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Fußball: Interview

FCG-Chef Grädler: Zwischen Hochspannung und Stromausfall

Münster

Die Mannschaft steht unter Hochspannung, große Teile der Vereinsanlage unter Notstrom. Der 1. FC Gievenbeck absolviert gerade eine ebeneso bemerkenswerte wie merkwürdige Saison. Geschäftsführer Stefan Grädler behält beide Seiten im Blick und drückt seinem Team beim Gipfeltreffen in Delbrück aus der Ferne die Daumen.

Von Ansgar Griebel

Auch Guglielmo Maddente (hier im Pokal gegen Sendens Tim Castelle/l.) hat seinen Teil zum Gievenbecker Höhenflug beigetragen. Foto: Florian Levenig

Am Sonntag reist der 1. FC Gievenbeck zum Delbrücker SC – und damit der Westfalenliga-Zweite zum Spitzenreiter, mehr Spitzenspiel geht nicht. Sollte der FCG gewinnen, übernimmt er wieder den Platz an der Sonne, siegt Delbrück, dann fällt auch eine kleine Vorentscheidung im Aufstiegskampf.

FCG-Geschäftsführer Stefan Grädler drückt aus der Ferne die Daumen – ausnahmsweise, weil er doch sehr viel öfter am Platz steht, als er sich vorgenommen hat. „Das macht schon Spaß“, sagt der ehemalige Preußenspieler.

Wenn Sie irgendwann auf diese Saison zurückblicken, wird es der Blick auf eine tolle Saison sein mit Aufstiegskampf bis zum Ende und dem Pokalfinale. Aber auch der auf eine Saison ohne Stadtis und einen kapitalen Stromausfall nach einem Kabelbrand in der Geschäftsstelle. Wie geht das zusammen?

Stefan Grädler: Natürlich ist das mit den Stadtmeisterschaften sehr unglücklich, zum zweiten Mal in Folge kein Hallenfußball. Aber wir haben das finanziell trotzdem gut hingekriegt in dieser Saison. Der Brand ist eine ganz andere Sache, der ist ja immer noch nicht erledigt, wir arbeiten noch heute mit Notstrom. Aber wir haben auch versucht, das von den Sportlern fernzuhalten, nicht nur von den Fußballern. Wie man sieht, hat das ganz gut geklappt.

So gut, dass aus dem distanzierten Beobachter Grädler dann doch so etwas wie ein Schlachtenbummler geworden ist?

Grädler: Tatsächlich bin ich da von meiner Linie abgewichen und stehe häufiger am Platz, als ich es mir vorgenommen habe. Das Pokalspiel in Senden habe ich sogar im Livestream am Rechner verfolgt. Es macht ja auch Spaß, weil die Mannschaft einen guten Ball spielt. Aber das Spitzenspiel in Delbrück schaffe ich leider nicht.

Dass Spieler und Trainer aufsteigen wollen, steht außer Frage, wie sieht das der Mann, der Finanzen und Aufwand im Blick behalten muss?

Grädler: Vom Aufwand her ist es eigentlich egal, ob wir Oberliga spielen oder Westfalenliga. Der Etat bleibt unverändert und wenn das Budget aufgebraucht ist, dann ist es aufgebraucht. Aber natürlich bremsen wir hier niemanden. Florian Reckels, Carsten Becker und das Team leisten tolle Arbeit. Wenn die Mannschaft aufsteigt, freuen wir uns alle.

Wie macht sich die bärenstarke Saison der Mannschaft im Umfeld bemerkbar?

Grädler: Hier wird keiner hysterisch und die Zuschauerzahlen verdoppeln sich nicht, aber natürlich spürt man, dass das Interesse größer wird. Es macht ja auch Spaß oben mitzuspielen.

FCG-Chef Stefan Grädler (rechts) verpflichtete unter anderem bereits Jannis Fraundörfer von Eintracht Rheine für die neue Saison. Foto: FCG

Als Stadtteilverein hat sich der FCG auf die Fahnen geschrieben, dass überall, wo Gievenbeck draufsteht, auch Gievenbeck drin ist. Ist das künftig haltbar?

Grädler: Unser Anliegen ist es weiterhin, möglichst viele Gievenbecker in der ersten Mannschaft zu sehen, das hat unsere sehr gute Jugendarbeit verdient. Die U 17 hatte die Chance auf die Bundesliga – und hat immer noch zumindest eine kleine. Da wird von der U 13 bis zur U 19 tolle Arbeit geleistet und wir versuchen, so viele Spieler aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft zu bekommen, wie es geht. Natürlich wissen wir auch, dass der Sprung in den Seniorenbereich ohnehin schwierig ist und in die Oberliga dann noch schwieriger.

Die Mannschaft kann also auf gedrückte Daumen und die volle Unterstützung im Aufstiegskampf bauen?

Grädler: Absolut. Von uns aus sehr gerne. Die Oberliga ist eine ganz andere Herausforderung, da wird ein anderer Ball gespielt. Aber Florian macht das gut und wir haben ja auch schon einige starke Spieler verpflichtet. Wenn es mit dem Aufstieg klappen sollte, werde ich mit gutem Gewissen mitfeiern.

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