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Fußball: Regionalliga West

RW Essen lässt die Hafenstraße beben, Preußen wollen 2023 nachziehen

Münster

Der letzte Vorhang ist gefallen. RW Essen geht in die 3. Liga hoch, Preußen Münster verharrt eine Etage tiefer. An der Hafenstraße und eigentlich in der ganzen Stadt wurde ausgelassen gefeiert. Die Adler stürzten aber auch nicht in die Depression, sondern wurden vom Anhang gewürdigt und blickten voraus.

Von Thomas Rellmann und Alexander Heflik

Kontraste, getrennt durch drei, vier Tore: Essen feierte ausgelassen, während die Preußen niedergeschlagen waren. Foto: pa, Peperhowe

Der eine Traditionsclub aus NRW erlebte eine Party ohne Grenzen, der andere muss tief betrübt in der Viertklassigkeit verharren. RW Essen behauptete die Spitze der Regionalliga West im Aufstiegskrimi mit einem 2:0 (1:0) gegen RW Ahlen, während Preußen Münster das 2:1 (0:1) gegen den 1. FC Köln II nicht mehr half. Für eine erneute Wendung im Titelrennen hätte das Bundesliga-Gründungsmitglied ein 6:1 gebraucht, doch gerade nach der Pause blieben einmal mehr die vorhandenen Chancen hierfür auf der Strecke.

Der Schmerz war nachher in allen Gesichtern zu erkennen an der Hammer Straße. Gleichzeitig waren alle aber auch stolz auf eine super Saison (2,29 Zähler pro Partie). Die Kulisse war bedient und hatte zugleich ein gutes Gespür, dass Zuspruch nötig war in dem Moment. Joshua Schwirten hatte die Gäste in Front gebracht (40.), im Sturmlauf der Hausherren waren Thorben Deters (49.) und Marcel Hoffmeier (72.) erfolgreich.

Das kleine Wunder blieb aus. „Es hat keinen Sinn zu philosophieren, wo wir es liegen lassen haben“, sagte Kapitän Julian Schauerte. „Ich hatte gedacht, dass ich meine Emotionen besser im Griff hätte.“ Sportdirektor Peter Niemeyer war ebenfalls traurig. „Es war merklich Druck auf dem Kessel. Aber ich habe bis zum Schluss dran geglaubt, weil wir Vollgas und Mentalität gezeigt haben.“ Das Zusammenwirken von Team und Fans ist für ihn elementar, auch in der Zukunft. „Unser Ansporn ist, dass die Welle nicht bricht, sondern größer wird“, so der 38-Jährige.

Sascha Hildmann

Coach Sascha Hildmann, dem Fast-Meistermacher, fehlte direkt nach Abpfiff die Kraft, eine Ansprache an die Spieler zu halten. „Mich hat das alles zu sehr mitgenommen. Es ist sehr bitter, aber ich bin auch sehr stolz.“

Ganz anders die Stimmung an der Hafenstraße, wo zwei Spieltage vor Schluss noch Trainer Christian Neidhart gehen musste. Seit es die 3. Liga gibt, genauer gesagt seit 2008, versuchte der Revierclub dorthin zu gelangen. Nach vielen vergeblichen Anläufen und dem hauchdünnen Scheitern im Vorjahr (punktgleich mit Borussia Dortmund II) drehten die Essener den Spieß nun um, setzten sich vor einer Woche wieder an die Spitze und gewannen dank der Tore von Cedric Harenbrock (29.) und Simon Engelmann (60.) souverän.

Der Ausnahmezustand im Stadion kannte keine Grenzen, schon lange vor dem Abpfiff war die Masse siegessicher. Mittelfeldspieler Oguzhan Kefkir sagte: „Wir sind einfach nur erleichtert. Die ganze Last von der Saison ist von den Schultern. Es ist einfach nur geil und unbeschreiblich.“

Große Erwartungshaltung

Der Erwartungshaltung beim Top-Favoriten war riesig über die gesamte Serie, die vom Böllerwurf-Skandal im Rückspiel gegen Münster samt Wertung pro SCP überschattet und vielen Rückschlägen wie personellen Eskapaden durchzogen war. Vorstandschef Marcus Uhlig dachte im Triumph aber sogar an den Dauer-Erzrivalen: „Das war ein epischer Kampf mit 1000 Geschichten. Wir sehen uns im nächsten Jahr in der 3. Liga“, sagte er dem „Reviersport“. Der Clubboss hatte Tränen in den Augen, als er hervorbrachte: „Der Riese ist erwacht!“ Die Essener Innenstadt tauchte derweil für Stunden in ein rot-weißes Farbenmeer ein.

Die Preußen waren emotional aufegwühlt. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Preußen, die fair gratulierten, würden gern 2023 nachziehen. Wie beschwerlich der Weg dorthin ist, hat RWE gezeigt – und es letztlich doch gepackt.

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