Vor 50 Jahren feierte Germania Horstmar den Aufstieg in die Bezirksklasse Emsland

Bürgersteige in Blau und Weiß

Horstmar

Vor genau 50 Jahren feierte der TuS Germania Horstmar den Aufstieg seiner ersten Mannschaft in die Bezirksklasse Emsland. Towart Karl Kühlmann und Manni Eppenhoff waren dabei und erinnern sich an die Tage und vor allem nach dem Triumph.

Von Günter Saborowskiund

Manfred Eppenhoff (r.) Zum Kader der Horstmarer Aufstiegsmannschaft von 1971 gehörten: (v.l.) Trainer Hubert Kocks, Betreuer Hermann von Beverförde, Horst Peuker, Karl-Heinz Weiß, Dieter Rosendahl, Anton Köhlmann, Franz-Josef Schwering, Heiner Frieling, Heinz Saborny, Obmann Hermann Böddeling, (unten) Manni Eppenhoff, Werner Gröning, Karl Kühlmann, Heiner Wigger und Erst Sunke. Es fehlen Willi Kosakowski, Werner Sundermann, Bernhard Uhlenbrock und Wolfgang Tischer (nicht im Bild) Foto: gs

Die Bundesligasaison 1971/72 war bis vor einigen Tagen – zumindest bei allen Fußballinteressierten – in aller Munde. Es ging um den damals von Gerd Müller aufgestellten Rekord von 40 Toren in einer Spielzeit, den nun Robert Lewandowski mit 41 Treffern übertroffen hat. Einige Etagen tiefer hatte die Spielzeit 70/71 einen ähnlich bedeutsamen Stellenwert für 17 Kicker und ein ganzes Dorf: Germania Horstmars erste Seniorenmannschaft hatte den Aufstieg von der 1. Kreisklasse in die Bezirksklasse Emsland geschafft. 50 Jahre sind seitdem ins Land gegangen, doch die Erinnerung an den Tag sind bei zwei Protagonisten des Teams immer noch präsent.

„Die Bürgersteige waren in Blau und Weiß angestrichen worden“, erinnert sich Karl Kühlmann, der Torwart der Mannschaft. „Wir sind in einem offenen Wagen durch die Stadt zum Vereinslokal Sunke gefahren worden“, ergänzt Manfred Eppenhoff. Einen Empfang im Rathaus mit entsprechenden Huldigungen der Horstmarer Bevölkerung vom Balkon aus gab es allerdings nicht. „Aber Bürgermeister Röttgermann ist vor dem Spiel zu uns in die Kabine gekommen und hat uns Glück gewünscht“, hatten die Germania-Spieler laut Kühlmann zumindest Beistand von ihrem obersten Ratsherrn.

„Die Zuschauer standen am Straßenrand und haben mit uns gefeiert. Hinter dem Umzug konnte sich jede Prozession verstecken“, sagt Kühlmann, der als Katholik schon einige Fronleichnams-Prozessionen mitgemacht hat. Trainer des Meisterteams war Hubert Kocks aus Rheine. „Der arbeitete damals beim Finanzamt in Steinfurt. Als wir das Spiel gegen Hauenhorst mit 1:0 gewonnen hatten, ging er zu seinem Wagen und kam mit einer Flasche Sekt zurück in die Kabine. Das war auch übrigens das erste Mal, dass wir für ein Fußballspiel Geld bekommen haben. 50 Mark pro Spieler“, erinnert sich Horstmars Torwart, der damals in Münster Sport und Englisch studierte und nebenbei die Berichte für die Zeitung schrieb.

Die finanzielle Entlohnung der Horstmarer Kicker ergab sich aus den Einnahmen des Entscheidungsspiel. Noch heute ist es so, dass der Ausrichter und beide beteiligten Mannschaften/Vereine die Gesamteinnahme durch drei teilen. Fußballobmann Hermann Böddeling und Horstmars Vorsitzender Erich Fier stellten das Geld der Mannschaft zur Verfügung. Lange blieb die Kohle nicht in der Mannschaftskasse, sondern wurde direkt „wieder umgesetzt“, sagt Kühlmann und meint damit eindeutig den Siegestrank.

Nach der Vizemeisterschaft in der Saison 69/70 hatte es die Elf von Trainer Hubert Kocks endlich geschafft – und sollte bis zum Abstieg in der Spielzeit 78/79 unter Trainer Ulrich Oletti in der Liga bleiben. Gegner nach dem Aufstieg waren unter anderem der SV Mesum, TuS Laer, die TSG Dülmen, Vorwärts Wettringen, GW Nottuln, der SV Wilmsberg und die Reserve von VfB Rheine.

„Wir waren eine sehr junge Mannschaft, die meisten vom Jahrgang 49 oder 50. Ernst Sunke und Heinz Saborny waren mit 29 oder 30 Jahren schon die Älteren“, weiß Eppenhoff noch genau. Einige Spieler wie Frieling, Gröning, Weiß, Karl Kühlmann und Eppenhoff hatten schon in der Jugend zusammen gespielt und 1961 den Kreismeistertitel bei den A-Schülern geholt. „Ohne regelmäßiges Training und richtigen Trainer. Wir kamen ja alle aus dem Dorf und waren Horstmarer Jungs, auch später in der Ersten noch, alles Horstmarer“, sagt Manni Eppenhoff. Eigentlich wollten die verbliebenen Horstmarer Spieler in diesem Jahr die Erinnerung an ihren Triumph noch einmal feiern. „Aber da hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Eppenhoff. So bleibt nur die Erinnerung an eine glanzvolle Zeit in den 70ern.

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