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Fußball: Regionalliga West

Auf dem fünften Preußen-Sieg in Serie liegt ein Schatten

Velbert

Über das Fußballspiel zwischen dem KFC Uerdingen und Preußen Münster muss niemand viele Worte verlieren. Der Favorit holte die drei Punkte, mehr nicht. Über das, was am Rande geschah, wird es aber noch Debatten und Aufarbeitungsaufträge geben. In der Halbzeit eskalierte der Konflikt zwischen Fans und Polizeibeamten.

Von Thomas Rellmann

Peter Niemeyer suchte den Dialog mit den Fans. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Pflicht hat Preußen Münster erfüllt. Das 1:0 (1:0) beim KFC Uerdingen hat die Position in der Tabelle verbessert. Dass RW Essen Anfang Oktober an selber Stelle zehn Tore mehr schoss, spielte vorher und nachher keine Rolle. Fünfter Sieg am Stück, weiter ganz vorne dabei in der Tabelle – alles gut. Wirklich?

Nein, die schwerwiegenden Vorfälle im Gästeblock in der Halbzeit warfen einen dunklen Schatten. Was war passiert? Schon vor dem Anpfiff kam es beim Einlass zu Tumulten, die fast schon obligatorisch bei Auswärtsfans vorkommen. Ein Großteil der Masse brüllte den Einsatzkräften daraufhin Verachtung entgegen, eine Leuchtfackel vor der Pause spielte nur eine ungeordnete Rolle. Ein Streit unter zwei SCP-Fans an einer Imbissbude führte dann in der Halbzeit zur totalen Eskalation. Unbeteiligte berichteten von Schlagstöcken und Pfefferspray als Folge dessen, binnen Sekunden explodierte die ohnehin aufgeheizte Lage. Besonders schlimm: Pyrotechnik flog in die Menge und auf den Rasen, unter den Wurfgeschossen waren Bierbecher noch die harmloseste Wahl. Es gab zahlreiche Verletzte, die Versorgung durch Sanitäter war nicht immer gewährleistet.

Kommentar: Kurze Zündschnüre und Pflicht zur Aufarbeitung

Die Partie stand sogar kurz vor dem Abbruch, der souveräne Referee Marco Goldmann pfiff das Spiel nach Absprache erst mit einer Viertelstunde Verzögerung wieder an. Preußen-Sportchef Peter Niemeyer versuchte, die Lage zu beruhigen, blieb die ganze zweite Hälfte unter den Fans und verließ den Sektor erst, als der letzte Anhänger im Bus saß. Ihm war der Schock anzusehen, auch Geschäftsführer Bernhard Niewöhner („Das wird wieder ein Zahltag“) und andere Funktionäre standen am Zaun und diskutierten. Später brannte noch ein Mülleimer im Block. Viele Besucher versuchten lange vor Abpfiff den Heimweg anzutreten. Eine Stellungnahme von Polizei oder Anhängerschaft lag am Sonntag noch nicht vor.

Dass das Geschehen im zweiten Durchgang den Auftritt der Preußen-Spieler, die sich rund 15 Minuten warmhalten mussten, nicht positiv beeinflusste, liegt nahe. „Ich glaube, dass es schon einen Einfluss gab“, sagte Trainer Sascha Hildmann. „Es wurde hektischer, wir haben uns etwas anstecken lassen vom Stress. Ich bin froh, dass es einigermaßen zivilisiert zu Ende gegangen ist.“

Drei Fragen an Marcel Hoffmeier

Einen Vorwurf richtete der Pfälzer trotz einer sehr zähen Vorstellung nicht ans Team. „Wir hatten die deutlich bessere Spielanlage, waren nur im letzten Drittel, beim letzten Pass zu ungenau. Trotzdem war es ein wichtiger Sieg.“ Zweifellos, zumindest diese Stolpergefahr ist gebannt. Über 90 Minuten gestattete der SCP den Krefeldern keine einzige echte Tormöglichkeit. „Wir haben aufmerksam verteidigt. Mir war klar, dass da nichts passiert“, so der Trainer. „Aber ich habe recht behalten, es war ein schweres Spiel. Über den Ausrutscher von RW Essen (1:1 am Freitagabend in Wegberg-Beeck) habe er vorab „kein Wort verloren“. Auf tabellarische Feinheiten wollte er sich eh nicht einlassen. „Ich bleibe dabei, es ist ein Marathon, kein Sprint“, so der Coach. Gemeint ist das Titelrennen.

Erkenschwick im Viertelfinale

Wie ein Aufstiegsanwärter agierten die Adler nur teilweise. Chancen für mehr als das eine frühe Kopfballtor von Gerrit Wegkamp nach schöner Flanke von Thorben Deters (3.) gab es in Abschnitt eins zuhauf. „Das frühe Tor hätte uns eigentlich in die Karten spielen sollen, aber es wurde zerfahrener, der Gegner wurde besser“, so Hildmann. Marcel Hoffmeier (2.), vor allem Henok Teklab mit einem Pfostentreffer aus frei stehender Position (8.), aber auch Deters und Jannik Borgmann (9.) hatten früh beste Chancen. Teklab (29.), Borgmann (31.), Deters mit einem Seitfallzieher und einem Lattenschuss (32., 39.) und Robin Ziegele (45.+1) waren noch mal nah dran.

