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Teil 5: Volksbank-Münster-Marathon

Heike Keller: Kein Mädchen, sondern die Mutter für alle(s)

Münster

Heike Keller ist für Marathon-Cheforganisator Michael Brinkmann ein „Juwel“. „Sie gibt dem Marathon eine ganz besondere Struktur, arbeitet konsequent die Punkte ab und führt so die Orga-Team-Mitglieder und auch mich souverän durch den Jahreskreis“, sagt er über die Leiterin der Geschäftsstelle.

Von André Fischer

Heike Keller nimmt sich im Zielbereich den Eliteläuferinnen und -läufern an – reicht ab und an auch einen Becher Cola. Foto: privat

Glücklich als Hausfrau? „Ja“, sagt Heike Keller. „Ich habe mich dafür entschieden, nur Mutter zu sein.“

Gut 23 Jahre ist das her. Die heute 54-Jährige wähnt sich fast als Exotin, als sie nach der Geburt ihrer Tochter Doreen 1999 ihren Job als Bankkauffrau auf Eis legt. Zwei Jahre versucht sie den Spagat, teilt sich, wo sie nur kann, um ihrem Arbeitgeber und Sohnemann Cedric, der 1997 das Licht der Welt erblickt, gerecht zu werden. Als sie zum zweiten Mal schwanger ist, trifft sie eine wichtige Entscheidung – für die Familie, gegen die Karriere.

Elf Jahre verspürt sie keinerlei Druck, in den Beruf zurückzugehen. Bis ihr ehemaliger Kollege Michael Brinkmann, Chef-Organisator des Volksbank-Münster-Marathons, vorsichtig und hartnäckig bei ihr anklopft. „Heike, könntest du dir vorstellen, für uns zu arbeiten – Vollzeit?“ Und jetzt?

Nach dem ersten Marathon sollte Schluss sein

Händeringend suchen sie auf der Geschäftsstelle des Münster-Marathon e.V. 2010 eine Nachfolgerin für Sabine Roters, die gekündigt hat. Keller, ehemalige Leistungsturnerin und als Übungsleiterin im Abteilungsvorstand von Teuto Riesenbeck, traut sich das durchaus zu. In die Sixdays und den Triathlon ist sie involviert, Verbandsarbeit ist kein Fremdwort für sie. Mit ihrem Mann Eckhard steckt sie die Köpfe zusammen, bindet die Kids in die Entscheidungsfrage mit ein. Und sagt zu.

Im Juni startet sie ins neue berufliche Abenteuer, drei Monate vor der neunten Auflage. Sie pendelt aus ihrem Wohnort Laggenbeck gen Münster, ist in der intensiven Phase bis spät abends unterwegs. Das zehrt an ihr, sechs Kilo nimmt sie ab. Der Stressfaktor ist hoch, nach dem Event will sie die Reißleine ziehen. Gregor Veauthier, im Team der Mann in Sachen Strecke und Logistik, kann das kaum glauben, redet ihr gut zu – und stimmt sie um. „Jetzt bin ich schon zwölf Jahre dabei“, lacht Keller, wirkt glücklich. Inzwischen als festangestellte Teilzeitkraft, 24 Stunden die Woche. Alles gut.

So lernte Dorfkind Keller Münster kennen

Aller Anfang ist schwer heißt ein altes Sprichwort. „Das war es gar nicht“, sagt Keller – und räumt mit einer alten Weisheit auf. „Es war einfach ungewohnt, sehr aufregend. Wie alles Neue im Leben.“ Mit Brinkmann fährt sie die Marathonstrecke ab, lernt Münster auf diese Weise ein Stück weit kennen. „Ich bin doch ein Dorfkind“, sagt sie.

Heike Keller

Und sieht sich in ihrer Rolle als Mutter für alles. Nach dem ersten Kaffee am Morgen ist es an einem normalen Arbeitstag ein liebgewonnenes Ritual, als erstes die schier unendliche Datenmenge an Mails im Büro zu checken. Läufer- und Anwohnerfragen – sie hat auf alles eine Antwort. Rückt die Veranstaltung näher, steht das Telefon kaum still. Da braucht sie zwischendurch mal ein Glas Wasser, um die Stimme zu füttern.

Zwischen Cola und Gitter-Problemen

Sie arbeitet dem gesamten Team zu – und holt die Angebote für Materialien ein. 2021 sieht sie sich wenige Tage vor dem 19. Marathon mit einem Problem konfrontiert: Im Zuge der Pandemie sagt der Gitterlieferant ab. Mannheimer Gatter und große Bauzäune sind zwingend vorgeschrieben, um die Sportlerinnen und Sportler etwa in Hotspots wie am Prinzipalmarkt von der breiten Masse des Publikums zu trennen.

Hilfe von
Laura-Maria Hinz

Was tun? Zusammen mit Brinkmann telefoniert sie sich die Finger wund – und wird in Münster bei einem Unternehmen fündig. Einziger Haken: „Die haben angeliefert – abladen und aufbauen mussten wir selbst.“ Sie holt die Familie ins Boot, Freunde. Der Zusammenhalt wird groß geschrieben bei den Machern. In einer Nach- und Nebelaktion wird alles hergerichtet. Punktlandung.

Der Tag selbst beginnt in der Regel im Morgengrauen – Keller holt die Eliteläuferinnen und -läufer nach dem ersten Bürogang aus dem Hotel ab, weist sie ein. Versucht hier und da zu übersetzen. Und ist im Zielbereich die Erste, die mit den Spitzenathletinnen und -athleten Kontakt aufnimmt, den Aktiven aus dem afrikanischen Hochland einen Becher Cola reicht, um deren Energiehaushalt wieder auf Vordermann zu bringen. Mutterinstinkte.

Teil 6: Dr. Ralph Schomaker, Rennarzt beim Marathon

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