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Sportlerwahl der Westfälischen Nachrichten

Hier pulsiert das Leben

Münster

Sie werden bejubelt, bekommen Gratulationen am laufenden Band und gehen anschließend im Foyer in die dritte Halbzeit. Münster hat erneut seine Sportler des Jahres gekürt und das mit einem großen Gala-Abend im GOP-Varieté gefeiert.

André Fischer

Das große glitzernde Finale mit den Sportlern des Jahres aus Münster. Ein würdiger Abschluss einer emotionalen Veranstaltung. Foto: Jürgen Peperhowe

Und dann lässt er die Hosen runter. Der finale Akt. Als sich Moderator Alexander Heflik aus dem fiesen bunten Stück Stoff der 90er Jahre hinauszwängt, weiß Baskets-Coach Philipp Kappenstein, was Ambach ist. Wetten, dass..? Die Charles-Barkley-Gedächtnishose wechselt den Besitzer. Ein Aufstiegsversprechen geht auf „sexy“ Wanderschaft: „Wir haben so einen Brauch, dass die Spieler, die zu spät zum Training kommen, immer eine rosa Badehose tragen müssen. Die ist seltsamerweise verschwunden, jetzt haben wir eine neue.“ Kappenstein ist happy – weiß aber auch: „Uns wird sie nicht so gut stehen wie Alex.“ Wer’s tragen kann.

Es ist einer von vielen spektakulären und emotionalen Höhepunkten einer Reise durch die münstersche Sportlandschaft, die jahrein, jahraus wahre Helden hervorbringt. Sogar Oscar-Preisträger, die nicht mal an der magischen 50 kratzen. Helge Stuckenholz ist gerade 45, darf sich aber schon den Ehrenpreis ans Revers heften. Müde wird er einst belächelt, als er seine Visionen öffentlich macht, von der 2. Liga träumt, einem Spielrecht am Berg Fidel. Inzwischen laufen sie dem Architekten des Aufschwungs die Bude ein.

„Ich bin total unvorbereitet. Daran sieht man, wie überrascht ich bin.“ Der Klos im Hals ist spürbar. Als seine Jungs on top in der Gunst der Wähler vorne liegen, brechen alle Dämme. „Mir läuft es kalt den Rücken runter“, gibt Stuckenholz zu. Spätestens als Kapitän Jan König seinen Trainer als besten Freund charakterisiert, haben gefühlt alle 300 geladenen Gäste im Saal des GOP Wasser in den Augen. Ein würdiger Sieger, dieser Universitäts-Club.

Es sind obendrein die ­kleinen Geschichten, die so einen Abend tragen. Ausdauersportler Patrick Dirksmeier spricht voller Stolz über seine künftige Rolle als Papa. „Ich weiß nicht, ob es ein Triathlet wird, ich hoffe nur, er oder sie macht was Anständiges.“ Dann der Dank an seine Frau für all das entgegengebrachte Verständnis – Dreikämpfer sind nicht selten egoistisch veranlagt. Das geht ans Herz.

Und schlägt mitunter auf den Magen. Zumindest Volleyballerin Liza Kastrup – die kann Tomaten absolut nicht leiden. Das verrät sie auf der Bühne, nachdem Mareike Hindriksen sie mehr oder minder dazu nötigt. Teamkollegin Luisa Keller, bei den Juniorsportlern ganz vorne, freut sich, bis Mitternacht Ausgang zu haben. Internats­leiterin Ruth Funk ist ja zur Kontrolle im Saal. Ein Segen? Ein Fluch? Wer weiß das schon in all dem Wusel. David Schepp stellt derweil mit einem Besenstil einen Speerwurf nach – der Junge hat was drauf. Und Baskets-Jungspund Nico Funk passt bei der Getränkewahl genau auf. Könnte ja sein, dass sein Mathelehrer Marvin Mallach, Co-Trainer der USC-Frauen, mal rüberblinzelt.

Atemlos geht es weiter. Die Preußen outen sich. Bei „Kabinen-DJ“ Tobias Rühle geht das blonde Sternchen Helene Fischer ein und aus. Oh je, Moderator Thomas Philipzen reicht es. „In diesem Sinne: Platz zwei für den SCP.“ Abmarsch. Ja, ­Musikgeschmäcker sind verschieden. „Kontra K“ hilft U-17-Nationalspielerin Maria Luisa Grohs auf die Sprünge. Kontra was? Der deutsche Rapper verleiht der Torhüterin des 1. FC Gievenbeck zumindest gefühlt Flügel. Nun, so eine Sportlerwahl erfüllt schon mal einen Bildungsauftrag. Wer googelt, ist im Vorteil.

Im Saal wird fein gegessen und geschnackt. Ingrid Klimke, zum elften Mal bei den Sportlerinnen gekrönt, macht aus dem Fest ein ­ großes Familientreffen. Die Klimkes sind da. Skateboard -Papst Titus Dittmann witzelt mit Sportfunktionär Ingo Weiss, der noch am Morgen in Bad Hindelang im vier Meter hohen Schnee festsitz. „Mit einem meiner Boards hättest du da rausgleiten können“, flachst er.

Verrückt: Dennis Heitmann erzählt von seinem 79-Stunden-Match im Tennis, mit dem er es ins ­Guinness-Buch der Rekorde schafft. Mit höchstens zwei Stunden Schlaf. Welch ein Wahnsinn. Aber auch das ist Sport. Extremsport.

Bunt wird es nach der Ehrung, wenn sich die Sportler im Foyer treffen, talken, trinken und rumalbern. Da ­begegnen sich Basketballer und USC-Mädels auf Augenhöhe. Preußens Fußballer müssen sich schon mal mächtig strecken. Bis auf Schlacks Max Schulze Niehues, der Sportler des Jahres. Der Schnapper hat ein Gardemaß.

Körbe, die gibt es an der Theke nur ganz selten. Heimspiel für die WWU- ­Lametta-Boys. Punkten!

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