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Tierseuche

Afrikanische Schweinepest befällt noch mehr Hausschweine

Letschin/Berlin (dpa)

Beim Ausbruch der Tierseuche in zwei Betrieben mit Hausschweinen ist es nicht geblieben. Das Bundesagrarministerium sieht dennoch weiter Chancen für den Fleischexport und wendet sich gegen Kritik.

Von Oliver von Riegen, dpa

Hausschweine in einem Mastbetrieb in Brandenburg. Foto: Toni Lehder/dpa

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich nach dem ersten Ausbruch bei Hausschweinen in Deutschland weiter in Brandenburg ausgebreitet. Ein dritter Betrieb mit vier Mastschweinen sei betroffen, teilte das Verbraucherschutzministerium am Wochenende in Potsdam mit.

Zwei Tiere seien verendet, zwei erkrankte Tiere hätten getötet werden müssen. Die Fälle liegen ebenfalls in Letschin nördlich von Frankfurt (Oder) an der Grenze zu Polen nahe dem Kleinbetrieb mit zwei Tieren, der wie ein Bio-Hof mit 200 Tieren in Neiße-Malxetal südöstlich von Cottbus schon betroffen war. Nach Angaben vom Sonntag gab es zunächst keine weiteren Verdachtsfälle. Die ASP, eine schwere Virusinfektion, ist für Wild- und Hausschweine meist tödlich, aber für Menschen ungefährlich.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium setzt weiter auf den Export von Fleisch aus seuchenfreien Regionen. Die Möglichkeit des Handels innerhalb der EU mit Schweinen und Schweinefleisch bestehe fort, da die betroffenen Hausschweinbestände in denselben Regionen liegen, sagte eine Sprecherin am Wochenende. Das Ministerium habe sich bei der EU erfolgreich für ein Konzept eingesetzt, mit dem der Schweinefleischexport aus Gebieten möglich sei, die frei von der ASP seien. Die EU-Agrarminister werden bei einem Treffen am Montag voraussichtlich auch über die Afrikanische Schweinepest sprechen.

Nach dem Auftauchen der Tierseuche bei Wildschweinen in Brandenburg und Sachsen im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Staaten außerhalb der EU, darunter China, Südkorea und Japan, Schweinefleisch-Einfuhren aus Deutschland gestoppt. Mit Ländern wie Vietnam, Singapur und Kanada konnte nach Angaben der Ministeriumssprecherin aber eine Regionalisierung - der Export aus seuchenfreien Gebieten - erreicht werden. Mit ihnen sollte der Handel auch bei ASP-Fällen bei Hausschweinen prinzipiell weiter möglich sein, sagte sie. Mit China, Japan und Südkorea liefen Gespräche für eine Vereinbarung zum Export aus ASP-freien Gebieten.

Mit Brasilien, Argentinien, Südafrika und Südkorea seien Ausnahmen von der vollständigen Exportsperre für behandelte oder verarbeitete Schweinefleischerzeugnisse erreicht worden. Exporte über die EU hinaus sind derzeit nur in diejenigen Staaten möglich, die statt der Garantie «Deutschland ist frei von ASP» eine Regionalisierung anerkennen. Wie sich der Schlachtpreis für Schweine nun weiter entwickelt, ist offen. Er lag zuletzt bei etwas über 1,50 Euro pro Kilogramm.

Das Bundesagrarministerium wies den Vorwurf mangelnder Hilfe bei der Bekämpfung der Seuche zurück. «Alle Möglichkeiten zur Unterstützung wurden und werden genutzt», sagte der Parlamentarische Agrarstaatssekretär Uwe Feiler (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. «Für das Krisenmanagement ist das Bundesland selbst verantwortlich.» Eine Sprecherin verwies unter anderem auf die Einrichtung eines Krisenstabes unter Leitung des Bundes im vergangenen Jahr und auf Hilfe beim Aufbau von Zäunen. Brandenburgs Agrarstaatssekretärin Silvia Bender sagte am Freitag, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) habe zusätzliche Unterstützung zurückgewiesen.

Mit den neuen Fällen bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) einen Verdacht. Die Ursache der Ausbrüche wird nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums untersucht. Die 200 Schweine in einem Bio-Betrieb in Neiße-Malxetal wurden nach Angaben des Brandenburger Verbraucherschutzministeriums am Samstag getötet, zwei Tiere in Letschin waren bereits zuvor getötet worden.

Im September 2020 wurde der erste ASP-Fall bei einem Wildschwein in Deutschland bestätigt - in Brandenburg. Später war auch Sachsen betroffen. Um die Fundorte wurden Sicherheitszonen gebildet, an der Grenze zu Polen steht ein Zaun von Mecklenburg-Vorpommern bis Sachsen. Als mögliche Ursache gilt, dass das Virus über Wildschweine aus Polen eingeschleppt wurde.

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit hält einen Impfstoff gegen die ASP in einigen Jahren für denkbar. «Wir arbeiten an einem Impfstoff, aber das ist ein schweres und kompliziertes Geschäft», sagte Sandra Blome, Leiterin des nationalen ASP-Referenzlabors am FLI, der «Märkischen Allgemeinen» (Samstag). Dann würden Wildschweine geimpft, nicht Hausschweine. Das Virus sei aber sehr komplex.

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