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Fußball: Freundschaftsspiel

Als ginge es wieder um Punkte – Re-Start mit Kinderhaus und Bövinghausen

Münster

Endlich wieder Fußball – das Aufatmen an der Großen Wiese war deutlich zu vernehmen. Im ersten Freundschaftsspiel des Jahres in Westfalen trennten sich Westfalia Kinderhaus und der TuS Bövinghausen 1:1. Am Ende war das Ergebnis doch nicht mehr zweitrangig, dennoch überwogen andere Aspekte.

Von Thomas Rellmann

Den Zweikampf zwischen Westfalia-Talent Jendrik Witt (o.l.) und Ex-Weltmeister Kevin Großkreutz sahen auch rund 100 Zuschauer wieder – unter ihnen Kinderhaus-Mäzen Alfred Fislage (u.l.). Foto: Peter Leßmann

Schon in dem Wort Freundschaftsspiel steckt ja die Annahme, dass das Ergebnis nicht so wichtig ist. Wenn dann wie am Sonntag mit Westfalia Kinderhaus und dem TuS Bövinghausen zwei Teams aufeinandertreffen, die wie alle anderen seit fast acht Monaten keine Partie mehr ausgetragen haben, geht es, so der einhellige Tenor, erst recht um den Kick an sich, um das Erlebnis.

Wirklich? Die Schlussphase in diesem ersten Testspiel in Westfalen nach ewiger Durststrecke sprach eine andere Sprache. Da ging es beim Stand von 1:1 (0:1) nicht nur hoch und runter mit Chancen auf beiden Seiten, das allein wäre mit nachlassender Kraft der Abwehrreihen noch halbwegs erklärbar gewesen. Nein, die eher spärlich gefüllte Tribüne (nur 100 Besucher waren zugelassen) ging da voll mit, als würde schon wieder um Punkte gerungen.

„War doch eine tolle Sache“, meinte Westfalias Trainer-Debütant Holger Möllers. „Wir hatten mehr Chancen, es hat Spaß gemacht.“ Für ihn das Entscheidende: „Mal wieder Kabinenluft schnuppern, eine Ansprache halten – das hat mir gefehlt.“

Am Rand, auf dem Rasen, in der Sonne

Das Aufatmen der Zuschauer war geradezu offensichtlich. „Endlich wieder Bratwurst, Bier und Fußball“, ließ einer schon vor dem Anpfiff zufrieden mit Becher und Pappschale in der Hand wissen. „Schön, hier dabei gewesen zu sein“, sagte nachher Peter Grote, der einer der Glücklichen mit Ticket war. Einige hockten auf Bänken am Rand, andere auf Sitzschalen, viele hatten es sich aber auch im Gras und in der Sonne gemütlich gemacht. Mittendrin Noch-Preuße Ousman Touray, der seinem Cousin Kebba zusah.

Im Blickpunkt stand natürlich auch Kevin Großkreutz, der seine Premiere für Bövinghausen feierte. Er gehört dort zugleich zum Trainertrio. Ein paar Münsteraner waren wohl auch ihm zuliebe in Schwarz-Gelb erschienen, später gönnten sie sich ein paar BVB-Sprechchöre. Der Weltmeister von 2014 machte gleich Bekanntschaft mit dem Kinderhauser Yannick Niehues, der lächelnd ein Foul des Promis vortäuschte und ihn kurz darauf fair abgrätschte. Ansonsten agierte der Ex-Nationalspieler höflich bis unauffällig. Zur Pause war Schluss. Hälfte eins sah einige Möglichkeiten für die Hausherren, vor allem durch Marvin Kehl (10., 24.) und Jendrik Witt (14.), aber auch den 0:1-Rückstand durch Eyüp Cosgun (16.). „Da haben wir geschlafen“, so Möllers.

Kein Andrang am Einlass

30 Fans aus Dortmund waren mitgekommen. Jede Form von Andrang blieb aber wie erhofft aus. „Alle sind gelassen, keine Probleme“, vermeldete Spieltagsorganisator Walter Budde. Für seinen Club wurde die Partie zur Plus-minus-null-Rechnung. Doch auch das war an diesem Tag sekundär.

Westfalia setzte insgesamt 25 Akteure ein, schenkte einigen Abgängen Spielzeit und begann schon vor der Pause zu wechseln. Im zweiten Durchgang ging es dann permanent raus und rein. Lange passierte zwischen den Toren wenig, abgesehen von einem Fast-Eigentor von Maurice Haar (74.) und einem Kehl-Lupfer (83.) blieben auch die Münsteraner harmlos. Dann aber ein herrlicher Angriff: öffnender Ball von Finn Liebert, Querpass des schnellen Dzan Alic, müheloser Abschluss Hendrik Hake – 1:1 (86.). Gerecht war’s, aber noch lange nicht das Ende. Martin Lambert (88.), vor allem aber erneut Kehl nach Vorarbeit von Liebert und Hake (90.+2) sowie Witt (90.+3) hatten das Siegtor auf dem Schlappen. Auch Dejan Petrovic hätte es auf der anderen Seite erzielen können, doch Daniel Serries parierte (90.+1).

Nicht nur für dieses furiose Finish gab’s sodann Beifall von den Rängen. Auch wenn ein paar Dinge im Duell zweier Westfalenligisten holprig liefen. „Gar nicht so leicht, alles vom Kopf in die Füße zu kriegen“, sagte Westfalia-Routinier Kevin Schöneberg. Sein neuer Nebenmann Massih Wassey sieht viel Potenzial im Kader: „Wir haben eine gute Mischung und richtig gute Charaktere.“

Beide Teams hockten hinterher noch länger beisammen. Auch sie hatten sich Bratwurst und Bier verdient.

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