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Fußball: Bezirksliga

Manuel Neuer, Schalke 04 und Heimatgefühle: Julian Loose im Interview

Greven

Julian Loose ist der neue Sportliche Leiter beim SC Greven 09. Im Interview mit der Sportredaktion spricht der 37-Jährige über seine eigene Karriere als ehemaliger Profi-Fußballer und erzählt auch, wie er sich die Nullneuner-Zukunft vorstellt.

09 - Westf. Kinderhaus Julian Loose Foto: Stefan Bamberg

Wenn es um die sportliche Zukunft des SC Greven 09 geht, dann ist Julian Loose als Sportlicher Leiter der richtige Ansprechpartner. Als Grevener Urgestein kennt er nicht nur den Verein wie seine Westentasche. Darüber hinaus ragt der 37-Jährige vor allem als Mensch heraus. Authentisch, bodenständig, sympathisch und eine positiv fußballverrückte Identifikationsfigur zugleich.

Welche Vorsätze hat ein ehemaliger Fußballprofi für 2023?

Loose: Ich würde gerne wieder etwas mehr Sport machen, das habe ich letztes Jahr ein bisschen schleifen lassen. Ich mache jetzt nicht nichts, aber mit der Arbeit und der Familie ist das zwischendurch zeitlich alles ein wenig schwierig. Und mein Knie macht leider auch nicht mehr so mit, zudem bin ich jetzt nicht der typischen Fitnessstudio-Gänger. Auf meiner Bucketliste steht aber auf jeden Fall einen Marathon zu laufen. Einen Halbmarathon bin ich immerhin schon in 1 Stunde und 40 Minuten gelaufen.

Was bedeutet Greven für sie?

Loose: Greven ist Heimat. Ich war auch nie wirklich weit weg und hatte immer das Glück, relativ im Umkreis bleiben zu können. Während meiner Zeit als Spieler bei Lotte, wie ich auch in Wiedenbrück und Münster habe ich auch schon wieder in Greven gewohnt.

Kommt es vor, dass Menschen, die sie nicht kennen, sie auf den Straßen in Greven einfach ansprechen?

Loose: Jetzt nicht mehr. Zu meiner aktiven Zeit schon mal, aber das kann ich an einer Hand abzählen. So präsent war ich dann doch nicht.

Während ihrer Laufbahn als Profi gab es sowohl Höhen als auch einige Tiefen. Was hat sie am meisten geprägt?

Loose: Ich glaube ganz klar meine Verletzungen und da dann auch wieder herauszukommen. Das ist eine elendig lange Zeit gewesen, vor allem nach den Kreuzbandrissen. Gerade nach dem Ersten, da hatte ich sieben oder acht Wochen gespielt und dann ist das Knie wieder kaputt gegangen. Anschließend hat die Reha dann locker 18 bis 19 Monate gedauert. Und Rehasport im Profisport heißt nicht mal eben 30 Minuten und Tschüss – das kann gut und gerne auch mal 10 Stunden in Anspruch nehmen.

Was hätten Sie denn erreichen können, wenn die vielen Verletzungen ihnen keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätten?

Loose: Das weiß ich nicht und vielleicht müssen das auch andere beurteilen. Aber ich glaube schon, dass es vielleicht ein bisschen weiter für mich hätte gehen können. Dennoch bin ich zufrieden, so wie es war. Gerade die Zeit bei Schalke mit Mike Büskens als Trainer, da hätte vielleicht noch ein bisschen was für mich drin sein können, aber es sollte eben nicht sein. Ich hatte trotzdem eine gute Zeit, habe mit vielen coolen Leuten zusammengespielt, die auch jetzt noch Bundesliga spielen, wie zum Beispiel Manuel Neuer. Oder auch Ehemalige wie Benedikt Höwedes und Alexander Baumjohann.

Seit November 2022 sind sie nun Sportlicher Leiter beim SC Greven 09. Als die Anfrage kam, mussten sie da lange überlegen?

Loose: Ich habe schon vorher immer ein bisschen etwas im Verein gemacht. Und auch zu Alexander Nowitzki hatte ich bereits einen guten Kontakt. Also nein, so richtig überlegen musste ich nicht. Weil der Verein mir einfach auch am Herzen liegt und irgendwie fehlt ja auch immer noch der letzte Schritt, um vielleicht auch mal eine Liga höher zu gehen.

Was läuft aktuell gut und was muss besser werden bei Nullneun?

Loose: Also dass dieses Jahr ja eher so ein Übergangsjahr ist, war ja eigentlich klar nach dem relativ großen Umbruch letzten Sommer. Ich glaube, dass jetzt schon viel gut läuft, trotz der Umstellung oder Neu-Aufstellung in der Fußballabteilung. Mit Sicherheit gab es auch ein bisschen Anfangsprobleme. Jetzt habe ich aber das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind, vor allem auch, was den ganzen Seniorenbereich angeht. Aber die Rahmenbedingungen müssen natürlich auch passen. Es bringt nichts, dass wir jetzt einen finden, der viel Geld gibt und wir holen dann zehn neue Spieler, sondern gehen das Ganze lieber kontrolliert mit unserer Nullneun-Philosophie an. Damit meine ich insbesondere die gute Jugendarbeit und die guten Grevener Jungs, die wir dann auch immer wieder einbauen in Kombination mit erfahrenen und gestandenen Spielern.

