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Amateurfußball

Klare Absage an Mixed-Teams: „Gut gemeint, nicht durchdacht“

Münster

Im niederländischen Amateurfußball dürfen in der nächsten Saison Frauen auch in Männermannschaften spielen. Fußballerinnen aus Münster halten wenig von dem Modell. Auch der Kreisvorsitzende Norbert Krevert glaubt nicht, dass Mixed-Teams Zukunft haben.

Wilfried Sprenger

Vanessa Symalla (links) findet die Idee von Mixed-Teams „grundsätzlich gar nicht so schlecht“. An eine praktische Umsetzung glaubt die Linksverteidigerin vom Westfalenligisten Wacker Mecklenbeck allerdings nicht. Foto: fotoideen.com

Als der niederländische Fußball-Verband (KNVB) vor gut einer Woche beschloss, im Amateur-Spielbetrieb künftig gemischte Mannschaften zuzulassen, war schnell von einem historischen Moment oder sogar einer Revolution die Rede. Inzwischen hat auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagiert. Dessen Vizepräsident Günther Distelrath, im Amt zuständig für Antidiskriminierung, schloss sich dem Vorstoß im Nachbarland ausdrücklich an. Die strikte Trennung zwischen Männern und Frauen sei mit Blick auf die Geschlechtergerechtigkeit auch im Amateurfußball nicht mehr zeitgemäß, ließ sich Distelrath zitieren. An der Basis schlägt das Ansinnen derweil keine Wellen. „Gut gemeint, aber nicht durchdacht“, sagt Filipa da Silva Campos. Die ehemalige Westfalenliga-Spielerin und langjährige Trainerin beim SC Gremmendorf glaubt nicht an das Modell Mixed-Mannschaft. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Frauen darauf Bock haben“, erklärt sie.

Mit dieser Meinung steht da Silva Campos nicht allein. Auch Kerstin Höfling hat „große Bedenken“. Die stellvertretende Abteilungsleiterin und Juniorinnen-Trainerin bei GW Amelsbüren verweist auf die „körperliche Komponente. Männer sind größer, schneller und haben mehr Kraft. Es gibt physische Unterschiede, die nicht wegzureden sind.“ Im Kinder- und Jugendspielbetrieb befürwortet Höfling gemischte Mannschaften. „Aus Erfahrung weiß ich, dass das gut funktioniert“, sagt sie. Da Silva Campos springt ihr zur Seite: „Ich habe mit 16 bereits in der Frauen-Westfalenliga gespielt. Es war von Vorteil, zuvor mit Jungs gespielt zu haben. Da wirst du grundsätzlich robuster und lernst, auch als Mädchen, mal hier und da zu kneifen.“

Im Fußball-Kreis Münster sind aktuell 65 Vereine organisiert. Nur 27 von ihnen bieten Fußball für Frauen an. Anders ausgedrückt: Über 60 Prozent der Standorte sind männlich geprägt und dominiert. Gemischte Teams könnten die Strukturen aufweichen. Aber ob Fußballerinnen dabei glücklich würden? Vanessa Symalla findet die Idee „grundsätzlich gar nicht so schlecht, weil sie Frauen eine neue Möglichkeit eröffnet“. An die Umsetzung glaubt die Linksverteidigerin vom Westfalenligisten Wacker Mecklenbeck indes nicht. Sie sagt: „Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrer Art, Fußball zu spielen.“

Symalla muss es wissen, sie kennt beide Lager. In einer Betriebssportmannschaft war sie vor der Pandemie meistens allein unter Männern. Ihre Erfahrungen? „Wenn es in den Zweikampf geht, ziehen meine Gegenspieler in der Regel ein bisschen zurück. Dabei will ich das gar nicht, ich kann mich schon wehren.“ Auch gegen lockere Sprüche? „Ich bin nicht auf den Mund gefallen, wir flachsen ja nur.“ Bei Abwägung des Gesamtpakets würde sich Symalla zutrauen, in einem Männer-Team auf B-Liga-Niveau zu spielen und auch mithalten zu können. „Taktisch und technisch habe ich als Westfalenligaspielerin vermutlich mehr drauf.“ Gleichwohl bleibt die 24-Jährige lieber unter Frauen. „In der Theorie klingt das mit den Mixed-Teams ja ganz gut. In der Praxis sehe ich das allerdings nicht.“

Natürlich hat sich auch Norbert Krevert Gedanken zum Mixed-Modell gemacht. „Ich bin ein Freund von Gleichberechtigung. Aber alles, was passiert, muss auch zielführend sein und Sinn machen. Ich habe große Zweifel, dass dies der Fall ist“, sagt der Chef des Fußballkreises.

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