Preußen verlieren das letzte Saisonspiel bei Schalkes Reserve mit 2:3

Ausklang ohne Punkte

Gelsenkirchen

Das Ergebnis stand nicht mehr im Vordergrund, auch wenn einige Preußen enttäuscht waren, dass sie die 80-Punkte-Marke nicht knacken konnten. Doch nach dem 2:3 beim FC Schalke 04 II überwog die Freude auf vier freie Wochen nach einer harten Saison. Auch der Abschied mehrerer Spieler geriet ins Zentrum.

Von Thomas Rellmannund

Das 1:1 durch Simon Scherder Foto: Jürgen Peperhowe

So ein letzter Spieltag liefert fast immer die gleichen Rituale. Die Partien sind weniger von Taktik geprägt als sonst, Abschiede bekommen größeren Raum, und wer seinen Verein verlässt, erhält als kleines Präsent noch mal die Einsatzzeit, die zuvor meist fehlte. Hinterher freuen sich alle aufs Durchschnaufen, den Urlaub mit der Familie. Der Blick nach vorn darf aber auch nicht zu kurz kommen.

All diese Punkte erfüllten die Preußen am Samstag beim Schlussakt im Parkstadion vorbildlich. Der erhoffte Sieg, der den SCP über die 80-Zähler-Marke befördert und einen Zwei-Punkte-Schnitt gebracht hätte, blieb jedoch aus. 2:3 (1:1) verlor der Tabellendritte beim FC Schalke 04 II. Trainer Sascha Hildmann lächelte hinterher etwas gequält: „Es nervt mich wirklich, dass wir das nicht geschafft haben.“ Richtig böse war er seinem Team aber nicht, zumal mit Dennis Daube („Unser Stratege“), Wortführer Alexander Langlitz und Marcel Hoffmeier drei absolute Leistungsträger angeschlagen nicht dabei waren. Mit Jannik Borgmann, Dominik Klann und Deniz Bindemann kam zwar ihrer statt gehobene Qualität zum Zug, doch bei den Einwechslungen ließ der Coach dann die zweite Reihe, die den Club verlässt, noch mal aufs Parkett.

Westphal gibt sein Debüt

Dank guter Trainingsleistungen durfte Steffen Westphal im SCP-Kasten sein Debüt feiern. Die Nummer drei erhielt den Vorzug vor dem zuletzt sehr überzeugenden Marko Dedovic. „Ich habe immer versucht, mich einzubringen und voll reingehauen. Dafür dass ich meine Regionalliga-Premiere bekommen habe, bin ich sehr dankbar“, sagte er. „Mit dem Ergebnis bin ich natürlich nicht zufrieden. Ich hätte mir gewünscht, mal ein Eins-gegen-eins zu halten.“ Abstimmungsprobleme gab es bei Westphal, der nur in den ersten Minuten Lampenfieber andeutete, nicht. Gegen Brooklyn Ezeh (41.) und Kyerewaa (79.) parierte er gut. „Ich kenne die Jungs ja jetzt ein Jahr“, so der Keeper, der erst im August von Lok Stendal kam. Der U 23 bleibt der 22-Jährige erhalten, in der Oberliga soll er Praxis sammeln.

„Die, die in die Bresche gesprungen sind, bekommen keinen Vorwurf. Vollstes Verständnis, dass sie nicht voll da sind, wenn sie lange nicht gespielt haben.“ Justin Möbius, Naod Mekonnen, Gianluca Przondziono und William Møller durften noch mal ran. Mit wechselndem Erfolg. „Wir haken es ab“, so Hildmann. „Die Müdigkeit bei den anderen hat auch eine Rolle gespielt.“ Er attestierte allgemein: „Die letzte Anspannung, die Gier und Leidenschaft waren nicht da. Dann wird es gegen jeden schwer. Der Kopf war langsamer als sonst, es wurde das wilde Spiel, das ich auch erwartet hatte.“

