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Fußball: Frauen-Bezirksliga

Hochspannung: Borussia und BW Aasee kämpfen im Derby um den Aufstieg

Münster

Viel passt nicht zwischen die Frauenmannschaften von Borussia Münster und BW Aasee. Auf dem Stadtplan gerade mal der Daumen, in der Bezirksligatabelle nicht mal der. Spitzenreiter trifft Verfolger. Spannung pur im Gipfeltreffen der Bezirksliga.

Von Ansgar Griebel

BWA-Stürmerin Zara Ellamaa zieht entschlossen ab und lässt Borussen-Torfrau Lea Rüdiger im Hinrundenspiel keine Chance, Michelle Wintrup (r.) kommt hier zu spät, durfte am Ende aber dennoch einen 4:2-Erfolg feiern. Foto: Ewald Freitag

Borussia Münster gegen BW Aasee: Ein klangvolles Duell im münsterischen Fußball. Bei den Männern derzeit ausgesetzt wegen unterschiedlicher Aufgabenfelder: Die Borussen sind in der Landesliga unterwegs, Aasee spielt auf Bezirksebene. Bei den Frauen jedoch das wohl seit Jahrzehnten aufregendste Innenstadtderby. Auch wenn immer wieder eines der beiden Teams Ausreißversuche unternimmt, sieht man sich regelmäßig und fast immer auf Augenhöhe.

2019 führte Trainer Kolja Steinrötter seine Blauweißen aus der Kreis- in die Bezirksliga, ein Jahr später folgte Borussen-Coach Detlev Rasch mit seiner Truppe. Am Sonntag steht nun das Gipfeltreffen an – und schon vor dem Anpfiff dürfte feststehen: Kommende Saison wird es in dieser Spielklasse keine Revanche geben, eins der beiden Teams geht dann in der Landesliga auf Punktejagd.

Rasch ist ein Borussia-Urgestein

Rasch ist mit Borussia und der Historie des Vereins eigentlich bestens vertraut. 1968 unterschrieben seine Eltern den Mitgliedsantrag für den Steppke, 13 Jahre spielte er aktiv an der Grevingstraße, seit gut fünf Jahren trainiert er die erste Frauenmannschaft – doch wann diese Truppe zuletzt in der Landesliga aktiv war, das fällt dem Alt-Borussen partout nicht mehr ein. „Puuh, das muss lange her sein“, sagt Rasch, „bestimmt 20 Jahre.“ Tatsächlich sind es sogar 27: 1994/95 spielte die Borussia in der Landesliga - eine Saison.

Dass es noch in diesem Jahr wieder so weit sein könnte, davon will der Chefcoach des Spitzenreiters allerdings noch nichts hören. „Wir nehmen keine Gratulationen an, dazu gibt es keinen Grund“, so Rasch, der vielmehr auf einen anderen Teil der Borussen-Historie verweist. „Vor zwei Jahren haben wir noch in der Kreisliga gespielt“, erinnert er an die Spielzeit 2019/2020, die aufgrund der Corona-Pandemie ein abruptes Ende erfuhr – und schließlich mit dem Taschenrechner entschieden wurde.

Auch ohne Top-Torjägerin Mertens erfolgreich

Dennoch fasste das Team nicht nur schnell Fuß in der neuen Liga, sondern ist sogar schon wieder auf dem Absprung. Nach 19 Spieltagen der aktuellen Saison führen die Borussinnen das Tableau souverän an. „Das sieht gut aus, aber das täuscht auch“, tritt Rasch auf die Euphoriebremse. „Wir sind sicher nicht die stärkste Mannschaft der Liga“, so das erstaunliche Zwischenfazit des Trainers. „Da gibt es bessere, die aber nicht an jedem Spieltag mit der besten Formation auflaufen konnten.“ Alles Glück? „Nein, das auch nicht, aber es hat halt viel gepasst bei uns.“

Das kann man so stehen lassen: Eine Niederlage, ein Remis – 17 Siege weist das Team auf, das die wenigsten Gegentreffer gefangen und die meisten Tore erzielt hat. Dass ein Großteil davon auf das Konto von Paula Mertens ging, die sich nach 21 Treffern verabschiedet hat und inzwischen auf dem Jakobsweg Santiago de Compostela ansteuert, hat das Team verkraftet. Während die Rekordtorschützin bestenfalls ab und an ein Kerzchen für die Mannschaft anzündet, brennt an ihrer Stelle jetzt Greta Pauli ein Offensivfeuerwerk ab und war schon elf mal erfolgreich. Hinten sorgt mit Lea Rüdiger „die wohl beste Torfrau der Liga“ (Rasch) für Rückhalt.

BW Aasee spielt beste Saison - trotz Personalproblemen

Dass der Coach jedoch trotz fünf Zählern Vorsprung noch nicht an Aufstiegsfeierlichkeiten denken man, liegt im wahrsten Sinne des Wortes nahe: Lokalrivale BW Aasee sitzt der Borussia im Nacken und kann am Sonntag bis auf zwei Zähler heranrücken. Auch die Blauweißen um Trainer Steinrötter mussten sich in der laufenden Spielzeit erst einmal geschlagen geben: Mit 2:4 im Hinspiel. „Und zwei Treffern in der Nachspielzeit“, erinnert sich Steinrötter noch gut an dieses Match – wie auch an zahllose Derbys zuvor. Seit 2011 trainiert er die BW-Erste. Und auch die hatte sich beim Saisonstart den Titel auf die Fahne geschrieben, will jetzt aber „nach zu vielen Unentschieden“ in erster Instanz Rang zwei und ein Ticket für die Relegationsrunde sichern.

„Wir spielen mit Abstand unsere beste Bezirksliga-Saison“, bewertet Steinrötter die Spielzeit in Gänze positiv, musste aber dem knappen Kader und der traditionell sehr mobilen Spieltagsbeteiligung in einem eher studentisch geprägten Spielerinnenlager immer wieder Tribut zollen. Abwehrchefin Marieke Holm, die noch keine Spielminute verpasst hat, bildet die Ausnahme von der Regel in einem Team, das selten zwei Mal in Folge in identischer Aufstellung auflaufen konnte. Aktuell hat sich Kapitänin Lea Heidkamp für das Saisonfinale verabschiedet. Ein Farm­arbeits-Projekt zieht die eigentlich unverzichtbare Leistungsträgerin in die Ferne – und Steinrötter baut wieder einmal um. Einen Favoriten im Spiel gibt es dennoch nicht – wie eigentlich nie in diesem Derby.

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