kreditwürdigkeit des Unternehmens, die Laufzeit, den Zins, die Bedingungen des Umtauschrechts, den Preis bei der Umwandlung in eine Aktie: Solche Konditionen müssen Anleger bewerten können, wenn sie eine Wandelanleihe kaufen möchten.

Außerdem haben die Papiere häufig eine Stückelung, die fünfstellige Investitionen erforderlich macht. «Einzelne Wandelanleihen sind deswegen ein Instrument für Profis, Wandelanleihefonds hingegen eignen sich gut für den normalen Anleger», sagt auch Frank Wieser, Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf.

Profi-Investoren entscheiden darüber, welche Papiere gekauft werden und wann sich ein Tausch gegen Aktien lohnt. Es gibt sogar günstige ETF auf Wandelanleihen. Diese Fonds bilden die Wertentwicklung eines Index nach, der verschiedene Wandelanleihen zusammenfasst.

Fonds eignen sich für Kleinanleger

«Die Zahl der guten Wandelanleihefonds ist sehr überschaubar und gute Fondsmanager sind gesucht. Der Anleger sollte neben den üblichen Kennzahlen deswegen auch darauf achten, wie lange der Fondsmanager schon den Fonds betreut und ob dieser auch eine gewisse Mindestvolumengröße überschreitet», rät Wieser.

Mit allzu hohen Renditen sollten Anleger nicht rechnen, sagt Wieser: «Man darf sie nicht an der Kursentwicklung der Topaktienmärkte messen. Solche Fonds sind im besten Sinne langweilig - das muss aber gerade in Zeiten neuer Rekordstände nicht schlecht sein.»

Es gibt einfache Alternativen

Wer sich nicht mit den speziellen Konditionen von Wandelanleihen auseinandersetzen möchte, kann sein Depot auch anders gegen Kursverluste absichern.

Verbraucherschützer Mai rät zu einem ganz einfachen Rezept: «Statt Wandelanleihen eignen sich breit streuende normale Anleihen oder einfach Tagesgeld. Auch damit sichern sich Anleger gegen Kursverluste ab. In Kombination mit einem weltweit anlegenden Indexfonds auf Aktien haben sie ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis als mit den komplizierten Papieren.»

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