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Fußball: Regionalliga West

Preußen Münster macht über 10.000 Fans glücklich

Münster

Um Schönheitspreise geht es im Saisonfinale der Regionalliga nicht mehr, nur Siege zählen. Und so hat der SC Preußen Münster alles richtig gemacht und Fortuna Köln mit viel Mühe mit 1:0 bezwungen. 10883 Zuschauer feierten diesen wichtigen Schritt in Richtung Liga drei.

Von Thomas Rellmann und Alexander Heflik

Ein enges Rennen: Auch hier beim Zweikampf von Jules Schwadorf gegen Mike Owusu Foto: Jürgen Peperhowe

Ein Jokertor von Deniz Bindemann hat Preußen Münster im Titelrennen einen gewaltigen Schritt nach vorn gebracht. Die hohe Hürde Fortuna Köln übersprang der Spitzenreiter im Nachholspiel nach zähem Ringen. Das 1:0 (0:0) war vielleicht der Prototyp des Arbeitssieges, doch Spielern wie Zuschauern war das einerlei, denn der Einsatz passte erneut. Die gemeinsame Feier mit den Fans überstrahlte ohnehin alles.

Starker Start

Trainer Sascha Hildmann sprach nachher von einem „super schönen Abend“. Er meinte nicht nur das Resultat, sondern auch die vollen Ränge. „Es war schwer durchzukommen und Gelegenheiten zu kreieren. Aber wir sind die ganze Zeit mit viel Mut angelaufen. Das hat mir gefallen.“ Sein Wunsch: „Ich hoffe, dass jetzt ganz viele Anhänger am Sonntag mit nach Oberhausen fahren.“ Auch dort wartet eine brisante Partie.

Angestachelt von der zünftigen Atmosphäre legten die Gastgeber spürbar motiviert los. Nach sechseinhalb Minuten hätte es fast gerappelt, als Gerrit Wegkamp an Keeper André Weis scheiterte, Sören Dieckmann so gerade den Nachschuss von Jules Schwadorf blockte und auch Luke Hemmerich Sekunden später einen Abschluss verzeichnete. Schon loderte es an der Hammer Straße. Auf der anderen Seite verschätzte sich Hemmerich bei einem langen Ball von André Dej, doch Dieckmann hob ihn weit über den Kasten (10.). Glück hatte der SCP, als Referee Lars Aarts den Zweikampf von Robin Ziegele gegen Mike Owusu weder als Notbremse wertete noch mit Elfer ahndete. Eine Viertelstunde war rum und der Gast lange angekommen. „Als Verteidiger sage ich natürlich, dass ich den Körper reingehalten und ihn so aus der Fassung gebracht habe“, erklärte der Münsteraner.

Die Partie lebte von der ungeheuren Spannung, fehlerlos agierten beide Seiten nicht. Gerade, wenn es Richtung Strafraum ging, ließ sich eine gewisse Hektik nicht leugnen. Natürlich war bei missglückten Aktionen auch schneller ein Raunen zu vernehmen. Der SCP hatte noch nicht die Lösung für Lücken gefunden, riss sich aber den Allerwertesten auf, gerade nach Ballverlusten.

Viel Mühe, wenig Fluss

Die Torszenen wurden im Verlauf der ersten Hälfte immer seltener. Die Abwehrreihen verteidigten aufmerksam. Doch nach einem Freistoß von Henok Teklab bekamen die Kölner das Leder nicht weg, stattdessen fiel es dem freien Ziegele vor den Fuß, der Weis umkurvte, aber aus spitzem Winkel nur den Pfosten traf (41.). „Ich habe nur auf den Ball geguckt“, so der Preuße.

Krampf bis zur Bindemann-Erlösung

Nach dem Wechsel nahm sich Teklab ein Solo und legte perfekt für Alexander Langlitz nach innen, doch der brachte leicht bedrängt nur ein Schüss­chen in die Arme von Weis zustande (50.). Auch Wegkamp hatte einen Versuch (53.). Trotzdem wuchs die Ungeduld, zumal Angriffe oft mit sehr ungenauen Pässen endeten. Allerdings war der Gegner in diesem Punkt nicht besser.

