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Leichtathletik: Europameisterschaft in München

„Beste Form, die ich je hatte“ – Münsteraner Nils Voigt vor seinem Saisonhöhepunkt

Münster/München

Als Richard Ringer am Montag bei der Europameisterschaft in München den Marathon-Titel holte, schaute Nils Voigt begeistert zu. Am Sonntag wird der Münsteraner dann selbst im Fokus stehen – und über die 10 000 Meter an den Start gehen.

25 Runden stehen in München auf dem Programm: Nils Voigt (vorne) will beim EM-Rennen unter die Top 8 Foto: Imago/B.Hoffmann

Die deutsche Leichtathletik sorgte vor einigen Wochen bei der Weltmeisterschaft in Eugene für Kopfschütteln, wenig bis gar nichts gelang. Als am Montag bei der Heim-Europameisterschaft in München der Marathon der Männer entschieden wurde, war dies diametral entgegengesetzt. Der Sieg von Richard Ringer kam unerwartet, gewaltig, Fesseln sprengend. Auch Nils Voigt, der Münsteraner mit sportlicher Heimat beim TV Wattenscheid, schaute genau hin. Er war begeistert, und: „Er hat super überrascht, es war spannend. Es ist inspirierend.“ Und der 10 000-Meter-Spezialist Voigt zog den nicht vorhandenen Hut vor dem Landsmann: „Das war aufregend anzusehen.“

Voigt wird am Sonntag auf der Laufbahn des Münchner Olympiastadions über seine Strecke, auf der er im vergangenen Jahr Deutscher Meister wurde, antreten. Er sagt vielversprechend: „Das ist die beste Form, die ich je hatte.“ Der Saisonstart mit Verletzung und Corona-Erkrankung war schwierig. Über Höhentrainingslager in den USA und Kenia holte er sich seine Verfassung zurück. Nur drei Sekunden (27:52 Minuten) blieb er im niederländischen Leiden im Juni unter seiner persönlichen Bestzeit, in Deutschland lief kein Athlet schneller 2022. Beim Heimspiel auf der Sentruper Höhe zum Beispiel siegte er im Vorbeigehen, zerlegte den Streckenrekord und fuhr dann entspannt mit dem Rad heim – er blieb knapp unter 29 Minuten. Wie er damals sagte, nur ein Testrennen auf dem Weg zur Topform, das war im März.

Top 8 ist das Ziel für Voigt

Nun also der Saisonhöhepunkt am letzten Tag der Europameisterschaft in München. Um 20 Uhr fällt der Startschuss, auf der aktuellen Starterliste wird er mit seiner Jahresbestzeit nun auf Rang sieben geführt in Europa, insgesamt ist er Zwölfter. Er sagt, er bleibe dabei, Top 8 wäre das Ziel. An dem Italiener Yemaneberhan Crippa, einem Doppelstarter über 5000 und 10 000 Meter, wird wohl kein Weg vorbeiführen. Über Medaillen denkt Voigt auch nicht nach, das wäre vermessen. Er ist selbstbewusst und gleichermaßen reserviert.

„Über 10 000 Meter werden oft viele Fehler am Anfang gemacht. Wichtig ist, nicht zu überpacen“, sagt Voigt, und meint, möglichst kontrolliert das Rennen in Angriff nehmen zu können, vorsichtig zu sein. Und überhaupt geben die Zeiten nur bedingt Aufschluss darüber, was in einem solchen solitären Wettkampf passieren wird. Oft sind die Endzeiten bei EM-Finals nicht überragend gewesen, die Taktik prägte dann alles, am Ende musste man einfach vorne dabei sein. Voraussagen macht Nils Voigt nicht – außer Top 8 ist das machbare Ziel.

Voigt will sich von der Kulisse nicht ablenken lassen

Vermutlich wird die Kulisse im Olympiastadion von 1972 so groß wie noch nie in seiner Karriere sein. Bei der Deutschen Meisterschaft 2019 in Berlin sei eine Menge los gewesen, aber München dürfte unglaublich werden. Er wolle sich dennoch davon nicht ablenken lassen. Voigt kennt die Geschichten von Lasse Viren, der vor 50 Jahren in Weltrekordzeit in München über 5000 und 10 000 Meter Gold holte. Er denkt auch an Harald Norpoth, den unglaublichen Langstreckler aus Telgte, der in München Sechster über 5000 Meter wurde, acht Jahre zuvor in Tokio sogar Olympia-Silber gewonnen hat. Voigt schwelgt nicht in der Historie, aber er kennt sie zumindest.

Nein, von Edelmetall bei der Heim-EM in München träumt Nils Voigt nicht. Er ist dabei und will in diesen knapp 28 Minuten des Wettkampfs alles aus sich rausholen. Nun, da alles in der Präparation getan ist, muss die Zeit über die Runden gebracht werden, erst am Freitag geht es nach München. Auch hier, wie im Rennen, ist Geduld gefragt, obwohl alles dann so schnell vorbei ist. Sonntag gilt es für den Schützling von Trainer Tono Kirschbaum. Er sagt, er ist bereit.

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