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Kreisliga: Germania Horstmars Bondscoach

100 Prozent Meijer

Horstmar

Louis van Gaal ist als Trainer der niederländischen Nationalmannschaft der „Bondscoach“. So einen hat auch der A-Ligist Germania Horstmar in seinen Reihen. Gemeint ist Marco Meijer. Der 58-Jährige, der gebürtig aus Den Haag kommt, hat vor seiner Karriere als Coach auf zwei komplett unterschiedlichen Positionen gekickt.

Von Marc Brenzel

Der Klassenerhalt mit den Germanen am letzten Spieltag der Saison 2021/22 fühlte sich für Marco Meijer an wie der Gewinn einer Meisterschaft. Foto: Thomas Strack

„Marco ist unser Bondscoach. Ohne den geht es bei uns nicht.“ Der, den Germania Horstmars Spielertrainer Niklas Melzer so adelt, ist Marco Meijer, Mitglied seines Stabes und ein Mann, der sich für keine Aufgaben zu schade ist. Und weil der 58-Jährige eben Niederländer ist, reiht ihn Melzer einfach mal in die Reihe holländischer Trainergranden wie Rinus Michels, Guus Hiddink oder Louis van Gaal ein.

„Den Spitznamen habe ich jetzt weg“, lacht Meijer, der gebürtig aus Den Haag kommt und seit 2000 in Deutschland lebt. Dabei ist der Horstmarer Co – den Job teilt er sich mit Marcel Exner – alles andere als ein Seitenliniengeneral. „Ich arbeite lieber in der zweiten Reihe und bleibe gerne im Hintergrund“, stellt er klar. Was allerdings optisch nicht ganz einfach ist, denn mit seinen über 1,90 Metern Länge überragt Meijer fast alle im Kader.

Auch aufgrund seiner Größe begann der Familienvater – Sohn Tom stürmt seit Winter 2021 für die Germanen – zwischen den Pfosten. Fünf Jahre lang hütete er im Nachwuchsbereich den Kasten von ADO Den Haag, seinem absoluten Lieblingsverein. Den Sprung zu den Profis schaffte der Marco Meijer zwar nicht, aber dafür stand er bis 36 noch auf dem Feld – und das lange Zeit auf einer anderen Position: als Stürmer nämlich. „Ich konnte beide Positionen einnehmen – sowohl die des klassischen Neuners als auch die des Torwarts“, erinnert der TuS-Trainer, der seine aktive Karriere bei vv Buurse beendete. „Ich hatte damals Hüftprobleme und konnte einfach nicht mehr“, erklärt Meijer, der ansonsten wohl noch länger in beiden Sechzehnmeterräumen unterwegs gewesen wäre.

Der Liebe wegen – Frau Sabine ist Deutsche – zog Meijer ins Münsterland. Erst nach Burgsteinfurt, später nach Horstmar. Und da lernte er auch seinen jetzigen „Chef“ Niklas Melzer kennen. „Wir wohnten in der selben Straße. Ich habe den sportlichen Weg von Niklas stets im Auge gehabt und mich echt gefreut, dass er mich in seinem Team haben wollte“, so Meijer, der sich total dem typisch niederländischem Flachpassfußball verschrieben hat. „Die Nationalmannschaft in den 70er Jahren, Ajax Amsterdam, aber auch der FC Barcelona, dessen Spielweise von Johan Cruyff geprägt wurde – das entsprich meinem Verständnis von dem Spiel.“

Aktuell rangieren die Germanen in der A-Liga weit oben, doch die wackelige Vorsaison, als erst auf den letzten Drücker der Klassenerhalt realisiert wurde, ist bei Meijer immer noch auf der Festplatte. „Das war eine ganz, ganz anstrengende Saison mit zahlreichen Verletzten und vielen Aufs und Abs. Drin geblieben zu sein, das hat sich für mich wie der Gewinn der Meisterschaft angefühlt“, berichtet der Holländer, der in Enschede in einem Unternehmen angestellt ist, das Nudeln produziert und vertreibt.

Den Klassenerhalt wertet Meijer auch ein bisschen als Ersatz für einen sportlichen Tiefschlag, den er eine Woche vorher zu verkraften hatte. „Seine“ Jungs von ADO Den Haag lagen im Rückspiel der letzten Aufstiegsrunde zur Ehrendivision gegen Excelsior Rotterdam zwölf Minuten vor dem Abpfiff scheinbar sicher mit 3:0 vorne, um letztlich doch im Elfmeterschießen zu verlieren.

„Ich habe vor dem Radio gesessen und mitgelitten. Einfach unglaublich bitter, aber so ist Fußball. Mal gewinnst Du, mal verlierst Du. Ich liebe dieses Spiel, ich bin hundertprozentiger Fan. 100 Prozent Meijer wenn man so will“, schlägt der Fan von Formel-1-Fahrer Max Verstappen eine Brücke zu Erik Meyer, der beim Bezahlsender Sky unter dem Titel „100%Meijer“ Spielanalysen vornimmt.

Da schließt sich sozusagen der Kreis, denn Ex-Profi Erik Meijer machte genau wie sein Namensvetter Marco einst die Strafräume unsicher – nur mit dem feinen Unterschied, dass der Horstmarer auch als Keeper eine „bella figura“ abgab.

Am Sonntag genießen die Germanen Heimrecht gegen die zweite Mannschaft des Borghorster FC. Anstoß ist um 15 Uhr im Stadion am Borghorster Weg.

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