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Karate: Interview

Jörg Gantert: „Ich bin dankbar für die Treue“

Münster

Nach vielen Jahren muss Jörg Gantert sein Karate-Dojo am Roggenmarkt schließen. Ein neues Zuhause hat er aber schon gefunden. Im Interview spricht er über die Treue seiner Mitglieder, die Dinge, die ihn sein Sport gelehrt hat, und das olympische Intermezzo.

Ansgar Griebel

Karate ist seine Leidenschaft – auch ohne Olympische Weihen: Jörg Gantert Foto: Peter Wiegel

1984 lockte Ralph Macchio als „Karate Kid“ eine ganze Generation Jugendlichen ins Kino, 1997 sicherte sich der Münsteraner Jörg Gantert den Titel des Weltmeisters, 2016 feierte Karate als Demonstrationswettbewerb in Rio olympische Premiere, 2020 in Tokio werden erstmals und wohl auch zum letzten Mal Medaillen in der Kampfkunst der „leeren Hand“ vergeben. Gantert hat den Erfolgsweg des Sports nicht nur interessiert verfolgt, sondern mit seinem eigenen Dojo in Münster tatkräftig vorangetrieben.

Ihr Sport hat jetzt olympische Weihen erhalten, 21 Jahre nach Ihrem WM-Sieg, doch Sie hätten es auch damals nicht zu den Spielen geschafft. Warum nicht?

Gantert: Während meiner aktiven Laufbahn Anfang der 90er Jahre gab es in Deutschland im Grunde genommen ausschließlich traditionelle Dojos. Das Hauptaugenmerk wurde auf die drei Grundelemente Kihon, Kata und Kumite gelegt. Zudem legten die Meister großen Wert auf Tugenden wie Durchhaltevermögen, Mut und Disziplin. In dieser Zeit war Karate eine Randsportart, so dass niemand groß an Olympia dachte. Erst mit Gründung des Deutschen Karate-Verbandes DKV 1993 verschoben sich mehr und mehr die Beweggründe des Trainings Richtung des Leistungs- und Wettkampfgedankens. Natürlich nahmen die traditionellen Dojos immer schon an Wettkämpfen teil, nur standen dort mehr die Auseinandersetzung mit sich selbst und die praktische Anwendung der Techniken im Vordergrund. Somit ist der DKV in Anlehnung an den Weltverband WKF der einzige Verband in Deutschland, den das IOC für Tokio 2020 als Sportart zugelassen hat.

Dennoch ist das traditionelle Karate auf dem Vormarsch, auch in Münster.

Gantert: Als ich vor 18 Jahren am Roggenmarkt mein Studio eröffnete, war mir immer wichtig, die alten japanischen Tugenden zu beherzigen. Angefangen bei der Verbeugung vor dem Training über das Ausziehen der Schuhe vor den Umkleidekabinen bis zum gemeinsame Reinigen des Dojos nach dem Training. Im Laufe der Jahre habe ich dann noch moderne Kampfdisziplinen wie Selbstverteidigung, Kickboxen und Mixed Martial Arts hinzugenommen. Somit trifft bei mir das Traditionelle mit dem Modernen zusammen. Das klappt sehr gut …

Mitten im Zentrum von Münster ist über die Jahre auch ein Karate-Zentrum entstanden. Eigentlich nicht von hier wegzudenken. Doch jetzt steht ein Umzug an. Warum?

Gantert: Bedauerlicherweise müssen wir zum Ende des Jahres aufgrund des Verkaufs des Hauses, in dem sich mein Dojo befindet, und der damit einhergehenden Kündigung unseres Mietvertrages unseren Standort verlassen. Dies war schon ein kleiner Schock für uns alle. Doch nach monatelangem Suchen habe ich ein neues Dojo am Friedrich-Ebert-Platz gefunden.

„Kara te“ heißt übersetzt „leere Hand“. Haben Sie das Gefühl, selber plötzlich wieder mit leeren Händen dazustehen?

Gantert: Ich würde es mal so sagen: Durch die vielen Jahre Karate-Training und die intensiven Gespräche mit meinen Lehrmeistern auf der ganzen Welt habe ich gelernt, mit Herausforderungen des Lebens umzugehen. Von dieser Betrachtungsweise her sind meine Hände dann doch eher gefüllt mit guten Ideen, Mut zu handeln und der Dankbarkeit meinen treuen Mitgliedern gegenüber.

Sie sind nachgefragter Motivationstrainer, stehen bei mittelständischen Unternehmen genauso auf der Rednerliste wie bei internationalen Großkonzernen. Müssen Sie Ihre Motivationskünste in der aktuellen Phase jetzt auch bei sich selber anwenden?

Gantert: Es gibt sehr viele bekannte Management- und Persönlichkeitsstrategien, um mit Widerständen im Leben umzugehen. Doch das reine Wissen um diese Strategien nützt nichts, wenn ich sie dann nicht anwende. In meinem persönlichen Leben habe ich stets Wert darauf gelegt, ins Handeln zu kommen und schnell Lösungen für herausfordernde Situationen zu finden. Dies ist nicht immer so leicht, wie es sich anhört, doch wenn man seine eigenen Werte kennt und trainiert ist, zu handeln und etwas zu tun, dann klappt es meistens sehr gut.

Weiter geht es also am Friedrich-Ebert-Platz, wie lange wird es dauern, bis sich Karate am neuen Ort etablieren kann?

Gantert: Ab dem 2. Januar trainieren wir am Friedrich-Ebert-Platz 2. Es ist ein sehr schönes Studio geworden, in dem ich neben dem Training noch viele weitere Kampfsportarten anbiete. Alle Mitglieder stehen uns treu zur Seite und folgen uns zum neuen Standort. Von daher bin ich sehr dankbar für die Treue und Verbundenheit.

Im August beginnt im Mutterland des Karate Olympia. Von Münster bis Tokio gibt es eine Zeitverschiebung von acht Stunden. Für die Übertragung welches Sports würden Sie sich nachts den Wecker stellen?

Gantert: (lacht) Für keinen. Im Gegensatz zu früher gönne ich mir heute mehr Schlaf, doch ich freue mich schon darauf, mir die Karate- Kämpfe und -Vorführungen tagsüber anzuschauen.

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