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Integrative Fußballmannschaft

"Absolutes Herzensprojekt" - Bei den Kickerfreunden in Greven überwindet das runde Leder alle Grenzen

Greven

Seit April 2019 gibt es mit den Kickerfreunden eine integrative Fußballmannschaft in Greven. Inzwischen zählt das Team rund 20 Mitglieder. Tom Berlage, einer der Gründer, spricht über die Anfänge, die Gegenwart und die Zukunft.

Von Jonas Austermann

Großer Jubel bei den Kickerfreunden aus Greven nach dem Turnier in Witten Foto: Kickerfreunde

So sehen Sieger aus: Die Kickerfreunde, eine integrative Fußballmannschaft aus Greven, trat am Wochenende in Witten an. Nach den fünf Partien gab‘s einen Pokal und Medaillen – denn bei diesem Turnier hatte von vornherein jeder gewonnen. „Das war klasse“, sagt auch Tom Berlage. Der 19-Jährige kümmert sich mit Patrick Schlautmann in erster Linie um die Organisation bei den Kickerfreunden.

Im April 2019 ging die integrative Truppe an den Start, sie entstand aus einer Kooperation der Lebenshilfe und des Grevener Gymnasiums Augustinianum. Inzwischen haben sich die Verantwortlichen – neben Berlage gibt‘s weitere acht ehrenamtliche Trainer, die sich abwechseln – ein Netzwerk aufgebaut. In der Chat-Gruppe sind die Kickerfreunde mit zehn weiteren Mannschaften verbunden, die Spieler mit und ohne Handicap vereinen.

Auch Rollstuhlfahrer mischen mit

Berlage erinnert sich noch gut daran, dass beim ersten Training an einem Samstagvormittag drei, vier Kicker erschienen. Heute gehören rund 20 Personen dem Team an – Mädchen, Frauen, Jungen und Männer. „Das ist ganz locker geregelt“, sagt Berlage. „Einen Leistungsgedanken gibt es bei uns keinesfalls. Es geht einzig und allein um den Spaß am Fußball.“

Die Kickerfreunde haben verschiedenste Handicaps. Rollstuhlfahrer und Kleinwüchsige mischen mit, genauso wie Fußballbegeisterte, die aus schwierigen Verhältnissen stammen oder eine psychische Behinderung haben. Berlage erklärt: „In unserem Team spielen Fußballer von neun bis 36 Jahren – und alle nehmen aufeinander Rücksicht.“ Anders geht es nicht, wenn sich Spieler mit ganz unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen um einen Ball duellieren.

Gibt es eines Tages eine eigene Liga?

Berlage kam zu seinem Posten, weil die Lebenshilfe im Gymnasium Augustinianum sogenannte Lebenshelfer ausbildete. Der heute 19-Jährige entdeckte, dass im Bereich Fußball ein Angebot fehlte und rief es ins Leben. Berlage weiß inzwischen ein großes Betreuerteam um sich – das ist nötig, weil ein Betreuungsschlüssel von 3:1 vorgeschrieben ist. Auf drei Kickerfreunde kommt also eine Aufsichtsperson. „Wir suchen deshalb auch immer neue Betreuer“, sagt er.

Trainiert wird auf dem Kunstrasenplatz bei 09, auch das Trikot der integrativen Mannschaft schmückt das Logo in den Farben Schwarz, Weiß und Grün. Weil Berlage selbst für den Club kickte, war der Draht dorthin kurz.

Auch deshalb entwickelten sich die Kickerfreunde zu einer Erfolgsgeschichte, ein nächster Schritt könnte die Gründung einer Liga sein. „Irgendwann wäre das eine schöne Sache, so weit sind wir aber noch nicht“, meint Berlage mit Blick auf die Strukturen im integrativen Fußball. Fest steht für den jungen Mann, der ein duales Studium macht, aber, dass er seinem besonderen Team treu bleiben will: „Das ist für mich ein absolutes Herzensprojekt. Ich kann mir vorstellen, auch mit 60 Jahren noch als Trainer auf dem Platz zu stehen.“

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