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Fußball: Lehrwart erklärt die neuen Regelungen

Mehr Klarheit bei Handspielen

Kreis Steinfurt

Für die Fußballer zeichnet sich der Saisonbeginn ab. Damit einher geht stets ein verändertes Regelwerk. Gerade das Handspiel sorgte zuletzt immer wieder für Diskussionsstoff. Lehrwart Maximilian Mendrina erklärt die wichtigen Details und nimmt Stellung zur Nettospielzeit und zur Zeitstrafe.

Von Kai Lübbers und Marc Brenzelund

EM-Achtelfinale Niederlande gegen Tschechien: Matthijs de Ligt (l.) spielt den Ball absichtlich mit der Hand. Die Situation führte zu einer Gelb-Roten Karte für de Ligt. Ab der kommenden Saison wird bei der Handspielregel wieder verstärkt auf die Absicht geachtet. Foto: dpa/Robert Michael

In fünfeinhalb Wochen starten die Fußball-Amateurligen in die Saison 2021/22. Max Mendrina, Schiedsrichter-Lehrwart im Kreis Steinfurt, erklärt, auf welche neuen Regeln sich Spieler, Trainer und Zuschauereinstellen müssen.

„Das leidige Thema Handspiel wurde neu definiert. In den letzten Jahren war es so, dass man für die Begutachtung eines Handspiels acht Parameter anlegen musste. Mit Fragen wie: Ist der Arm über Schulterhöhe? Lag eine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche vor?

Jetzt wurde dieser Katalog reduziert. Dabei gibt nur noch zwei Kriterien, nach denen ein Handspiel eines Verteidigers als strafbar zu ahnden ist. Erstens: Wenn ein Spieler mit einer absichtlichen Bewegung die Hand oder den Arm zum Ball führt, wird in Zukunft gepfiffen. Zweitens wenn der Spieler durch seine Körperhaltung die Intention verfolgt, den Ball aufzuhalten“, erklärt Mendrina und schiebt ein Beispiel nach: „Wenn ein Verteidiger den Ball klären will, ihn aber nicht richtig trifft und sich selbst an die Hand schießt, hat er ja nie die Intention gehabt, den Ball mit der Hand zu spielen. Folglich ist das auch nie ein strafbares Handspiel.“

Bleibt die Frage: Bis zu welcher Stelle am Körper wird eine Berührung mit dem Ball als Handspiel bewertet und ab wann nicht mehr? „Berührungen ab Höhe der Achselhöhle nach unten hin sind strafbar“, machten die Schiedsrichterlehrwarte Max Mendrina und Jan Lohmann auch den Schiedsrichtern bei den ersten Präsenzlehrgängen am 5. und 12. Juli deutlich.

Ein dritter Absatz zur Handspielregel bezieht sich zudem auf das unabsichtliche Handspiel eines Angreifers. Dieses wird vom Schiedsrichter künftig nur noch geahndet, wenn der Angreifer unmittelbar nach seinem Handspiel selbst ein Tor erzielt. Kommt es hingegen nur zu einer Torchance oder ein Mitspieler erzielt das Tor, bleibt das unabsichtliche Handspiel des Angreifers ungestraft.

Gemäß Handspielregel gehört die Schulter nicht zum Arm. Folglich ist sie ein Körperteil, mit dem ein gültiger Treffer erzielt werden kann und muss bei der Ermittlung von Abseitsstellungen berücksichtigt werden.

Der Einführung der Nettospielzeit, wie sie bei Jugendturnieren gerade erprobt wurde, erteilt Mendrina für den Fußball-Amateurbereich eine Absage: „Bei jeder Unterbrechung die Uhr anzuhalten und dann auch wieder die Zeit laufen zu lassen, das ist für einen einzelnen Schiedsrichter in meinen Augen nicht leistbar. Dann müsste es wie beim Handball einen Zeitnehmertisch geben, und auch die Zuschauer müssten über eine große Anzeigetafel über die aktuellgespielte Zeit informiert werden“, erklärt der Lehrwart.

Der hessische Fußballverband führt zur kommenden Saison im Seniorenbereich auf Kreisebene eine Zeitstrafe ein. Dabei handelt es sich um ein bundesweites Pilotprojekt, dass vorschnelle Platzverweise ersparen soll.

Nach der gelben Karte folgt auf ein zweites verwarnungswürdiges Vergehen eine zehnminütige Zeitstrafe, die die Gelb-Rote Karte ersetzt. Leistet sich der Akteur nach seiner Rückkehr auf den Platz wieder eine zu mit einer Karte zu ahnende Regelwidrigkeit, wird er mit Rot des Feldes verwiesen.

„Ich halte das für ein gutes Mittel. Da können sich die Akteure draußen ein wenig abkühlen. Im Juniorenbereich greift diese Regel ja auch“, so Mendrina. Dass die Spieler nach ihrer Zeitstrafe vielleicht noch angestachelter auf das Rasenrechteck zurückkehren, glaubt er nicht. Als Beispiel dafür führt der Lehrwart den Handball an.

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