Worauf legen sie besonders viel Wert?

Loose: Bodenständigkeit ist schon wichtig. Die Spieler, die zu uns kommen sollen und wollen und die, die wir auch schon haben, die müssen definitiv in das ganze Gefüge passen. Es macht keinen Sinn, jemanden zu holen, der vielleicht super Qualitäten hat, der aber weder zur Mannschaft noch zum Trainer-Team oder Verein passt. Auch wenn es mal keine Grevener sind, dann müssen die zumindest Bock auf uns haben.

In den vergangenen Monaten und Jahren herrschte im Verein vor allem auf den wichtigen Positionen viel Trubel mit einer hohen Fluktuation. Wieso wird das mit ihnen anders?

Loose: Einiges ist vor meiner Zeit passiert. Und da sind auch Sachen dabei, die mittlerweile genug diskutiert wurden und nun Geschichte sind. Da will ich auch gar nicht näher drauf eingehen. Marcel Pielage ist als Trainer leider aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Und jetzt ist Yannick Bauer da. Mit ihm möchten wir genau so langfristig zusammenarbeiten, wie wir das zuvor eigentlich auch mit Marcel vorhatten. Alexander Nowitzki steht uns immer noch in beratender Funktion zur Seite.

Jetzt hat 09 mit Mario Brinkmann und Stefan Sackarndt zwei erfahrene Fußballer verpflichtet. Reicht das aus oder haben Sie noch weitere Transfers in der Hinterhand?

Loose: Warten wir es mal ab. Also wir schon noch auf der Suche und haben auch noch ein paar Eisen im Feuer. Wir gucken, was noch so passiert und haben dafür zum Glück auch noch Zeit. Wir können den Markt während der Rückrunde in Ruhe beobachten. Ich glaube, dass wir mit den Zusagen sowohl intern als auch von außen und den A-Junioren den Grundstein des Kaders aber erst einmal fix haben.

Dieses Jahr klappt es sehr wahrscheinlich wieder nicht mit dem Aufstieg in die Landesliga. Muss der SC Greven 09 nächste Saison also definitiv aufsteigen?

Loose: Ich glaube, dass man das so nicht sagen kann. In der Liga musst du auch erst einmal Erster werden. Ich kenne das gut, um so ein Ziel zu erreichen, braucht man zweifelsohne eine perfekte Saison. Und deswegen geht es gar nicht vorher zu sagen, dass wir aufsteigen müssen, das wäre jetzt auch vermessen. Fakt ist, dass wir auf jeden Fall eine bessere Rolle spielen wollen als diese Saison und auch oben angreifen werden.

Im Sommer kommen viele A-Jugendliche hoch in die Senioren – was ist der Plan mit den Spielern?

Loose: Erst mal wäre es schön, wenn wir unsere zweite Mannschaft auch in die Kreisliga A bekommen. Und darüber hinaus wollen wir auf jeden Fall die Grevener Jungs bei uns im Verein halten, das ist doch klar. Ich denke, dass wir damit eine gute Basis für die Zukunft des Seniorenbereichs stellen würden.

Wenn alles so läuft, wie sie sich vorstellen – wo sehen sie den SC Greven 09 in fünf Jahren?

Loose: Auf jeden Fall nicht mehr in der Bezirksliga. Und dann mal schauen, wo die Reise hingeht. Das ist natürlich auch schwer zu planen. Bei den Jugendmannschaften, da mache ich mir schon mal gar keine Sorgen, das läuft da alles sehr, sehr gut. Und wir sind ja auch ganz unten ziemlich breit aufgestellt. Ich hätte es gerne, dass in Zukunft mehr Zuschauern zu unseren Spielen kommen – das wäre echt schön und ist zuletzt leider eher weniger geworden. Als ich Kind war und ich mit meinen Eltern zum Landesliga-Spiel der Ersten gegangen bin, da waren beim Derby locker 600 bis 800 Leute am Platz.

Vermissen sie die Zeit als aktiver Fußballer?

Loose: Manchmal ja, manchmal nein. Wenn ich jetzt sehe, dass alle Mannschaften wieder in der Vorbereitung sind, dann ist das die Zeit, die immer sehr intensiv war – auch wenn ich damit nie Probleme hatte, aber das war schon anstrengend. Ich habe immer am meisten die Kabine vermisst. Also der Flair dort, den hat man nur vor oder nach dem Training oder bei den Spielen. Das ist eine ganz besondere Atmosphäre, so locker. Es ist aber auch schön, die Wochenenden frei zu haben, gerade als Familienvater.

Julian Loose ohne Fußball. Geht das überhaupt?

Loose: Fußball ist irgendwie mein Leben. Also ganz klar Nein, auf keinen Fall. Seitdem ich fünf Jahre alt bin, spiele ich Fußball.

Reizt sie das Fußball-Business auch über den Amateursport hinaus?

Loose: Das weiß ich nicht. Da habe ich mir noch nie wirklich Gedanken zu gemacht. Ich habe einen guten Job und damit bin ich auch zufrieden. Ich bin froh, dass ich den Sprung vom Leben als Fußballer in die normale Arbeit sehr, sehr gut und weich geschafft habe. Das schaffen glaube ich nicht alle und das ist schon viel wert. Ich will für die Zukunft nichts ausschließen, aber ich habe jetzt kein bestimmtes Ziel und muss unbedingt Oliver Bierhoff beerben.

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