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Kinder- und Jugendsport

Pandemie sorgt für Bewegungsmangel: Was tun in diesen Zeiten?

Münster

Der Kinder- und Jugendsport hat unter der Corona-Pandemie stark gelitten. Wie trotzdem ein gesundes Aufwachsen möglich ist, hat eine Expertenrunde nun im Schloss in Münster erörtert – und vor den Folgen eines neuen Lockdowns gewarnt.

Von Thomas Austermann

Ob beim Basketball, beim Fußball oder beim Schwimmen: Sport für Kinder und Jugendliche ist ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung der Persönlichkeit und Sozialkompetenz – da waren sich die Experten bei der Podiumsdiskussion einig. Foto: dpa

Der pandemiebedingte Lockdown sorgte allenthalben für Bewegungsmangel. Der hat folgenschwere und womöglich langfristige Auswirkungen gerade im Bereich des Kinder- und Jugendsports und belastet in ihm am stärksten diejenigen, die als sozial Benachteiligte auf die unkomplizierte Teilhabe an Möglichkeiten zum gesunden Aufwachsen angewiesen sind. Was also tun in diesen Zeiten?

Im Schloss suchte anlässlich einer Podiumsdiskussion zum Thema „Raus aus den Startlöchern: Kinder- und Jugendsport – jetzt geht’s los!“ eine Expertenrunde nach Antworten. Der SSB Münster und das Institut für Sportwissenschaft der WWU hatten eingeladen. Selbstredend herrschte große Übereinstimmung darin, die Rahmenbedingungen nach der Krise dringend zu verbessern, um durch den Sport jeder Art auch Persönlichkeitsbildung, Sozialkompetenz und Spaß an der Bewegung zu fördern – allein, die erwünschte große Allianz in der Sache ist im Geflecht von Zuständigkeiten und Kompetenzen keineswegs mal eben im Zwischenspurt zu schmieden.

Studie belegt: Motorische Fähigkeiten nehmen ab

Prof. Nils Neuber, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft und Sprecher des Forschungsverbundes Kinder- und Jugendsport NRW, ist aktuell sehr gefragt ob seiner Expertise, wie nach Corona den Defiziten beizukommen ist. Seine Studien belegen, dass die motorischen Fähigkeiten der jungen Zielgruppe abgenommen haben. Die These von der „verlorenen Generation“ ist längst aufgestellt. Neuber stellte da, was „der junge Mensch“ im Sport erstens erlebt – Aktivität und Entspannung, Kontakte und Zugehörigkeit, Körperlichkeit und Erfolg – und zweitens erlernt. Motorische wie soziale Kompetenz zum Beispiel.

Neubers „Kernbotschaften“ können allen Zuständigen als Leitlinien dienen. Die Anerkennung elementarer Bewegungsbedürfnisse müsse Ausdruck finden in verlässlichen Angeboten in Kita, Schule, Verein. Er fordert die Schaffung von Ressourcen für „den Neustart“, um breite Angebote an Spiel und Sport sicherzustellen, und am besten eine „große Qualitätsoffensive“ bereits in der Ausbildung künftiger Lehrerinnen und Lehrer. „Noch immer gibt es Grundschulen ohne Sportlehrerinnen oder -lehrer“, weiß nicht allein Neuber. Sein Credo: „Wir müssen die Politik sensibilisieren!“

„Politik und Verwaltung – das dauert“

Ganz sicher weiß auch Münsters Ratsmitglied Leon Herbstmann, familienpolitischer Sprecher der Grünen, darum. Seine Erfahrung ist aber: „Politik und Verwaltung – das dauert.“ Wo es Räume geben muss für Bewegungsmöglichkeiten, könne es kaum angehen, dass – wie gerade geschehen in unserer Stadt – zwei Skateboard-Anlagen dicht gemacht wurden. Thomas Michel, Sportdezernent der Bezirksregierung Münster, macht nicht allein daran „systemische Probleme“ fest. „Aktuell laufen wir Gefahr, in den nächsten Lockdown für Sportstätten zu laufen“, nimmt er an. Hallen würden vielerorts als Flüchtlingsunterkünfte genutzt. „Mehr Hallen kriegen wir aber nicht. Für Neubauten fehlt das Geld.“

Immerhin spüre er, dass die neue Landesregierung vermehrt das Know-how des Landessportbundes nutze. Julian Lagemann, stellvertretender Vorsitzender Sportjugend NRW, bestätigt, hartnäckig als Lobbyist unterwegs zu sein: „Wir alle sollten in eine Richtung gehen. Vernetztes Denken ist eine Pflicht.“ Und kein Luxus. Denn Heranwachsende haben ein Recht auf Bewegung.

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