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Fußball: Regionalliga West

Spannung im Titelkampf: Essen trifft nicht und der SCP siegt

Münster

Preußen Münster geht mit einem kleinen Vorteil als Tabellenführer in die restlichen sechs Meisterschaftsspiel der Regionalliga West. RW Essen, der Top-Favorit auf den Aufstieg in die 3. Liga, hat aber noch lange nicht aufgegeben. Allerdings schießt das Team von Christian Neidhart zu wenig Tore und hat viel Boden in den vergangenen Wochen verloren.

Von Alexander Heflik

Gerrit Wegkamp (Mitte) hat gerade das 1:1 für Münster in Essen erzielt, dann wird die Partie abgebrochen. Wer feiert am Ende? Wer hadert am letzten Spieltag?   Foto: Jürgen Peperhowe

Niemand, wirklich niemand sollte RW Essen jetzt schon abschreiben. Na klar, seit 2008 versucht der Club, zurück in die 3. Liga zu kommen. Und natürlich haftet dem Verein auch ein wenig das Karma „unaufsteigbar“ an. Wobei das, na klar und natürlich, ungerecht ist. Schließlich spielte RWE seit dem Zweitliga-Abstieg 2008 nicht immer um einen Aufstieg mit. Aber nach der Insolvenz im Jahr 2010 gelang ein Jahr später der Sprung von der NRW-Liga in die Regionalliga West. Und hier nun, in der vierten Liga, war RW Essen nur in den letzten beiden Spielzeiten wirklich nah dran an einer Drittliga-Rückkehr.

Erst Dortmund II, jetzt Münster?

In der Vorsaison stand die überragende Zweitvertretung von Borussia Dortmund im Weg, nun hat der SC Preußen die Führungsrolle inne. Essens Bilanz ist dabei fantastisch mit 2,25 Punkten je Partie in der Vorsaison – Dortmund war halt marginal besser mit 2,325 Zählern im Schnitt. 90:93 lautet die Punktebilanz aus Essener Warte. Auch in dieser Spielzeit suchen 2,21 Punkte Schnittmenge ihresgleichen – Münster macht es mit 2,28 einen Tacken besser. 73:71 für Münster.

Ein bisschen Regionalliga-Geschichte sei erlaubt: In der Vorsaison lag Essen am 22. Spieltag noch einen Zähler vor Dortmund. Dann, zu einem vergleichbaren Zeitpunkt zu heute in der 40-Spiele-Mammutsaison, hatte Dortmund plötzlich neun Zähler Vorsprung. Essen war aus dem Tritt gekommen.

Wendepunkt Böllerwurf?

In dieser Spielzeit sind die Dinge aber viel knapper gestrickt. Die Preußen profitieren auch davon, dass Essen das direkte Aufeinandertreffen mit 0:2 am grünen Tisch verloren hat. Genau deshalb hat der SCP nun zwei Punkte Vorsprung und ein leicht besseres Torverhältnis. Die Partie war beim Stand von 1:1 am 20. Februar abge­brochen worden nach einem Böllerwurf, bei dem die SCP-Spieler Jannik Borgmann und Marvin Thiel sowie Athletikcoach Tim Geidies verletzt wurden.

Keiner kann sagen, dass die Dinge in Essen völlig falsch laufen. Aber mit dem Wechseltheater um Dennis Grote (jetzt Wacker Innsbruck) in der Winterpause, der ausgerechnet nach Münster gehen wollte, nahmen die negativen Verkettungen ihren Lauf. Dann kam der Böllerwurf. Auch Trainer Christian Neidhart teilte mit, gescheitert zu sein, wenn das mit dem Aufstieg im zweiten Anlauf auch nicht klappen sollte. Aus­gerechnet Essen, der Zuschauermagnet aller Regionalligisten bundesweit mit 8694 Besuchern je Heimspiel – trotz Corona-Bremse.

RWE mit Top-Bilanz und Simon Engelmann

Dabei schlägt sich RWE, rein sportlich betrachtet mit einer vergleichbaren Problematik herum, wie es auch der SC Preußen tat. Der Tabellenzweite verholzt zu viele Chancen. Logisch, Essen hat die Regionalliga-Tor­maschine Simon Engelmann in den eigenen Reihen. Der 33-Jährige erzielte bislang 20 Tore, insgesamt 170 Treffer in der Regionalliga West seit 2010, mit Rödinghausen gelang ihm bereits ein Titelgewinn. Aber das hilft RWE gerade nicht wirklich weiter.

Weil der Unterschied zwischen Münster und Essen zudem auch der ist, dass der SCP in den letzten vier Spielen kein Gegentor kassierte und alles gewann, unabhängig davon, ob Max Schulze Niehues oder Marko Dedovic im Tor stand. Und da ist der grandiose 3:0-Erfolg über den SC Verl im Westfalenpokal-Halbfinale noch nicht einmal verbucht. Essen dagegen holte nur fünf von zwölf möglichen Zählern, und kann nicht mehr ge­winnen, wenn es ein Gegentor kassiert – wie in Ahlen (0:2), Oberhausen (1:1) oder zuletzt in Aachen (1:1).

Entscheidet die Abwehr über den Titel?

Sechs Spieltage noch, in der Regionalliga West ist wenig entschieden, außer, dass der VfB Homberg als erster Absteiger bereits feststeht. Im Aufstiegskampf ist das Drama Gewissheit. Wie das Schauspiel endet? Wer weiß das schon. Vermutlich wird die beste Abwehr der Regionalliga, diejenige, die nun kaum noch ein Gegentor kassiert, das Rennen machen. Fühlt sich irgendwie ganz gut an für die Preußen.

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