Nach gut einer Stunde begannen die Kölner dann vermehrt, auf Zeit zu spielen. Nach vorn wagten sie sich nur noch selten. Die Münsteraner waren schon sehr überlegen. Doch sie taten sich noch immer schwer mit klaren Zuspielen oder gar Möglichkeiten. Viele Fouls, viele Unterbrechungen – das Spitzenspiel wurde nicht ansehnlicher. Es ging zugleich nur in eine Richtung. Das zeigte, wer mehr Druck hatte, aber auch die besseren Kraftreserven mitbrachte.

Ja, und dann war da der eine Moment! Der erste fatale Fehler, den sich ein Team leistete. Ziegele schlug die Kugel weit nach vorn, eher ungefährlich. Doch Jean Marie Nadjombe klärte ohne Not mit dem Kopf in die Mitte, genau auf den Schlappen von Joker Deniz Bindemann. So cool wie der 19-Jährige muss man in dieser Szenerie erst mal bleiben, auch wenn er ganz frei stand. Volley nagelte der Youngster das Spielgerät in die Maschen – 1:0 nach 77 Minuten. „Der Ball kam runter, ich habe ihn direkt genommen und super getroffen. Wenn man nicht viel nachdenkt und einfach macht, dann klappt das schon.“

Sofort zog sich der SCP zurück, die Ausgangslage hatte sich umgekehrt. Doch die Hausherren brachten das Ergebnis leidenschaftlich über die Bühne, auch wenn Langlitz bei einem Konter nach Bindemanns Pass noch ein sicheres Tor ausließ (90.+1) und alle im Stadion weiter bangen mussten. Danach gab es kein Halten mehr. Dass RW Essen 4:0 gegen den SV Lippstadt gewann und beim Torverhältnis aufholte, spielte keine Rolle.

Interview mit Julian Schauerte


Wie sehr haben Sie in den letzten Minuten vor allem nach der Großchance von Alexander Langlitz noch gezittert?
Schauerte: Ach, solche Dinger hatten wir ja schon öfter. Das weiß er selbst, dass der rein muss.
Hatten Sie einen solchen Spielverlauf erwartet?
Schauerte: Ja, wir sind anfangs schwer reingekommen, waren aber konzentriert und haben gut gestanden. Wichtig war, dass wir Köln in der Offensive unter Kontrolle kriegen. Es gab wenig klare Chancen. Wir haben uns reingebissen und taktisch beim Anlaufen umgestellt. Wir waren bestimmend, hatten die klareren Chancen. Daher geht der Sieg in Ordnung. Etwas Spielglück haben wir auch benötigt.
Wie bewerten Sie die Tabelle vier Spieltage vor dem Saisonende?
Schauerte: So lange wir unsere Hausaufgaben machen, ist alles okay. Fortuna war lange ganz vorne mit drin. Deshalb war es so wichtig, dass wir das 1:0 irgendwie über die Bühne kriegen.

Statistik

SCP: Schulze Niehues – Schauerte, Ziegele, Hoffmeier, Hemmerich – Kok (86. Borgmann) – Remberg, Schwadorf (61. Deters) – Langlitz, Wegkamp (61. Bindemann), Teklab (68. Kwadwo)

Fortuna: Weis – Dieckmann, Fünger (66. Nadjombe), Löhden, Rumpf – Dej Batarilo-Cerdic (73. Kegel) – Owusu (46. Hölscher), Demaj, Marquet – Najar

Schiedsrichter: Lars Aarts (Goch)

Tore: 1:0 Bindemann (77.)

Zuschauer: 10.883

Gelb: Schwadorf, Teklab / Dieckmann,Marquet, Kegel

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