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Fußball: Tribünengespräch

„Ein weinendes Auge dabei“: So erlebte Göcking Gelmers Demontage

Münster

Eigentlich lebt Fußball von der Spannung – und demnach produzierten der SC Münster 08, der 1. FC Gievenbeck und die Reserve von Preußen Münster am Wochenende rechte Langeweiler. Pustekuchen: Auf allen drei Plätzen steckte viel Leben drin.

Von Ansgar Griebel

Wenn der Jubel in Serie geht, fällt er mitunter etwas ruhiger aus: Die 08-Spieler (v.l.) Joscha Lange, Bassam Machmouchi, Finn Lenze und Malte Höppner „feiern“ einen der acht Treffer gegen GW Gelmer. Foto: Wilfried Hiegemann

Fußball ist ein Sport, der unter anderem von den Emotionen lebt: Freude und Frust, Jubel und Verzweiflung – aber hat auch Mitleid etwas auf dem Platz zu suchen? So ganz konnte sich Gerrit Göcking am Sonntagnachmittag dieses bohrenden Gefühls nicht erwehren, als er in seinem ersten Punktspiel als Trainer des Bezirksligisten SC Münster 08 seinen Ex-Club GW Gelmer mit 8:0 abfertigte.

„Ganz ehrlich, das tat mir am Ende schon ein bisschen leid. Auch, als ich da so rüber guckte zu Thorsten Schürmann – einem meiner wichtigsten Spieler in Gelmer, er stand da völlig alleingelassen. Da war bei aller Freude auch ein weinendes Auge dabei.“ Uneingeschränkte Freude und Erleichterung habe er in der ersten Halbzeit gespürt, „als wir die ersten Tore geschossen haben und mit 3:0 in Führung gingen. Als das in der zweiten Halbzeit dann diese Formen annahm, wurde es ein bisschen, naja anders.“

Göcking: „Für beide nichts geändert“

Kein Grund allerdings, seinem Teams Bremsklötze vor die Füße zu schieben. „Nein, natürlich habe ich sie weiter angetrieben und wir haben weiter Gas gegeben. Das ist der Fußball.“ Nach dem Abpfiff gab es die obligatorischen Gespräche zwischen GWG-Spielern und dem Ex-Trainer, „aber da ging es im Wesentlichen um persönliche Dinge. Über das Spiel wollte eigentlich gar keiner reden.“

Was dieser Biltzstart hüben und der Fehlstart drüben bei den Teams bewirke, sei überhaupt nicht absehbar, sagt Göcking. „Es war ja klar, dass wir bei 08 uns in Richtung oberes Drittel orientieren – und auch, dass Gelmer gegen den Abstieg kämpft. Daran hat sich für beide Teams nichts geändert. Für uns wird es am kommenden Wochenende gegen die Borussia, meiner Meinung nach die stärkste Mannschaft der Liga, gleich wieder richtig schwer. Und für Gelmer hoffe ich, dass sie nicht noch mehr solche Klatschen beziehen, sondern schnell wieder in die Spur finden. Dass die Mannschaft das draufhat, hat sie im Pokal gegen Altenberge ja bewiesen.“

Reckels: „Das kann sich auch anders entwickeln“

Ähnlich spektakulär wie Münster 08 nahmen drei Ligen höher die beiden münsterischen Oberligisten ihre Auftakthürden: Preußen Münsters Reserve lieferte gegen den TuS Erndtebrück beim 7:1 eine Fußball-Gala vom Feinsten ab, Neuling 1. FC Gievenbeck siegte bei der TSG Sprockhövel mit 4:0. FCG-Trainer Florian Reckels sah es mit Vergnügen, wusste das Ergebnis aber auch einzuordnen – und behielt neben Dreifach-Torschütze Christian Keil vor allem Keeper Nico Eschhaus im Gedächtnis: „Er hat uns ein paar Mal gerettet. Wenn da irgendwann der Anschlusstreffer zum 1:2 fällt, dann kann sich das Spiel auch ganz anders entwickeln.“

Das sah aus Sicht von Preußen-Trainer Kieran Schulze-Marmeling ein wenig anders aus. In seinem Spiel gab es tatsächlich einen Anschlusstreffer, doch den lächelte sein Team beim Stand von 5:0 souverän weg. „Wir haben heute mit seltener Konsequenz unser Spiel durchgezogen. Diese Gier war beeindruckend“, lobte Schulze-Marmeling seine Schützlinge, die sich topfit zeigten und 90 Minuten lang Vollgasfußball ablieferten. Hinterher waren alle rundum glücklich – eigentlich die schönste Emotion im Fußball.

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