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Leichtathletik: U-20-WM in Kolumbien

Frühstart erwünscht: Brillux-Talent Zahlten misst sich mit den Besten der Welt

Münster

Tief in der Nacht muss Silas Zahlten am Mittwochmorgen aufstehen und sich auf seinen großen Auftritt vorbereiten. Bei der U-20-Weltmeisterschaft im kolumbianischen Cali misst sich der 17-Jährige von der LG Brillux mit den besten Läufern der Welt.

Von Henner Henning

Ein Duo für Deutschland: Silas Zahlten (l.) von der LG Brillux und der Ludwigsburger Kurt Lauer (r.) starten bei der U-20-WM über 3000 Meter Hindernis. Foto: Imago/Beautiful Sports

Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch wird für Silas Zahlten eine kurze. Um 3.30 Uhr, vielleicht auch erst um 4 Uhr wird der Wecker den Leichtathleten der LG Brillux Münster wecken. Raus aus den Federn, bereitmachen für den großen Auftritt auf der Bühne der U-20-Weltmeisterschaft. Über die 3000 Meter Hindernis misst sich der 17-Jährige dann im kolumbianischen Cali mit den besten Läufern der Welt, um 9.25 Uhr Ortszeit steht der Vorlauf an. Nur mitmachen im Kreise der Elite aber ist nicht sein Ding, die Ambitionen sind hoch. Ins Finale der besten 15 möchte Zahlten gerne einziehen. Da heißt es ausnahmsweise im übertragenen Sinne: Frühstart erwünscht.

„Meine Form ist gut, ich bin topfit“, sagt der Schüler des Pascal-Gymnasiums, der dies in diesem Jahr nahezu durchgehend bewiesen hat. Bei der Hallen-DM im Februar gewann der Dülmener über 1500 Meter Silber, legte dann unter freiem Himmel bei den nationalen Titelkämpfen in Ulm Silber über 3000 Meter Hindernis sowie Bronze über 1500 Meter nach – und sicherte sich zwischendrin Anfang Juli in Mannheim das Ticket für die Weltmeisterschaften.

Quartier in Flordia

Eine Premiere für den jungen, selbstbewussten Athleten, für den das WM-Abenteuer bereits in der Vorwoche begann. Mit dem DLV-Tross um die 75 Aktiven bezog er in Florida Quartier, holte sich im Trainingslager den Feinschliff für Cali. In der gleichen Zeitzone und bei ähnlichen klimatischen Bedingungen setzten die Trainer „noch einmal ein paar kleine Tempo-Reize“ (Zahlten), ohne dabei aber zu viel zu machen. „Die Vorbereitung in Florida hat bestens geklappt, auch wenn das Klima mit der hohen Luftfeuchtigkeit extremer als gedacht war“, sagt er. Gefühl und Rhythmus aber stimmten, positiv eingestellt ging es am Freitag weiter nach Kolumbien, in die gut zwei Millionen Einwohner große Metropole südwestlich von Bogotá – auf gut 1018 Metern über dem Meeresspiegel. An die Höhe hat sich Zahlten seit seiner Ankunft gewöhnt, er hat sich schnell akklimatisiert. „Im ersten Trainingslauf habe ich sie zwar gemerkt und hatte das Gefühl, dass es einen Tick anstrengender ist. Aber wir haben ja seit der Ankunft bis zum Lauf fünf Tage Zeit, das sollte reichen.“

Auf den Mittwoch ist alles ausgerichtet, in zwei Vorläufen geht es um einen der 15 Finalplätze – je fünf für die fünf Erstplatzierten der beiden Vorläufe, dazu fünf für die Zeitschnellsten aus dem etwa 40-köpfigen Feld. Um am Samstag dabei sein zu dürfen, wird Zahlten seine Bestzeit von 9:01,97 Minuten unterbieten müssen. „Fünf, sechs Sekunden“, so vermutet Zahlten, wird er sich steigern müssen. „Je nach Rennverlauf.“ Dabei hätte der Dülmener nichts gegen ein „eher langsames, taktisches Rennen“, um dann seine Qualitäten von der 1500-Meter-Strecke einbringen zu können. Das Feld im Neun-Minuten-Bereich ist eng beieinander, als 17. der Weltbestenliste geht Zahlten an den Start. Das Finale, sagt sein Heimtrainer Jörg Riethues, sei drin. „Mit seinen zeitlichen Reserven hat er das Potenzial dafür.“

Anspannung "wird immer mehr"

Ein erstes Kribbeln machte sich erstmals so richtig am Sonntag bemerkbar, der erste Besuch der WM-Stätte „Estadio Olímpico Pascual Guerrero“ stellte die Sensoren endgültig auf Empfang. Und als sich dann auch noch mit 1500-Meter-Läufer Christopher Schrick am Montag einer seiner beiden Zimmerpartner – der andere ist sein Hindernis-Kollege Kurt Lauer – auf das Rennen vorbereitete, konnte auch Zahlten eine gewisse Anspannung nicht mehr verhehlen. „Es wird immer mehr“, gestand der deutsche Vizemeister, bei dem aber die Vorfreude überwiegt.

Ein bisschen Glück wird Zahlten sicher auch brauchen, um in den Endlauf einzuziehen. Vorbereitet scheint der Brillux-Athleten top zu sein, die seit Monaten gezeigten Leistungen lassen ihn optimistisch ins Kräftemessen etwa mit den favorisierten Athleten aus Afrika gehen. Das Finale ist sein Ziel, sein Traum – und dafür steht Zahlten auch gerne in der Frühe auf.

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