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Fußball: Bundesliga

Mehr Wollen als Können – Schalke lässt sich auch von Bielefeld düpieren

Gelsenkirchen

Immer wieder neue Sorgenfalten, immer wieder noch heftigere Rückschläge – beim FC Schalke 04 ist ein Ende der Krise nicht in Sicht. Wer jetzt wohl Trainer wird? Hingegen machte Arminia Bielefeld mit dem 1:0 in Gelsenkirchen erneut gegen einen direkten Konkurrenten einen riesigen Schritt im Keller.

Jürgen Beckgerd

Faboan Klos (r.) hat getroffen, der Ball ist im Netz. Salif Sané, Bastian Oczipka und Ralf Fährmann (v.l.) verhinderten den nächsten Rückschlag nicht. Foto: dpa

Für die einen war es eine Art Befreiungsschlag, für die anderen die Zementierung des Status quo. Mit 1:0 (0:0) gewann Arminia Bielefeld beim FC Schalke 04, verschaffte sich wieder eine Perspektive im Abstiegskampf und sicherte sich den ersten Sieg seit 1971 in Gelsenkirchen. Kapitän Fabian Klos traf per Kopfball zum verdienten Sieg (53.) der Arminen.

Deren Trainer Uwe Neuhaus konnte zufrieden sein mit dem Auftritt. „Wir hatten eine gute Ordnung, alle hatten das gleiche Ziel“, sagte der Coach. Besonders gefiel ihm die Mentalität seiner Männer: „Im Abstiegskampf haben wir uns bis an die Grenze gewehrt. Das war knüppelhart in den Zweikämpfen, aber nie überhart“.

Huub Stevens

Mit dieser Einstellung gingen auch die Schalker zu Werke. Immerhin. Spielerisch war das von den Gastgebern allerdings wieder einmal weniger als nichts. Die „Knappen“ tragen schwer an dem Rucksack, dass im Spielaufbau, in der Positionsverschiebung, im Herausspielen von Chancen zwar das Wollen zu erkennen, aber das Können nicht mehr vorhanden ist. Diese Defizite, kaum ein Spiel auch mal gestalten, initiieren und bestimmen zu können, schleppen die Königsblauen seit dem 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach mit sich herum, also seit Januar dieses Jahres. Danach gelang – nichts mehr.

Warum also Schalkes Autorität, Huub Stevens, für diese eine Bundesliga-Partie auf die Bank rückte und Manuel Baum am Freitag unmittelbar vor der kurzen Winterpause entlassen wurde? Dass Stevens in 90 Minuten plus Nachspielzeit das Ruder herumreißen würde, war wohl eher einem Wunsch denn einem Plan geschuldet. Wer zuvor 28 Punktspiele nicht gewinnt, sollte allerdings gegen den unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, ja um die sportliche Existenz, genau wissen, an welchen Hebeln geschraubt werden müsste. Ansonsten rückt das Vorhaben in den Verdacht des Aktionismus. Schlecht im verzweifelten Bemühen, die Wende herbeizuführen.

Dienstag gegen Ulm

Stevens, der ein Engagement über den Dienstag (Pokalspiel gegen Regionalligist SSV Ulm, 18.30 Uhr) hinaus ausschloss („Lasst euch überraschen. Aber ich möchte gern Weihnachten in Ruhe zu Hause sein. Auch an Silvester“), sah immerhin ein „Abstiegskampfspiel“, in dem „Bielefeld der glücklichere Sieger war“. Neuhaus bestätigte: „Das war nicht die beste Performance, was die Qualität des Fußballspielens angeht, aber wir haben gut gefightet“.

Das werden die Schalker in den verbleibenden 21 Saisonspielen – im Januar sind Hertha BSC, 1899 Hoffenheim, Eintracht Frankfurt, Bayern München und Werder Bremen die Gegner – zumindest müssen. Wer dann das Himmelfahrtskommando anführt? Sportvorstand Jochen Schneider habe zumindest einen konkreten Nachfolger im Kopf, betonte er. „Schauen wir mal, das werden wir verkünden, wenn es so weit ist.“

Ob es auf Friedhelm Funkel (67) hinausläuft? Der ehemalige Düsseldorfer Coach verfügt immerhin über Erfahrung im Abstiegskampf und wird zurzeit medial heiß gehandelt. Als weitere Kandidaten werden Alexander Zorniger (53) und Dimitrios Grammozis (42) genannt. Der frühere Darmstadt-Coach Grammozis bestätigte bei „ran.de“, dass es Kontakte schon vor der Baum-Verpflichtung gab.

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