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Reiten: Amateur-DM und -Championat

Caroline Noll und Friederike Willmers schreiben kleines Heldenepos

Münster

Zwei Münsteranerinnen auf einem Höhenflug: Caroline Noll wurde mit Floreal deutsche Amateurmeisterin in der Dressur, Friederike Willmers kürte sich mit Quarzit zur Championesse der Springreiter. Beide hatten mit ihrem Erfolg nicht unbedingt gerechnet.

Von Henner Henning

Deutsche Amateur-Meisterin: Caroline Noll mit Floreal Foto: privat

Derjenige, der diese Geschichte geschrieben hätte, hätte sich schnell dem Vorwurf erwehren müssen, sich eine zu kitschige Story ausgedacht zu haben. Doch was bei den Deutschen Amateur-Meisterschaften (DAM) und dem parallel ausgetragenen Deutschen Amateur-Championat (DAC) passierte, kann getrost ins Genre „Heldenepos“ gepackt werden. In Handorf-Sudmühle kürte sich Friederike Willmers (RV St. Hubertus Wolbeck) zur Championesse der Springreiter, Caroline Noll (RV 1876 Amelsbüren) gewann im Viereck den DAM-Titel. Zwei Heimsiege, mit denen beide Reiterinnen im Vorfeld überhaupt nicht gerechnet hatten.

Bei Caroline Noll, vielen besser als Caroline Mümken bekannt, zeichnete sich schon am ersten Tag im Prix St. Georges die Tendenz zu einem Top-Ergebnis ab. Mit Floreal, ihrem selbst von null bis S-Niveau ausgebildeten, zehnjährigen Wallach, knackte sie erstmals die 70-Prozent-Marke (70,307) und ging als Zweite ins Finale, das als Kür geritten wurde.

Erste Kür für Floreal

Und genau da lag der Knackpunkt. Floreal hatte zuvor noch nie eine Kür bestritten, erst eine Woche zuvor probte das Duo zur Musik von ihrem früheren Pferd Donar Ass den Ernstfall. „Am Sonntag davor haben wir es probiert und geschaut, was passt und was nicht passt“, sagt Noll, für die ihre Mutter Susanne und ihr Bruder Max Mümken – er kickt beim Landesliga-Spitzenreiter BSV Roxel – die Kür-Klänge zusammenschnitten. Gleich zweimal: Bei der endgültigen Generalprobe keine 24 Stunden vor dem Finale fiel auf, dass die Musik etwas zu lang war. Aber es klappte alles, besonders im Viereck. Floreal zeigte kaum einen Wackler, harmonierte mit seiner Reiterin perfekt. „Er ist so zuverlässig. Was man abruft, liefert er“, sagt die Trägerin des Goldenen Reitabzeichens (2014), die einen Teil des Sieges ihrer Mutter zuschreibt. „Mama hat ihn geritten, als ich schwanger war, und wir reiten ihn immer noch zusammen“, sagt die Gymnasiallehrerin (Sport und Sozialwissenschaften). Platz zwei in der Kür (73,883 Prozent) bedeuteten den Gesamtsieg mit 0,75 Punkten Vorsprung. Als das Ergebnis feststand und die ganze Anspannung abfiel, flossen ein paar Freudentränchen. Was für ein Erfolg. Der abendliche Empfang am Verein rundete dieses „mega Wochenende“ ab.

Starke Nerven am Schlusstag

Genau das erlebte auch Friederike Willmers. Aufregend sei es gewesen, doch die gerade erst 30-Jährige bewies gerade am Schlusstag starke Nerven. Mit zwei Nullrunden und den Plätzen sechs und fünf hatte sie sich im Sattel von Quarzit in eine gute Position (Rang drei vor dem Finale) geschoben, die sie mit einem weiteren fehlerfreien Ritt noch verbesserte. Zumal sich die nach den ersten beiden Tagen führende Sandra Wilharm (RV Weser-Ems) mit Crush Boy und acht Strafpunkten vorzeitig aus dem Rennen nahm.

Und Willmers lieferte mit Quarzit, den sie seit dem Alter von fünf Jahren reitet und den sie von L- auf S-Level führte. „Quarzit ist das beste Pferd, das ich je hatte, mein persönlicher Lottogewinn. Er hat ein riesiges Kämpferherz und gleicht meine Fehler im Parcours aus.“ Auch beim DAC blieben beide als einziges Paar viermal bei null und schnappten sich mit Platz zwei in der Finalrunde die Goldene Schärpe. „Ein Traum wäre es gewesen, auf dem Treppchen zu stehen. Mit dem Sieg hätte ich nie gerechnet“, meinte die aus dem Sauerland stammende Apothekerin, die 2011 zum Studium nach Münster kam. Und nun wie Noll am Westfälischen Pferdezentrum ein kleines Heldenepos schrieb.

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