Frauen-Fußball-Bundesliga

Bayern oder wieder Wolfsburg? Showdown der Fußballerinnen

Im Rennen um die deutsche Meisterschaft der Fußballerinnen fällt nun zumindest eine Vorentscheidung zwischen Bayern und Wolfsburg. Der Titel ist in diesem Jahr nach einer Reform besonders wichtig.

dpa

Lea Schüller (r) vom FC Bayern München im Kopfballduell mit der Wolfsburgerin Dominique Janssen. Foto: Angelika Warmuth

Wolfsburg (dpa) - Mit klaren Prognosen hält sich die Bundestrainerin vor dem großen Showdown im spannendsten Meisterrennen seit Jahren zurück.

«Ich sehe beide Mannschaften im Spitzenspiel auf Augenhöhe und die Chancen stehen aus meiner Sicht 50:50», sagte Martina Voss-Tecklenburg der Deutschen Presse-Agentur vor dem Duell des VfL Wolfsburg mit dem FC Bayern München.

Noch Anfang April sahen die Bayern wie der sichere Titelträger aus, die zumindest vorübergehende Wachablösung von Dauer-Champion Wolfsburg schien unmittelbar bevorzustehen. Doch dann warf der VfL den FCB im Halbfinale aus dem DFB-Pokal und die Münchnerinnen patzten in der Liga überraschend gegen Hoffenheim. Gewinnt Wolfsburg am Sonntag (13.00 Uhr/NDR, BR, MagentaSport), stünden die Niedersächsinnen bei noch zwei ausstehenden Spielen einen Punkt vor ihrer süddeutschen Konkurrenz und die fünfte Meisterschaft in Serie wäre plötzlich zum Greifen nah.

«Das war der Patzer, auf den wir die gesamte Saison schon gewartet hatten», sagte Wolfsburgs Nationalspielerin Lena Oberdorf mit Blick auf das 2:3 der Spitzenreiterinnen gegen Hoffenheim. Im Interview der «Wolfsburger Nachrichten» ergänzte die 19-Jährige: «Mit der Doppelbelastung musste dieser Knick irgendwann kommen, und so war es ja dann auch. Wir müssen aber jetzt unsere Hausaufgaben machen und diesen Patzer auch ausnutzen.» Den Wolfsburgerinnen hilft aller Voraussicht nach nur ein Sieg.

In der Liga sind die beiden Mannschaften der Konkurrenz weit enteilt - nicht die einzige Gemeinsamkeit in dieser Spielzeit. In der Champions League schieden sowohl die Wolfsburgerinnen (im Viertelfinale) als auch die Bayerinnen (im Halbfinale) gegen den FC Chelsea aus. Deutschland muss also weiter auf den ersten Königsklassen-Titel bei den Frauen seit dem Triumph des 1. FFC Frankfurt 2015 warten.

Und in den kommenden Jahren wird es für den VfL und den FCB international nicht einfacher. Die Champions-League-Finalisten Chelsea und FC Barcelona sind nur zwei Beispiele für die aufstrebenden Spitzenclubs gerade aus England, wo die Fußballerinnen von einem millionenschweren TV-Vertrag profitieren, und Spanien.

Noch drohen Wolfsburg und der FC Bayern keinesfalls, den Anschluss zu verpassen. Doch die Münchner Kapitänin Lina Magull mahnte zuletzt bereits professionellere Strukturen im Frauenfußball an. «Dem DFB und den Vereinen ist bewusst, dass wir uns da ein bisschen schneller entwickeln müssen. Im Vergleich zu den anderen Nationen waren wir vor ein paar Jahren vorne dran, aber jetzt hängen wir mittlerweile ein bisschen hinten dran», sagte die 26 Jahre alte Nationalspielerin. «Da müssen wir wirklich aufpassen, dass das sich nicht in eine falsche Richtung entwickelt.»

Wolfsburgs Sportlicher Leiter unterscheidet beim Blick nach England zwei Aspekte. «Sportlich sind wir absolut auf Augenhöhe», sagte Ralf Kellermann. «Dass beim FC Chelsea Spielerinnen spielen, die wir in Deutschland und in Wolfsburg nicht bezahlen können und auch wollen, ist das andere. Wo uns die englische Super League deutlich abgehängt hat, ist in der Vermarktung.»

Um auch langfristig zu den besten Teams in Europa zu gehören, ist eine regelmäßige Teilnahme an der reformierten Champions League Pflicht. Auch vor diesem Hintergrund hat das enge Meisterrennen und damit auch die Partie am Sonntag eine enorme Bedeutung. «Der Titel ist in diesem Jahr mehr wert, weil er eine Planungssicherheit bringt und man direkt in der Gruppenphase der Champions League dabei ist», sagte Kellermann. Der Tabellenzweite muss dagegen in die Qualifikation und kann dort auf eine absolute Top-Mannschaft treffen.

© dpa-infocom, dpa:210507-99-505350/2

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