Nach dem Wechsel verflachte das Geschehen wieder wie schon Mitte der ersten Hälfte. Kaum ein Konter gelang den Münsteranern, während der KFC plötzlich mehr Ballbesitz generierte. Die eingewechselten Alexander Langlitz (65.) und Joshua Holtby (82.) besaßen noch die gefährlichsten Abschlüsse. Ein bisschen Zittern konnte niemand verleugnen, das dokumentierten auch die vielen Befreiungsschläge. Mit drei Punkten lässt sich dieser seltsame Nachmittag aber schnell abhaken.

Borgmann für Thiel

Für die Mannschaft stellte sich die Frage, ob sie nach dem Abpfiff in die Kurve geht, trotz der Vorkommnisse zuvor nicht. „Wir wissen ja nicht, was vorgefallen ist“, erklärte Kapitän Julian Schauerte. „Die Leute sind zwei, drei Stunden hierher gefahren, unterstützen uns seit Wochen überragend. Da wollten wir schon kurz abklatschen.“ Zumal die meisten Anhänger sich natürlich nichts hatten zu Schulden kommen lassen. „Dass in Hälfte zwei der Support fehlte, müssen wir hinnehmen“, sagte Schauerte.

Der Rechtsverteidiger sah die eigene Leistung auch halbwegs gelassen. „Je länger es nur 1:0 stand, je mehr die Zuschauer von außen gepusht haben, desto größer wurde Uerdingens Hoffnung. Aber wir haben dagegengehalten, keine Gelegenheiten erlaubt. Wir wussten, dass sie um ihr Leben kämpfen.“ Die Störfeuer in der Halbzeit ließ er nicht als Ausrede zu. „Ich glaube nicht, dass das eine Rolle spielte.“

Sportlich also alles in Ordnung, auf der anderen Ebene kommen noch unbequeme Tage auf den SCP zu.

Zur ersten Stresssituation kam es bereits weit vor dem Anpfiff, als es beim Einlass zum Gästeblock, der für die etwa 600 angereisten und zuvor angekündigten Anhänger nur einen Eingang bereithielt, zu starkem Gedränge und zu ersten Konfrontationen mit der Polizei kam. Erst mit großer Verzögerung und Auseinandersetzungen kamen die meisten der mitgereisten Preußenfans verspätet ins Stadion. Die Situation beruhigte sich schließlich und alle konzentrierten sich auf das Geschehen auf dem Rasen. In der Halbzeit eskalierte die Situation erneut, die Polizei bezog zudem vor dem Gästeblock Stellung, sodass das Spiel nicht pünktlich fortgesetzt werden konnte. Nach der Vermittlung von Vereinsverantwortlichen zwischen Polizei und Fans und dem Abzug der Einsatzkräfte konnte die Partie dann friedlich und störungsfrei zu Ende gebracht werden.

Der SC Preußen Münster stellt sich an dieser Stelle entschieden gegen jede Form der Gewaltanwendung, egal von welcher Seite. In der Aufarbeitung der Vorfälle vertrauen wir auf das Rechtssystem und darauf, dass alle Parteien die richtigen Konsequenzen daraus ziehen. Den zahlreichen Verletzten wünschen wir nur das allerbeste und eine schnelle Genesung.

So sollte das Puzzle aus vielen verschiedenen Informationen und Eindrücken Stück für Stück zusammengesetzt werden. Die Beteiligten, die allesamt auch im Stadion Velbert anwesend waren, waren sich einig, dass diese Form der Eskalation auf das schärfste zu verurteilen ist, ebenso wie das Werfen von Pyrotechnik. Eine Vorverurteilung der Preußenfans darf aber auf Basis der Erkenntnisse aus diesem Zusammentreffen und den zahlreichen Schilderungen weiterer Augenzeugen nicht stattfinden. Als Verein appellieren wir daher auch im Namen unserer Fans dafür, die Geschehnisse objektiv und vorurteilsfrei aufzuarbeiten – auch was die Rolle von Ordnungsdienst und Polizei vor Ort und die damit verbundene Frage nach Ursache und Wirkung angeht.

Zur ersten Stresssituation kam es bereits weit vor dem Anpfiff, als es beim Einlass zum Gästeblock, der für die etwa 600 angereisten und zuvor angekündigten Anhänger nur einen Eingang bereithielt, zu starkem Gedränge und zu ersten Konfrontationen mit der Polizei kam. Erst mit großer Verzögerung und Auseinandersetzungen kamen die meisten der mitgereisten Preußenfans verspätet ins Stadion. Die Situation beruhigte sich schließlich und alle konzentrierten sich auf das Geschehen auf dem Rasen. In der Halbzeit eskalierte die Situation erneut, die Polizei bezog zudem vor dem Gästeblock Stellung, sodass das Spiel nicht pünktlich fortgesetzt werden konnte. Nach der Vermittlung von Vereinsverantwortlichen zwischen Polizei und Fans und dem Abzug der Einsatzkräfte konnte die Partie dann friedlich und störungsfrei zu Ende gebracht werden.

Der SC Preußen Münster stellt sich an dieser Stelle entschieden gegen jede Form der Gewaltanwendung, egal von welcher Seite. In der Aufarbeitung der Vorfälle vertrauen wir auf das Rechtssystem und darauf, dass alle Parteien die richtigen Konsequenzen daraus ziehen. Den zahlreichen Verletzten wünschen wir nur das allerbeste und eine schnelle Genesung.

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