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Fußball: WM 2022 in Katar

Kommentar: Messi-Festspiele im besten Finale seit Jahrzehnten

Münster

Es war das beste WM-Finale seit Jahrzehnten, und natürlich ist Argentinien ein würdiger Gewinner. Alles dreht sich nun um Lionel Messi, doch der Personenkult sollte nicht das fleißige Kollektiv in den Schatten stellen, schreibt uns Redakteur Thomas Rellmann.

Von Thomas Rellmann

Argentiniens Lionel Messi rundete seine große Karriere mit dem WM-Titel in Katar ab. Foto: Imago/Bildbyran

Schon vor dem ersten WM-Anstoß äußerten viele Fachleute die Ahnung, dass sich in Katar ein Team aus Südamerika durchsetzen würde. Einfach weil der Stellenwert des umstrittenen Turniers dort ein völlig anderer war als in Europa. Die meisten hatten wohl eher die grandios besetzten Brasilianer auf dem Zettel. Stattdessen wurden die vier Wochen zu Festspielen von Lionel Messi.

Der 35-Jährige hat Argentinien zum Titel geführt, auch in diesem vielleicht besten Endspiel der letzten Jahrzehnte gegen Frankreich. Es war die Krönung einer Karriere, für die jedes Superlativ eine Untertreibung wäre. Der Fußball verneigt sich vor Messi, sollte aber bei dem ausufernden Personenkult nicht das Kollektiv dahinter vergessen, das für ihren Star lief und sich zerriss. Über Theatralik und Provokationen sei mal hinweggesehen. Denn die Emotionen, die ein ganzes Land in blau und weiß am Sonntag in die Welt schickte, suchen ihresgleichen. Das war etwas für Romantiker.

Messi: Der Größte aller Zeiten?

Ob Messi jetzt der Größte aller Zeiten ist? Darf jeder für sich beantworten. Auch seine Karriere hat Schattenseiten, eine schwere Steuerhinterziehung samt Verurteilung etwa. Bei der WM leistete er sich auch Fehltritte.

Womit wir bei den Deutschen wären. Das Turnier bleibt auch mit Abstand ein Debakel. Fußballerisch wie auch rein individuell betrachtet musste sich die DFB-Elf vor einigen Halb- und Viertelfinalisten nicht verstecken. Doch an anderen Parametern fehlte es eklatant. Die Aufarbeitung ist angeschoben, doch die kritischen Stimmen zur Art und Weise überwiegen deutlich und zurecht. Momente, wie sie die Argentinier am Sonntag erlebten und die auch in Deutschland etwa zwischen 2006 und 2014 mit einer schwarz-rot-gold berauschten Nation zu beobachten waren, scheinen aktuell Lichtjahre entfernt.

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