Hockey

Der Kunstrasenplatz des THC Münster und sein langer Weg nach Freetown

Münster

Es ist schon kein leichtes Unterfangen, in Deutschland einen Hockey-Platz auszutauschen. Viel Arbeit von der Planung, Finanzierung bis zur Verlegung. Noch komplizierter wird es, wenn ein Kunstrasen in Sierra Leone gebaut werden soll. Cornelius Heidmann und sein Team gingen dieses Abenteuer an und lassen für das Projekt „Sierra Leone Hockey Trust“ den alten Untergrund des THC Münster in Freetown installieren.

Henner Henning

Der neue Kunstrasenplatz, auf den sich Frank Knura (2.v.l.) und Tobias Achatzy (r.) beim THC freuen, wird gerade aufgetragen. Unterdessen ist der alte auf dem Weg nach Sierra Leone. Foto: Jürgen Peperhowe/privat

Noch ist er nicht angekommen, noch befindet er sich irgendwo auf dem Atlantik. Von Münster aus ging es via Antwerpen auf die hohe See, einmal durch den Ärmelkanal und dann immer mit Kurs Richtung Süden. Zielort: Das 7000 Kilometer entfernte Freetown in Sierra Leone. Doch wer ist er?

Ein Hockey-Projekt in Sierra Leone Foto: privat

Er, das ist der alte Kunstrasenplatz des THC Münster, fein säuberlich verpackt in großen Seecontainern auf dem Weg in den westafrikanischen Staat, wo er bald als erster Hockey-Kunstrasen des Landes ein kleiner Star sein wird. Die Kunde, dass der THC mit der Unterstützung der Elternschaft um Frank Knura, die über eine Spendenaktion den Grundstein für den Neubau geschaffen hat, und öffentlichen Fördergeldern einen frischen Untergrund erhält, sprach sich in der Szene herum. Über Münsters Oberliga-Spieler Christoph Messerknecht, Fabian Kubitza, Henry Nonn und Alexander Glees bekam auch Cornelius Heidmann Wind von der Sache – und sah in dieser eine Chance für sein Projekt, für seine Herzensangelegenheit.

Tatjana Hoesch und Dominique Paul als Mitstreiter

Im Frühjahr 2019 hatte der ehemalige Bundesliga-Spieler, der bei Uhlenhorst Mülheim ab dem Alter von sechs Jahren alle Stationen durchlief, mit Dominique Paul die Initiative „Sierra Leone Hockey Trust“ ins Leben gerufen. Während seines Studiums in St. Gallen war er bei einer UN-Konferenz auf die Entwicklung des dortigen Hockey-Sports aufmerksam geworden und nahm sich des Projekts an. Gemeinsam mit Tatjana Hoesch rührten die beiden die Trommel, klapperten bundesweit die Vereine ab und sammelten Sach- und Geldspenden. Allein 6000 bis 7000 Schläger sind zusammengekommen, Tausende Schuhe, unzählige Trikots und Klamotten“, erzählt Heidmann. Doch einen Kunstrasenplatz, den gibt es in dem 2019 als neuntärmstes Land der Welt gelisteten Staat nicht.

Unterstützung auch von Lano Sports

Noch nicht, denn Heidmann griff im Sommer 2020 zum Telefon und stellte seine damals noch fixe Idee dem THC vor. Lange nachdenken musste Tobias Achatzy damals nicht, der Vorsitzende der Hockey-Abteilung zeigte sich sofort begeistert. „Gezögert haben wir nicht. Es war direkt klar, dass wir das Projekt unterstützen“, sagt Achatzy.

Foto: privat

Nach unzähligen weiteren Telefonaten und ungemein großer organisatorischer Fleißarbeit, bei der sich Heidmann auch mit bürokratischen Problemen (etwa bei den Zollbestimmungen) konfrontiert sah, wurde Anfang April der Platz am Dingbängerweg abgebaut und auf die Reise geschickt – unterstützt auch von der Firma Lano Sports aus dem belgischen Harelbeke, die sich auf Kunstrasenplätze spezialisiert hat und mit Klebstoffen sowie Spezialmaterialien Sachspenden leistete. Chris Vandenborre reiste eigens nach Münster, um Heidmann für die Verlegung des Grüns noch Tipps zu geben. Denn in Freetown wird der Mülheimer mit seinem Team vor Ort die Verlegung anleiten müssen.

Langfristig angelegtes Projekt

Noch ist, wie bei diesem Projekt schon so oft, Geduld gefragt. Das künstliche Spielfeld ist noch auf hoher See, wann nach der Ankunft der Startschuss für den Aufbau folgen kann, hängt von der Regenzeit in Sierra Leone ab. Doch auch wenn die jungen wie alten Hockeyspieler in Freetown und Umgebung gebannt auf den Moment, in dem sie erstmals auf das Grün dürfen, warten, kommt es mit Blick auf die Langfristigkeit des Projekts nicht auf einen Tag mehr oder weniger an. „Wir hoffen, dass wir es 20, 30 Jahre begleiten können“, sagt Heidmann. Um den Platz herum soll ein Hockey-Zentrum entstehen, der bei einer Bank in Frankfurt arbeitende Heidmann und seine Mitstreiter wollen Trainer wie Spieler ausbilden, die Schulen im Land einbinden, eine nationale Liga gründen und so vielleicht schon 2025 ein Nationalteam zum Afrika-Cup schicken. Visionen. Aus diesen aber kann Wirklichkeit werden. Oder wer hätte gedacht, dass der Kunstrasenplatz vom Dingbängerweg einmal in Freetown eine neue Heimat finden wird?

Hockey in Sierra Leone Foto: privat
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