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Poolbillard

Einer der Besten in Deutschland: Warum Kuckherm trotzdem nicht Profi wird

Münster

Lars Kuckherm gehört zu den besten Poolbillard-Spielern Deutschlands. Im neuen Domizil des BSC Münster wappnet sich der 29-Jährige für eine Teilnahme an der Europameisterschaft 2024. Der mehrfache Deutsche Meister hat nämlich noch lange nicht genug.

Von Tim Kosel

Die Kugel immer im Blick: Lars Kuckherm hat noch einige große Pläne für die Zukunft. Foto: Imago/Funke Foto Services

Wer den Dortmund-Ems-Kanal in Münster entlangläuft, der sieht Plätze wie den Hafen, die Sportanlagen des SC Münster 08 und des SV Mauritz oder die Schleuse, die allesamt ins Auge stechen. Seit diesem Sommer treffen aufmerksame Beobachterinnen und Beobachter bei einem Spaziergang am Wasser aber auch auf die neue Heimat des BSC Münster. Der Club erhält in jenem Vereinsheim prominenten Besuch: Der Münsteraner Lars Kuckherm ist Mitglied und kommt regelmäßig zum Training in das frisch bezogene Domizil.

Er ist nicht nur irgendein Mitglied, er ist Teil des Vorstands und das Aushängeschild. Als mehrfacher Deutscher Meister in unterschiedlichen Disziplinen des Poolbillards – und sein Hunger auf weitere Titel ist noch lange nicht gestillt. Im Gegenteil, er will sich über Deutschland hinaus einen Namen machen.

Kuckherm entdeckte seine Leidenschaft schon in jungen Jahren: „Ich habe früher im Fernsehen Snooker gesehen. Das hat mich fasziniert“, schildert der 29-Jährige die Anfänge seiner mittlerweile schon 17 Jahre andauernden Karriere. Daraufhin suchte der Münsteraner nach einer Möglichkeit, seinem Sport nachzugehen. Diese fand er an der Grevener Straße. „Da gab es damals einen Snooker-Keller. Das war meine erste Anlaufstelle“, erinnert er sich. Und prompt meldete er sich im Billardverein an.

Von Münster über Schwerte nach Oberhausen

Der Anfang einer eindrucksvollen Laufbahn. Schnell gehörte er zu den besten Nachwuchs-Spielern in Deutschland. Doch um Billard professionell ausüben zu können, muss man Geld in die Hand nehmen. Das geht nicht ohne einen Sponsor. Diesen fand er im Alter von nur 15 Jahren – daraufhin begann die Jagd nach Edelmetall.

2008 durfte Kuckherm die erste Medaille in der Hand halten. Er wurde deutscher Junioren-Meister in der Disziplin 14/1, holte den dritten Platz im 8-Ball und gewann mit der deutschen Mannschaft die Junioren-Europameisterschaft in Willingen. Es folgten 17 weitere Podestplätze in allen Disziplinen. Die Krönung seiner Zeit bei den Junioren war die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2011 in Polen, bei der er sogar mit dem fünften Platz an der Nachwuchs-Weltspitze im 9-Ball kratzte.

Kuckherm arbeitete sich kontinuierlich in die deutsche Extraklasse hoch. Nach fünf Jahren, in denen er in seiner Heimatstadt Münster aktiv war, folgte ein Wechsel zum PBC Schwerte, mit dem er in der zweiten Bundesliga der Senioren an den Start ging. Nach nur einem Jahr gelang der Schritt in das deutsche Oberhaus zum BC Oberhausen, für den er bis heute die Kugeln verschwinden lässt.

Profi-Dasein blieb bisher ein Gedankenspiel

Auf die Frage, ob der Sport Hobby oder Beruf sei, hat er eine schnelle Antwort parat: „Definitiv ein Hobby. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt nicht mit Billard, und ein Hobby muss Spaß machen. Das tut es.“ Der Sprung zum Profi sei „riesig“, neben den Turnieren in Deutschland spielt insbesondere die Euro-Tour eine bedeutende Rolle im europäischen Billard-Kosmos. „Als Profi ist man bei allen europäischen Turnieren dabei“, erklärt Kuckherm. „Man verfügt immer über das aktuellste Material, ist immer im Rhythmus.“ Das sei ein entscheidender Vorteil gegenüber Akteuren wie ihm.

