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Rad: 15. Sparkassen-Münsterland-Giro

Abschiedsessen beim Italiener – André Greipel ist jetzt Sport-Pensionär

Münster

Die 15. Auflage des Sparkassen-Münsterland-Giros war eine besondere. Mit André Greipel beendete der aktuell erfolgreichste deutsche Fahrer seine Karriere. Zudem gewann mit Mark Cavendish ein Brite, den viele schon abgeschrieben hatten.

Von André Fischer

Selfie mit dem „Gorilla“: Giro-Streckenchef Leo Bröker (links) und André Greipel Foto:

Der deutsche Radsport hat am Sonntag ein Aushängeschild verloren. Vor den Toren Münsters in Nienberge setzte Sprintstar André Greipel beim Sparkassen-Münsterland-Giro einen Haken unter seine bewegende Karriere. „Am Ende bin ich auch nur ein Fan“, sagte er mit stockender Stimme. Und ging – mit Tränen in den Augen.

Ja, das Wort des „Gorillas“ hatte in der Szene Gewicht. Als das Fahrerfeld im Sommer bei der Tour de France für stärkere Sicherheitsvorkehrungen demonstrierte, war der 39-Jährige im Peloton einer der Wortführer. Der kleine Franzose Julian Alaphilippe, „Babyface“ Tadej Pogacar und Co. – sie alle folgten der Anweisung und hielten für einen Moment inne. Respekt!

„Ein toller Typ.“ Streckenchef Leo Bröker war bei der letzten Schicht Greipels am Start in Enschede, nutzte die Gelegenheit für ein Selfie. „Ein Vorzeigeprofi und absoluter Familienmensch, ich werde ihn und seine Art zu fahren vermissen“, so der 84-Jährige, der am Montag zusammen mit Jürgen Schnaars die vier Rennstrecken „abschilderte“, das Equipment säuberte und in einer Lagerhalle am Albersloher Weg verstaute. Der Tag danach.

Den dürfte Greipel daheim in Köln-Hürth mit der Familie bei einem schönen Frühstück gestartet haben. Wenn auch spät. Am Sonntagabend lud er zum Abschiedsessen bei einem Italiener am Germania-Campus. Frau und Kinder, seine Kollegen vom Team Israel Start-Up Nation, unter anderem Rick Zabel, und Hanka Kupfernagel, achtmalige Weltmeisterin, waren geladen. Der Fotokalender mit eindrucksvollen Bildern seiner Teilnahme am Münsterland-Giro, den Bürgermeister Klaus Rosenau ihm am Nachmittag auf der Bühne überreicht hatte, gehörte zum Reisegepäck. Genau wie die Rennmaschine, die in Zukunft nicht im Keller verschwinden wird: „Radfahren macht mir weiterhin großen Spaß, und ich werde meine Pumpe auch weiter hier und da gut belasten.“

„Ich hätte ihm den Sprung aufs Podium gegönnt“, sagt Rainer Bergmann. Der Giro-„Boss“ hat um Greipel gekämpft – und gewonnen. Für sein persönliches Finale in Münster ließ der gebürtige Rostocker gar den Klassiker Paris-Roubaix sausen. Und ja, er hatte sich wirklich noch einmal aufgebäumt, alles aus sich rausgeholt, der namhaften Konkurrenz um Pascal Ackermann (Bora-Hansgrohe) und Sieger Mark Cavendish (Deceuninck-Quick-Step) die Stirn geboten. Bis zum letzten Anstieg in Häger – da war die Luft raus – wurden die Beine schwer. „Die Strecke ist ja nicht ohne“, lacht Bröker. Er hat sie ausgesucht. Und wird sich für 2022 wieder ins Zeug legen, um Profis und Jedermänner wie -frauen nicht zu schonen. Nur einen tangiert das herzlich wenig. André Greipel. Der „Gorilla“ hat fertig.

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