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RB Leipzig

Nach Gipfelstürmer Nagelsmann: Marsch will «over the hill»

Leipzig (dpa)

Bei RB Leipzig sollen unter Coach Marsch alle Vorzüge der vergangenen Jahre vereint werden. Während Vorgänger Nagelsmann auf taktische Veränderungen setzte, will der US-Amerikaner die einzelnen DNA-Stränge aus dem RB-Kosmos zusammenfügen.

Von Frank Kastner, dpa

Der neue Trainer Jesse Marsch spricht in der Pressekonferenz vor dem Trainingsauftakt. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Das neue Sturmjuwel André Silva suchten die rund 250 zugelassenen Fans beim Trainingsauftakt von RB Leipzig noch vergeblich. Auch das Dutzend EM-Spieler bekam niemand zu Gesicht, denn Marcel Sabitzer und Co. sind im wohlverdienten Urlaub.

Der Star der ersten Übungseinheit am Leipziger Cottaweg, die mit Sturm und Regen begann, war Jesse Marsch. Der neue Cheftrainer des sächsischen Fußball-Bundesligisten wurde mit herzlichem Applaus empfangen und reagierte so, wie es sich die Anhänger erhofften: mit einem freundlichen Lächeln und der Kämpferfaust.

Dabei ist für Marsch selbst nicht der Trainer die Hauptfigur. Der volle Energie ausstrahlende US-Amerikaner setzt auf gelebtes Miteinander. Nur so könne man auch große Spiele gewinnen. «Letztes Jahr hatten wir viel Erfolg gegen Gegner, die wir besiegen müssen. Nun stellt sich gegen Top-Top-Gegner immer die Frage, gehen wir 'over the hill' - machen wir den nächsten großen Schritt gegen Dortmund und Bayern? Da müssen wir unser bestes Spiel spielen», betonte Marsch am Dienstag auf der Pressekonferenz bei seiner Vorstellung vor dem Trainingsauftakt.

Dazu favorisiert der 47-Jährige mit seinem Team die «totale Spielkontrolle». Der Nachfolger von Gipfelstürmer Julian Nagelsmann und einstige Assistent von Ralf Rangnick will dessen RB-DNA sowie die Weiterentwicklung unter Nagelsmann vereinen. «Ich will die besten Dinge aus den letzten zwei Jahren nutzen, aber wir bleiben auch bei unserer Fußball-Philosophie von vor drei Jahren oder wie zuletzt in Salzburg. Es ist ganz wichtig, gut mit dem Ball zu sein. Gegner und Spiel total zu kontrollieren. Das ist unser Ziel. Es ist nicht immer möglich, aber es ist unser Ziel», sagte Marsch.

Zuvor führte der Ex-Trainer vom Schwesternclub Red Bull Salzburg zahlreiche Telefonate mit seinen Spielern. Mit Stürmer Alexander Sörloth gab es am Vortag ein persönliches Vier-Augen-Gespräch. «Alex ist ein Superjunge und ein Superspieler», betonte Marsch. Nach der Verpflichtung von Eintracht-Torjäger Silva will der Cheftrainer die nächsten Wochen abwarten, ehe er hinsichtlich des großen Kaders weitere Entscheidungen trifft.

RB-Chef Oliver Mintzlaff kündigte weitere Aktivitäten auf dem Transfermarkt an. «Der Kader reicht von der Qualität und Quantität her aus, doch das schließt nicht aus, dass wir noch was machen oder den ein oder anderen Spieler noch abgeben werden», sagte Mintzlaff und meinte zum Transfermarkt nach der EM: «Er nimmt langsam Fahrt auf, grundsätzlich wissen wir, was wir machen möchten.»

Marsch setzt in Leipzig auf eine Wohlfühloase. «Ich kenne Verein, Fans, Stadt, den Kader. Für mich ist Leipzig die perfekte Lage. Es war schon damals in New York mein Traum, Trainer in Leipzig zu sein.» Von seinen Jungs fordert er vor allem «Mentalität, im Spiel füreinander da zu sein, totale Leidenschaft, volle Energie», betonte er. Dabei seien die Grundordnungen sekundär. «Im Prinzip ist meine Idee von unserem Fußball nicht abhängig vor einer Ordnung. In Salzburg haben wir viele Grundordnungen probiert, auch hier gibt es viel Flexibilität. Der Vorteil unseres Kaders ist, wir sind so breit aufgestellt und haben so viel Qualität. Da müssen wir eine gute Balance finden.»

Angesichts einer derzeitigen Kaderstärke von über 30 keine einfache Aufgabe. Am Dienstag trainierten 22 Kicker, von denen etliche der U19 angehören und nur vorübergehend bei den Profis mitarbeiten. Neuzugang Brian Brobbey (Ajax Amsterdam) trainiert nach Verletzung noch etwa zwei Wochen individuell. Dafür waren Mohamed Simakan (Racing Straßburg) sowie die zu den Profis aufgerückten Youngster Hugo Novoa und Sidney Raebiger dabei.

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