Als der KSB-Vorsitzende Uli Fischer noch in einem Boot saß

Wildes Wasser und rote Asche

steinfurt

Jedes Kind hat nach seiner Krabbel- und Lauflernphase auf irgendeine Art mit Sport begonnen. Entweder animiert durch die Eltern, Klassenkameraden oder Freunde von der Straße. Diese Bemühungen endeten nicht zwangsläufig immer beim Fußball. Manch guter Funktionär saß auch schon mal allein im Boot.

Günter Saborowski

Als die Haare noch lang waren: Foto: privat

Uli Fischer gehört mittlerweile zu der Sorte Sportler, die landläufig Funktionäre genannt werden. Sie sorgen dafür, dass es im Sport „funktioniert“, haupt- oder ehrenamtlich, in diesem Falle eben im Sport. Seit 1995 ist der 63-Jährige Vorsitzender des Kreissportbundes Steinfurt (KSB) und leitet gemeinsam mit seinem Vize Stefan Kipp dessen Geschicke. Doch das war nicht immer so. In der Regel hat jeder Vorsitzende oder Geschäftsführer eines Vereins einmal selber Sport getrieben. Aber ab einem gewissen Alter engagiert man sich halt lieber für andere in seinem Club – oder für das große Ganze.

Fischer, in Hamm geboren, hat Kanusport betrieben, und das mit einigem Erfolg. Zwischen seinem zwölften und 17. Lebensjahr hat der KSB-Chef an Westdeutschen Meisterschaften teilgenommen und gehörte sogar zum Kader der Jugend-Nationalmannschaft, gemeinsam mit den Rheiner Kanuten Raimund Reekers und Jürgen Roscher sowie Norbert Reidegeld vom CanuClub Emsdetten (s. Bild).

„Das war mehr oder weniger Zufall, wie ich zum Kanufahren gekommen bin. Wir haben mit mehreren Kindern einer Nachbarin beim Umzug geholfen. Die hat uns danach eingeladen, doch mal zum Bootshaus zu kommen und eine Trainingsstunde mitzumachen. Ihr Sohn war dort Kanutrainer. Dann bin ich da hängen geblieben und habe zwölf Jahre lang Leistungssport gemacht“, erzählt Fischer.

Praktischerweise waren die Lippe und der Datteln-Hamm-Kanal fußläufig zu erreichen. „Es gab fünf Kanuclubs zu der Zeit in Hamm. Ich gehörte zum DJK Wassersport Hamm, heute ist er in den Kanuring Hamm integriert“, erinnert sich Fischer. Einer, Zweier und Vierer – das waren seine Bootsklassen. Legendär und bestens ins Gedächtnis des 63-Jährigen eingebrannt ist die Konkurrenz zu den Sportlern vom WSV Rheine Wolfgang Pfitzenreuter und Robert Großkopf, vor allem im Zweier. Auch der aktuelle Bürgermeisterkandidat der Grünen in Münster, Peter Todeskino, saß mit den Wilmer-Zwillingen sowie Alex Elbers im Kajak und lieferte sich mit Fischer und seinen Vereinskameraden harte sportliche Auseinandersetzungen auf der Ems im Kampf um Platz eins.

An die Olympischen Spiele in München 1972, Fischer war damals 16 Jahre alt, erinnert sich der Stemmerter allerdings am liebsten. „Wir hatten als Nachwuchskader eine Einladung vom Deutschen Kanu-Verband und durften die Olympischen Spiele in München besuchen. Beim Goldsprung von Ulrike Meyfarth war ich im Stadion dabei. Im Vorfeld der Spiele konnten wir mit dem Olympia-Kader trainieren, unter anderem mit Renate Breuer und Roswitha Esser. Da habe ich dann gemerkt, was mir noch fehlt“, wurden dem Youngster und seinen Kollegen ihre Grenzen aufgezeigt. Breuer/Esser wurden im Zweierkajak Fünfte. Siegreich war das Boot der DDR.

Natürlich hatte Uli Fischer auch irgendwann einmal einen Ball am Fuß, auch vor seiner Zeit als Sportstudent in Münster. Anfang der 1960er Jahre, als noch vornehmlich auf der Straße gekickt wurde, war auch Klein-Uli dabei: „Erst haben wir Fußball gespielt, anschließend haben wir uns geprügelt.“ Ob um den Sieg, den Ball oder dass es irgendwie unfair zugegangen war, ist nicht überliefert. Während seiner Zeit im Kajak war dies jedoch vorbei, da ging es im Winter meist in die Halle an die Trainingsgeräte. „Oder wir haben Tischtennis gespielt, richtige Meisterschaften sogar“, so Fischer. Doch auch das ist mittlerweile mehr als 40 Jahre vorbei, aber die Lust auf Tennis und andere Schlägersportarten ist ungebrochen.

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