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Transfers

Münchner Shopping-Champions mit Lust auf mehr

Washington (dpa)

Nach Sadio Mané, Ryan Gravenberch und Noussair Mazraoui freuen sich die Bayern über Topmann Matthijs de Ligt. Nach rund 120 Millionen Euro Ausgaben für Ablösen bleibt die Lust auf neue Stars groß.

Von Christian Kunz und Martin Moravec, dpa

Matthijs de Ligt lächelt beim Verlassen der Geschäftsstelle des Bundesligisten FC Bayern München aus dem Fenster eines Autos. Foto: Mladen Lackovic/dpa

Als der neue Abwehrchef Matthijs de Ligt bereits auf dem Weg zu seinen Mitspielern nach Washington war, vollzog der FC Bayern die Verpflichtung seines Starzugangs endgültig.

Der 22-jährige Niederländer unterschrieb laut Mitteilung vom Dienstagabend bei den Münchnern einen Vertrag bis zum 30. Juni 2027 und kostet 67 Millionen Euro Ablöse, die sich durch Bonuszahlungen um bis zu zehn weitere Millionen erhöhen kann. «Ich bin sehr froh, dass ich jetzt Teil der Geschichte des FC Bayern werde», sagte der Innenverteidiger, der am 20. Juli gegen D.C. United erstmals das Bayern-Trikot tragen könnte.

«De Ligt soll eine tragende Säule werden»

«Mit solchen Transfers sind die großen Ziele möglich, die wir verfolgen», sagte Präsident Herbert Hainer über den «absoluten Wunschspieler» und ergänzte: «Das Gesicht unserer zukünftigen Mannschaft nimmt mehr und mehr Konturen an, und dieser Transfer ist ein wichtiger Baustein im Rahmen des Gesamtkonzepts, das wir Schritt für Schritt umsetzen. De Ligt soll beim FC Bayern eine tragende Säule werden.»

Hainers Aussagen ließen Spielraum für weitere Transfers in diesem Sommer. Die kostspielige Einkaufstour des FC Bayern muss also auch nach der Verpflichtung von de Ligt noch lange nicht zu Ende sein.

Shopping-Champions Europas

Mit rund 120 Millionen Euro an Ablösesummen küren sich die Münchner zumindest vorerst aber zu den Shopping-Champions Europas. «Überall verstärken sich die Clubs weiter. Des Rennen hört ja jetzt nicht auf», sagte Vorstandschef Oliver Kahn in der Nacht im Mannschaftshotel in Washington, fußläufig 20 Minuten vom Weißen Haus entfernt.

Nach Sadio Mané vom FC Liverpool sowie Ryan Gravenberch und Noussair Mazraoui von Ajax Amsterdam stößt nun auch de Ligt von Juventus Turin, das die Ablösesummen publik machte, zu den Münchnern, die eine besondere Marke aufstellen. Real Madrid gab für Aurélien Tchouameni von der AS Monaco rund 80 Millionen Euro aus, der FC Barcelona zahlte für Raphinha von Leeds United und Robert Lewandowski vom FC Bayern über 100 Millionen Euro. Ebenfalls eine dreistellige Summe legte Manchester City für den Ex-Dortmunder Erling Haaland und Kalvin Phillips von Leeds United hin.

«Es ist viel los. Ich meine, bei uns ist es ja ähnlich wie bei anderen Vereinen, da tut sich einiges», sagte Torhüter Manuel Neuer. Er verwies national auf den BVB, der Niklas Süle ablösefrei aus München verpflichtete. Die Westfalen zahlten für Sébastien Haller (Ajax Amsterdam), Karim Adeyemi (Red Bull Salzburg), Nico Schlotterbeck (SC Freiburg) und Salih Özcan (1. FC Köln) über 85 Millionen Euro Ablöse.

Neuer: «Sind wieder Favorit auf die Meisterschaft»

Neuer sieht den FC Bayern aber weiter in der Pole Position im Kampf um die Meisterschaft. «Wenn uns nicht viel passiert mit Verletzungen und Ausfällen, ist es so, dass wir wieder der Favorit auf die deutsche Meisterschaft sind», sagte Neuer.

Dem Abgang von Weltfußballer Lewandowski sowie den Wechseln der Ergänzungsspieler Marco Roca und Omar Richards, was in der Summe mehr als die Hälfte der Ablöseausgaben kompensiert, stehen eben auch hochkarätige Neuzugänge gegenüber. Wie von de Ligt, der eine große Tradition von Niederländern beim FC Bayern wie Arjen Robben, Mark van Bommel oder Roy Makaay fortsetzt.

«Er wird beim FC Bayern eine wichtige Rolle auf dem Platz und neben dem Platz einnehmen», sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Mit dem vor drei Jahren von Atlético Madrid geholten Lucas Hernández (80 Millionen Euro) bildet de Ligt nun das teuerste Abwehr-Duo der Welt.

Ob er in seiner 2011 begonnen Zeit beim FC Bayern schon so einen Einschnitt erlebt habe, sei «schwer zu sagen», sagte Neuer. «Es ist ja so, dass immer noch alles offen ist. Es heißt ja nicht, dass wir niemanden mehr hinzubekommen werden.»

Zwar meinte Neuer wohl in erster Linie Innenverteidiger de Ligt, aber die Zugänge von Konrad Laimer von RB Leipzig und Mathys Tel von Stade Rennes bleiben heiße Themen. Bei Laimer sollen die Münchner das Angebot für eine Ablöse in Höhe von 20 Millionen Euro hinterlegt haben. Und der 17-jährige Tel hat es den Bayern schon seit einiger Zeit angetan. «Wir haben ein Gespräch geführt - und das ist es», sagte Salihamidzic, der zu Verhandlungen in Frankreich war.

Bayern an französischem Sturmtalent interessiert

Der Franzose Tel von Stade Rennes gilt als herausragendes Sturmtalent. Als Ablöse steht die für einen 17-Jährigen stolze Summe von rund 20 Millionen Euro im Raum. «Tel ist ein hochinteressanter Spieler, den wir schon länger beobachten. Ein super-starkes Talent. Das Transferfenster ist noch eine Weile offen, also schauen wir einfach», sagte Kahn und bremste im Poker um eines der größten Sturmtalente Europas aber auch etwas ab. «Was die Offensive anbelangt, haben wir viele Möglichkeiten. Wir müssen schauen, dass wir jetzt nicht überziehen. Das muss alles sinnvoll sein.»

Auch in der Abwehr haben die Münchner viele Optionen. Benjamin Pavard gilt daher als erster Verkaufskandidat. «Wir denken jetzt im Moment nicht darüber nach, den einen oder anderen abzugeben», sagte Kahn. «Im Moment denken wir nicht in diesen Kategorien, weil wir ja immer schauen, was können die Spieler noch alles spielen. Es gibt ja nichts Besseres, als flexible Spieler zu haben.»

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