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Fußball-WM in Katar

«Da geht es um Menschlichkeit» - Promis mit Bauchschmerzen

Berlin (dpa)

Die einen wollen die Fußball-WM in Katar komplett boykottieren, andere wollen die Spieler nicht abstrafen und das Beste daraus machen. So richtig im Fußballfieber sind auch die meisten Promis nicht.

Thomas Bremser und Sophia Weimer, dpa

Bei der Fußball-WM geht es für Ricardo Simonetti um mehr als um Sport und Politik. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Es geht um Menschenrechte und um Haltung - aber auch um Wertschätzung für die Spieler, die ihr Bestes geben: Darf man die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar angucken? Und kann bei all den Umständen im Gastgeberland überhaupt echte Stimmung aufkommen?

Bei vielen Menschen in Deutschland hält sich das Fußball-Fieber noch in Grenzen, in einer repräsentativen Umfrage gab mehr als die Hälfte der Befragten sogar an, gar kein Spiel anschauen zu wollen. Die Frage, die sich Zigtausende Menschen im heimischen Wohnzimmer oder in der Kneipe stellen, stellen sich auch viele Prominente. Einen Wunsch haben fast alle gemeinsam: Lasst uns drüber reden.

«Es geht um Menschlichkeit und nicht um Politik»

Der Autor und Moderator Riccardo Simonetti ist eh kein allzu großer Fußballfan, doch für ihn geht es um mehr als um Sport und Politik. «Ich finde das total paradox, dass so ein Event, das weltweit Aufmerksamkeit generiert, in einem Land stattfindet, in dem so viele Dinge unter den Teppich gekehrt werden», sagte Simonetti der Deutschen Presse-Agentur. Er wolle denen, die leidenschaftlich gern beim Fußball mitfiebern, keinen Boykott aufzwingen, aber er würde sich wünschen, dass darüber gesprochen wird. «Da geht es um Menschlichkeit und nicht um Politik. Und ich glaube, Menschlichkeit und Empathie stehen jedem Menschen gut.»

Ebenfalls kein Fußballfan ist Schauspieler Elyas M'Barek - doch auch er fragt sich, warum man ein Fußballfest ausgerechnet in Katar ausrichten muss und «ob es da nicht andere Länder mit deutlich besserem Symbolwert gegeben hätte.» Nun finde die Weltmeisterschaft leider im falschen Land statt.

So sieht es auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder - aber für einen Boykott ist er trotzdem nicht. «Natürlich bin ich besorgt und empört wegen der kritischen Menschenrechtslage in Katar - der offenen Homophobie, die erst jüngst der WM-Botschafter ganz offen äußerte», sagte der CSU-Chef im Interview der Zeitschrift «Bunte». «Seien wir ehrlich: Die WM hätte nie dorthin vergeben werden dürfen.»

Söder spricht von Fehlern der FIFA

Außerdem gehöre die Fußball-Weltmeisterschaft für ihn nicht in den Winter, als Fußballfan freue er sich aber trotzdem auf die Duelle. «Von einem Boykott halte ich wenig, das würde nur unsere Spieler und die Mannschaft treffen, die für die Fehler der FIFA nichts können», sagte Söder, der sich bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr auch dafür eingesetzt hatte, dass das Münchner Stadion in Regenbogenfarben erleuchtet wurde. In Bayern lebe man auch nach dem Motto «lieben und lieben lassen». «Es wäre doch gut, wenn unsere Spieler und der DFB in Katar Ähnliches zeigen.»

Sänger Max Giesinger, dessen Lied «80 Millionen» zur Europameisterschaft 2016 zum EM-Hit avancierte, ist sich noch unsicher, wie er selbst mit dem Dilemma umgehen wird. Er gehe davon aus, dass einige es tatsächlich boykottieren werden - aber auch, dass andere dies jetzt ankündigten und es dann doch «im stillen Kämmerchen anschauen, weil es doch immer eine interessante Nummer ist».

Auch er findet: Die WM hätte niemals nach Katar vergeben werden dürfen - aber nun finde es nunmal dort statt. Die Frage sei nun, ob man die Spieler jetzt dafür abstrafen solle. «Ob man es dann guckt oder nicht, ist eine Gewissensfrage, ich hab mich noch nicht ganz entschieden, ich bin so zwiegespalten.»

Schauspielerin Anna Maria Mühe interessiert sich selbst gar nicht besonders für Fußball, aber ihre zehnjährige Tochter ist Fan. «Wir sprechen da sehr offen drüber, ich sage ihr, warum ich das nicht gut finde, dass es da stattfindet», sagte Mühe der dpa. Eines stehe fest: «Ich werde auf jeden Fall nicht beim Public Viewing gucken.»

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