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Rad: 16. Sparkassen-Münsterland-Giro

Nach Horrorcrash: In Münster treffen sich Jakobsen und Groenewegen wieder

Münster

Am 3. Oktober hebt sich der Vorhang für die 16. Auflage des Sparkassen-Münsterland-Giros. Die Weltelite der Sprinter ist am Start. Mit dabei: Fabio Jakobsen (Quick-Step) und Dylan Groenewegen (BikeExchange-Jayco), die eine spezielle Beziehung haben.

Fabio Jakobsen (links) wird von Dylan Groenewegen (2. von links) auf der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt in die Absperrgitter gedrückt, muss später im Zielbereich von Ärzten intubiert werden. Am 3. Oktober gibt es das Wiedersehen in Münster. Foto: Imago

Bjorg Lambrecht zählt zu den größten belgischen Radsporttalenten. Er fährt im zweiten Jahr auf der World-Tour, als er am 5. August 2019 bei der Polen-Rundfahrt auf regennassem Asphalt bei Rennkilometer 48 brutal stürzt. Der 22-Jährige vom Team Lotto Soudal fällt so unglücklich auf eine Betonkante, dass er einen Leberriss erleidet – im Krankenhaus erliegt er seinen inneren Verletzungen. „Der Radsport verliert einen neuen Stern“, schreibt die belgische Tageszeitung „La Libre“. Tragisch.

Exakt ein Jahr später, am ersten Todestag Lambrechts, wird die Schleife durch Polen erneut von einem schweren Unfall überschattet. Im Schlussspurt der ersten Etappe in Kattowitz wird der Niederländer Fabio Jakobsen (Quick-Step) bei 80 Sachen von Landsmann Dylan Groenewegen (Jumbo- Visma) von der Ideallinie gedrängt und in die Absperrgitter gedrückt, fliegt über die Bande – und verliert das Bewusstsein. Im Krankenhaus kämpft er um sein Leben. Gut zwei Wochen nach dem „Horror-Crash“ meldet er sich einigermaßen stabil erstmals zu Wort: „Die Zeit auf der Intensivstation im Krankenhaus in Sosnowiec war eine dunkle Phase, ich hatte Angst, das nicht zu überleben.“ Die Nahtoderfahrung geht nicht spurlos an dem jungen Mann vorbei – und doch sagt der damals 23-Jährige selbstsicher: „Ich komme wieder, kämpfe mich zurück.“

Comeback bei der Tour de France

Er hält Wort. 2022 bei der Tour de France feiert er ein sensationelles Comeback. Auf der zweiten Etappe entscheidet er die Massenhatz auf den letzten Metern im dänischen Nyborg für sich. Das Happy End nach Wochen, Monaten des Leidens. Im Moment des großen Triumphs setzt Jakobsen zur Dankesrede an, die üppig ausfällt. Er verrät auch, dass er habe lernen müssen, wieder ein Mensch zu werden, lernen müssen, wieder ein Fahrradfahrer zu sein, lernen müssen, wieder ein Top-Sprinter zu werden. Ganz großes, emotionales Kino.

Jakobsen ist aus dem Koma zurück ins Leben gesprintet. Der inzwischen 26-Jährige steht voll im Saft – und hat für den 16. Sparkassen-Münsterland-Giro gemeldet, inzwischen die drittgrößte Radsport-Veranstaltung in Deutschland. Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, gibt es dann auch das Wiedersehen mit Groenewegen, der mittlerweile für den Rennstall BikeExchange-Jayco startet. Der war für seine gedankenlose Aktion in Kattowitz scharf kritisiert worden: „Das war ein krimineller Akt von Groenewegen. Er gehört dafür in den Knast, dafür würde ich vor Gericht ziehen“, twitterte Jakobsens Teamchef Patrick Lefevere damals. Das Opfer selbst sagte im Nachgang: „Er hätte die Konsequenzen bedenken müssen. Wir sind menschliche Wesen, keine Tiere. Das ist ein Sport, kein Krieg, bei dem es keine Grenzen gibt.“

Keine persönliche Entschuldigung

Im November 2020 wurde der Niederländer schließlich vom Weltradsportverband UCI rückwirkend für neun Monate gesperrt. Bis heute hat er sich angeblich nicht persönlich bei Jakobsen entschuldigt und ließ sich nur so viel entlocken: „Das war deutlich mein Fehler. Ich bin von meiner Linie abgewichen, und das darf man nicht.“

Aus dem Weg werden sich die beiden Widersacher in Münster nicht gehen. Die Rennstrecke mit Start in Telgte ist nahezu prädestiniert für einen Sprint Royal. Neben Jakobsen und Groenewegen haben mit Sam Bennett (Bora-Hansgrohe), Sieger 2017, Caleb Ewan (Lotto Soudal), Olav Kooij (Jumbo Visma) und den deutschen Größen John Degenkolb (Team DSM), Gewinner 2016, Pascal Ackermann (UAE Team Emirates) und Max Walscheid (Cofidis), 2018 vorne, die aktuell weltbesten Sprinter ihre Zusage gegeben. „Viel mehr geht nicht“, sagt Chef-Organisator Rainer Bergmann.

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