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Fußball: Kreis Münster

„Erschreckende Tendenz“ im Umgang mit Schiedsrichtern

Münster

Beleidigungen, Bedrohungen und tätliche Angriffe gegen Schiedsrichter haben im Fußballkreis Münster zuletzt deutlich zugenommen. Der Kreisvorsitzende schlägt Alarm.

Von Thomas Austermann

Ein uraltes Hinweisschild mit brandaktuellem Inhalt – sogar wichtiger denn je, denn die Unparteiischen müssen mehr Unsportlichkeiten aushalten denn je. Foto: imago/Eisenhuth

Auf den Kreiskonferenzen gibt es jede Menge zu besprechen. Der Fußball-Spielbetrieb muss schließlich schlüssig organisiert werden. Auch gilt es, Lob und Anerkennung im großen Kreis anzubringen. Abseits der üblichen Tagesordnung gab es jetzt mahnende Worte des Kreisvorsitzenden. Norbert Krevert musste diese zum Thema Aggression gegen Unparteiische einfach los werden. Der 51-Jährige will es „nicht zulassen, dass unsere Schiedsrichter zu Zielscheiben werden.“ Genau das aber ist passiert in einer aufschreckenden Anzahl von Fällen.

Kreverts Bericht enthielt eine Aufzählung von dokumentierten Ausrastern. Und anhand dieser Fälle die Wertung: „Das ist nicht unser Fußballkreis!“ Spielleiter würden drastisch beschimpft oder gar attackiert, bisweilen würden ihre Familien bedroht, auch per Telefonterror. Respekt? Fehlanzeige. Dass sogar ein ­Juniorenspieler einen ganz routinierten Neutralen per Faustschlag verletzte, sei dann wohl ein Gipfel der Unerträglichkeiten.

Rote Karten gegen Offizielle nehmen zu

„Wir stellen eine er­schreckende Tendenz fest. Und dagegen müssen wir alle gemeinsam angehen“, sagte Krevert und nahm die Vereinsvertreter direkt in die Pflicht. „Wirken Sie auf die Spieler ein.“ Zu oft waren zuletzt auch Mannschaftsverantwortliche unter den Übeltätern. Der Leiter der beiden A-Liga-Staffeln, Helmut Thihatmar, berichtete zum Beispiel, dass drei von zehn in der A1 gezückten Roten Karten gegen Team­offizielle gerichtet waren. Der 74-jährige überaus routinierte Ehrenamtliche, Vorsitzender des Fußball­ausschusses, kritisierte diese ungewöhnliche Häufung.

Dass zuletzt erstmals überhaupt einem Verein das Mitspielen für eine ganze Saison verboten wurde, „ist ein krasses, aber in diesem Fall notwendiges Zeichen“. Krevert meinte den Ausschluss des C-Ligisten Rroma Kultur Verein. Der spielte seit November nach diversen Vorfällen auf Bewährung. Bis zu einem nächsten Fehltritt. Wie angekündigt, traf ihn der Bannstrahl des Kreissportgerichts (KSG). Krevert weiß aber auch, „dass Sperren auf Dauer keine Lösung sind.“ Sondern alleine die Verhaltensänderung.

„Das wünschen wir uns für den Fußball auch“

Der KSG-Vorsitzende Reiner Hartdorf (Warendorf) sagte, dass in der abgelaufenen Serie insgesamt 60 Fälle aus dem Seniorenbereich verhandelt wurden. Der seit 1994 praktizierende Rechtsanwalt zählte darin 27 Entscheidungen auf, in denen der Tatbestand „Beleidigung, Bedrohung, tätlicher Angriff“ gegen Schiedsrichter gegeben war. „Das sind sehr viele Fälle“, sagte er.

Oftmals, das stelle er bei Verhandlungen fest, „glauben die durch Bundesliga-Spiele geprägten Aktiven, dass in unteren Ligen auch wie ganz oben geschiedst werden müsse. Das kann ja nicht der Fall sein.“ Vielmehr müssten die Aktiven damit umgehen können, „dass es auf dieser Ebene auch mal falsche Entscheidungen geben kann. Das muss man akzeptieren und am besten schon in Juniorenjahren lernen.“ Es gebe genug andere Sportarten, in denen der Spielleiter deutlich stärker respektiert werde. „Da wird höchstens mal höflich nachgefragt. Das wünschen wir uns für den Fußball auch.“

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