1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. „Bedeutet mir unglaublich viel“: Marie Ligges gewinnt gewinnt den Großen Preis

  8. >

Reiten: Agravis-Cup

„Bedeutet mir unglaublich viel“: Marie Ligges gewinnt gewinnt den Großen Preis

Münster

Großer Preis, großes Kino, große Gefühle – das letzte Springen beim Agravis-Cup in Münster bot beim Sieg von Marie Ligges viele Emotionen, rührte ihren Vater Kai zu Tränen. Aber auch der knapp geschlagene Mario Maintz verließ die Halle Münsterland zufrieden.

Doppelkuss für die Siegerin: Mario Maintz (l.) und Markus Renzel gratulieren Marie Ligges zu ihrem Triumph im Großen Preis von Münster, der Vater Kai Ligges (kl. Foto) zu Tränen rührte. Foto: Jürgen Peperhowe

Marie Ligges drückte ihrem Pferd Corcovado einen Kuss auf den Hals, ließ wenig später bei der Siegerehrung eine Liebeserklärung für ihren elfjährigen Wallach folgen. Vater Kai war sichtlich gerührt, konnte und wollte seine Tränen der Freude nicht verstecken. Der Triumph der 23-Jährigen im Großen Preis war ganz besonderer, ein emotionaler. „Hier zu gewinnen, war immer ein Traum. Und jetzt hat es Marie geschafft“, sagte Kai Ligges angefasst.

Es ist für die junge Reiterin aus Herbern der größte Erfolg ihrer Karriere, mit dem sie nun ihrem Großvater Fritz, 1972 Olympiasieger mit der deutschen Mannschaft und hochdekorierter Springreiter, etwas voraushat. Er schaffte es nie, in der Halle Münsterland die wichtigste Prüfung für sich zu entscheiden. „Das bedeutet mir unglaublich viel“, sagte Marie Ligges, die sich im Stechen ein wenig überraschte mit ihrem Husarenritt. „Eigentlich sind wir gar nicht so schnell. Daher hatte ich vorher auch nicht gedacht, dass ich es schaffen kann. Aber Papa hat gesagt: ,Doch, doch.‘“

Schon bei der Zwischenzeit knapp vorn

Und der Vater, der Corcovado gezüchtet hat, lag mit seiner Vorahnung richtig. Seine Tochter erwischte eine flüssige Runde, lag als letzte Starterin des Stechens schon bei der Zwischenzeit knapp vorn. Diesen hauchdünnen Vorsprung rettete sie auf die Schlusslinie und über den letzten Sprung der fünf Turniertage beim Agravis-Cup. Die Siegerhymne dröhnte aus den Boxen, die Halle feierte Ligges – und Familie Ligges feierte mit.

Die weiteste Anreise zum Großen Preis hatte derweil Philipp Schulze Topphoff (RV Roxel). Der in Havixbeck beheimatete frühere U-21-Europameister hatte am Samstag noch mit Carla ein Springen in Basel gewonnen, war dann am Sonntagfrüh um 6 Uhr zurück. Ein kurzes Nickerchen später – und schon war Schulze Topphoff in der Halle Münsterland. Dort fand er mit Avantus gut in den Parcours, erst in der Mitte der dreifachen Kombination fiel eine Stange. Es war die einzige, damit wurde Schulze Topphoff Zwölfter. Seine Schwester Marie kam mit Villimey v. Gaste und ebenfalls vier Strafpunkten auf Rang 23.

Ehning legte starke Zeit vor

Besser als die Geschwister machten es in dem 40-köpfigen Starterfeld nur sechs Paare – ein kleines Stechen, das Johannes Ehning mit Classic Donna eröffnen musste. Der 40-Jährige legte gleich auch einmal eine Zeit vor, die ihresgleichen suchte. Das Problem war nur, dass neben den 34,12 Sekunden auch eine „4“ für den Abwurf eingangs der Kombination aufleuchtete. So war es Angelique Rüsen, 2018 Deutsche Meisterin, vorbehalten, den ersten Richtwert zu setzen. Mit Arac du Seigneur blieb sie fehlerfrei, die 36,31 Sekunden der Reiterin aus Marl aber, das war klar, würden nicht zum Sieg reichen.

Das bewies im Anschluss Markus Renzel (Marl) mit Canmore (35,55 Sekunden), den Mario Maintz (RV Laer) im Sattel von Oak Grove‘s Clown (34,59 Sekunden) umgehend von der Spitze verdrängte. Doch Maintz, der im Umlauf beim Überqueren des letzten Hindernisses vor Freude einen Arm in die Luft gerissen und einen Jubelschrei ausgestoßen hatte, wurde dann von Ligges abgefangen.

„Er vertraut mir und ich vertraue ihm“

Maintz konnte damit gut leben. Erst im vergangenen April hatte er den neunjährigen Hengst übernommen, entwickelte sich gemeinsam mit ihm zu einem erfolgreichen Paar. „Damals waren wir noch nicht so weit wie heute, es gab auch Niederschläge. Da haben wir drei Schritte vor und dann vier zurück gemacht. Aber jetzt haben wir eine unglaubliche Beziehung. Er vertraut mir und ich vertraue ihm. In diese Halle und Kulisse zu reiten und den Fokus des Pferdes zu spüren, macht mich stolz.“

Das war auch Marie Ligges. Auf sich, auf ihre Familie, die „mich immer unterstützt“, und ganz besonders auf Corcovado. „Ihn liebe ich über alles.“ Mehr Emotionen zum Abschluss der Turnierwoche gehen nicht.

Startseite
ANZEIGE