Knackpunkt für die zweite Schlappe der Rückrunde waren die einfachen Gegentore. Vor dem 0:1 durch Daniel Kyerewaa leistete sich Niklas Heidemann einen Ballverlust gegen Jason Ceka, der seinen Kollegen klug einsetzte (26.). Dem 1:2 ging ein schwerer Mekonnen-Patzer in der S04-Hälfte voraus. Mika Hanraths schickte Luca Schuler per Steilpass direkt auf die Reise (55.). Gänzlich ungeordnet war die Deckung beim 2:3 – Noah Awassi köpfte völlig freistehend fünf Sekunden nach seiner Einwechslung eine Ecke von Leonardo Weschenfelder Scienza ins Netz (63.).

Hildmann freut sich über BVB-Aufstieg

Das spannende Saisonfinale entschied Borussia Dortmund II für sich. Der BVB ist Meister und steigt in die 3. Liga auf, RW Essen schaut (vorbehaltlich eines Protests) in die Röhre. Dieser Ausgang war Preußen-Trainer Sascha Hildmann ganz recht – nicht nur wegen der Aussicht auf zwei zuschauerträchtige Knallerspiele gegen den Erzrivalen in der neuen Saison. „Klar, auch RWE hat mehr Geld als wir. Aber das ist ein Gegner, den man analysieren kann. Bei einer U 23 weiß man ja nie, wer spielt“, sagte der Pfälzer. Er hält auch Wuppertal, Oberhausen, Fortuna Köln oder Gladbach II für echte Konkurrenten im Rennen um Platz eins. „Wir sind aber auch ganz gut“, merkte der 49-Jährige an, ehe er in die Heimat fuhr, um nach einer langen Saison etwas abzuschalten.

In der ersten halben Stunde stand Simon Scherder vermehrt im Blickpunkt. Erst bremste er Fatih Candan nach einem Stockfehler als letzter Mann unfair und war froh, dass der Angreifer nicht auf dem direktem Weg zum Tor war, so dass es bei Gelb blieb (7.). Dann scheiterte sein Rettungsversuch beim Gegentor. Schließlich glich er nach einem sehenswerten Diagonal-Chip von Klann selbst mit einer Direktabnahme aus (28.), ehe Hildmann den Abwehrchef runternahm, weil er keine Ampelkarte riskieren wollte.

Möbius kam, Klann rückte in die Innenverteidigung, das System wurde zum 4-4-2 – und Münster übernahm das Kommando. Joshua Holtby scheiterte per Freistoß an Schalkes Torwart Sören Ahlers (34.). Einen versöhnlichen Ausstand feierte immerhin Möbius noch, dessen trockener Fernschuss den zweiten Ausgleich bedeutete (59.). Doch am Ende hatte Königsblau vor den erstmals wieder zugelassenen 500 Zuschauern (sowie weiteren 150 aktiven Fans, die vom Parkhaus-Deck aus anfeuerten) mehr Energie und den größeren Willen. Ein Aufbäumen der Gäste fand nicht mehr statt. Mekonnens Kopfball (90.+1) blieb die einzige Halbchance in der Schlussphase.

Drei Fragen an Dominik Klann

Der Trainer sah eine „Steigerung in der Spieleröffnung“ nach der Pause. „Uns fehlten im letzten Drittel aber die Lösungen. Das war zu kompliziert, zu wenig Bälle in der Box. Das haben wir alles schon besser gemacht.“ Kapitän Julian Schauerte merkte an: „Es war eine anstrengende Saison, am Ende gingen wir auf dem Zahnfleisch, hatten einige Angeschlagene.“ Trotzdem zog er ein positives Fazit: „Gerade mit der Rückrunde und dem Pokalsieg können wir sehr zufrieden sein. „Es hat sich gezeigt, dass Konstanz das Wichtigste ist. Die haben BVB II und Essen mehr als wir bewiesen.“ Der Auftrag für die neue Saison wäre damit ja schon klar definiert.

Startseite