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Rad: Cross-Meisterschaft

Die Gipfelstürmerin Svenja Betz

Münster

Svenja Betz blickt auf eine außergewöhnliche Karriere zurück. 2017 erstmals auf dem Rad, fährt sie inzwischen für ein professionelles Rennteam in Belgien. Am Wochenende wurde sie Siebte bei der internationalen Radcross-Meisterschaft.

Von André Fischer

Svenja Betz (rechts) fing mit zwölf Jahren das Skifliegen an, inzwischen ist sie Rad-Profi. Foto: Imago/frontalvision.com

Er ist das „Dach“ der Tour de France. Je mehr man sich den 2645 Metern nähert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, auf eine weiße Landschaft zu treffen. Der Col du Galibier zählt zu den bekanntesten klassischen Anstiegen der Schleife durch Frankreich. Hier werden Helden geboren, erfüllen sich Träume – andere zerbrechen jäh an den Höhenmetern. Svenja Betz hat den „Riesen“ erklommen, mit brennenden Oberschenkeln.

2017 steigt sie im Rahmen der Exkursion „Mit dem Rennrad über die Alpen“ der Uni Münster in den Sattel. 600 Kilometer von Genf bis Nizza. „Ich habe eine Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke“, sagt sie noch heute. Es sind ihre ersten Tritte in die Pedalen. Sie harrt tapfer aus, ist fasziniert – und lebt auf. Inzwischen ist sie Profi im belgischen Illi-Bikes Cycling Team. Gut vier Jahre liegen zwischen den Anfängen und einer außergewöhnlichen Karriere, die sie bis in die deutsche Spitze spült.

Erst Skifliegen, dann Studium in Münster

Nordheim vor der Rhön, Unterfranken. In der kleinen Gemeinde in Bayern zählt die 26-Jährige neben Schwester Maja, einer aufstrebende Triathletin, und Bürgermeister Thomas Fischer inzwischen zu den wohl bekanntesten Persönlichkeiten. Laufen, Fußball – Svenja ist ein echter Sport-Freak in ihrer Jugend in der Heimat. Eine, die die Abwechslung liebt.

Mit zwölf Jahren entdeckt sie das Skispringen für sich. Auf den Kreuzbergschanzen bei Haselbach, einem Ortsteil von Bischofsheim in der Rhön, ist sie Stammgast. Bis zum Abitur, dann „wandert“ sie aus – zum Lehramtsstudium nach Münster (Sport und Biologie). Aktuell macht sie ihr Praxissemester am Pascal-Gymnasium, versucht den Spagat zwischen Job und Leistungssport bestmöglich zu meistern.

Ein DM-Ritt sorgt für Aufsehen

Nach dem Transalp-Abenteuer startet sie durch, fährt erstmals 2017 beim Sparkassen-Münsterland-Giro im Jedermann-Feld, löst als Mitglied des RSV Friedenau Steinfurt eine Rennlizenz. Nach Platz zwei bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften und dem damit verbundenen sechsten Platz im Bundesliga-Rennen am Bilster Berg bei Bad Driburg schließt sie sich dem Amateurteam RSG Placeworkers, heute RSG Gießen Biehler, an.

Siebte bei der internationalen Radcross-Meisterschaft in Luckenwalde: Svenja Betz fährt nicht nur auf der Straße in die Punkteränge. Foto: Imago/frontalvision.com

Ihr „Ritt“ bei der Deutschen Meisterschaft am Sachsenring 2020, wo sie 27 Kilometer als Ausreißerin solo unterwegs ist und 300 Meter vor dem Finish noch gestellt wird, sorgt in internationalen Kreisen für Aufsehen. Fortan ist sie professionell unterwegs. „Ich fahre nicht ganz vorne mit, habe aber viel Entwicklungspotenzial“, sagt sie selbstbewusst.

Platz sieben bei der Radcross-DM

In Luckenwalde beweist sie am Wochenende einmal mehr, wie vielseitig sie ist. Bei der internationalen Radcross-Meisterschaft wird sie Siebte. Schon nach den ersten tiefen Pfützen und dem Dreck, der ihr von der Vorderfrau ins Gesicht fliegt, wünscht sich Mama Anke eine warme Dusche für ihre Tochter.

„Und einen Sponsor für die Waschmaschine“, lacht Svenja. Nur eine Momentaufnahme im Winter – Betz ist auf der Straße zu Hause. Und will noch manchen Gipfel erklimmen.

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