Dazu spielen finanzielle Mittel eine omnipräsente Rolle. Er selbst hat 2022 auch an fast allen Turnieren der Euro-Tour teilgenommen, ist dafür nach Italien, Österreich oder Bulgarien gereist. Dass dabei nicht unerhebliche Kosten entstehen, ist selbsterklärend. Mit der Hilfe von Sponsoren würden diese gedeckt. Üppige Preisgelder, mit denen der Münsteraner seine Reisen dauerhaft finanzieren könnte, springen dabei aber kaum heraus. All das leistet der 29-Jährige neben seiner Arbeit im Projektmanagement und Consulting bei der Areo Rent GmbH in Münster. Kuckherm hat schon mit dem Gedanken gespielt, für einige Zeit das Leben als Profi auszuprobieren, um zu schauen, wie weit die Reise gehen könnte. Das sei aber stets mehr ein „Gedankenspiel“ gewesen als eine realistische Möglichkeit.

Holte in seiner Karriere als „Hobbysportler“ schon richtig viele Medaillen: Lars Kuckherm. Foto: privat

Doch auch ohne die Ressourcen der Profis spielte er ein erstaunliches Jahr. Im Februar reiste er nach Tallinn (Estland), wo ihm der Sprung unter die besten 32 Spieler der Euro-Tour hätte gelingen können. In Deutschland holte er erstmals seit 2014 mit seiner Mannschaft wieder die Deutsche Meisterschaft nach Oberhausen, auch im Einzel setzte er sich in der Disziplin 14/1 die Krone auf. Trotzdem denkt Kuckherm nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. „Ich möchte so lange spielen, wie ich kann. Ich denke noch nicht ans Aufhören.“

„Eine WM der Herren? Das reizt mich“

Zwar hat das Poolbillard-Ass schon die meisten Trophäen eingesammelt, vollständig ist seine Sammlung jedoch noch nicht: „Beim 8-Ball habe ich noch keinen Titel gewonnen. Das Quartett würde ich schon gerne vollmachen.“ Neben den nationalen Turnieren ist der fünffache Deutsche Meister hungrig auf mehr.

Über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus will er die Gewissheit, sich in der internationalen Spitzenklasse behaupten zu können. Die Rückkehr auf die internationale Bühne ist deshalb sein Ziel für die mittelfristige Zukunft: „Bei einer Senioren-Europameisterschaft war ich erst einmal. Da konnte ich nach der coronabedingten Pause nicht wirklich überzeugen. Bei einer Weltmeisterschaft der Herren war ich noch nie. Das reizt mich auch“, erklärt Kuckherm. „Sportlich bin ich dafür auf dem Level.“

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Eine riesige Enttäuschung wäre das Verpassen dieser Ziele für ihn allerdings nicht. „Ich schätze meine Situation immer mit zweierlei Maß ein. Aufgrund meiner Arbeit habe ich nur eine begrenzte Anzahl an Urlaubstagen“, schildert Kuckherm. Wenn er mal nicht an einem Turnier teilnehmen kann, steht ihm gleichzeitig mehr Zeit für seine Freizeit zur Verfügung. Trotz des großen Aufwands ist es beachtlich, dass der Ausnahmekönner bei seiner Billard-Versessenheit von einem Hobby spricht. „Ich gehe noch hin und wieder ins Fitnessstudio, für andere Dinge habe ich eher keine Zeit.“

Der Dortmund-Ems-Kanal in Münster ist also nicht nur eine Anlaufstelle für Spaziergänger, Ruderer oder Badefreunde, sondern in gleicher Weise für „Hobbysportler“. So wie Lars Kuckherm, der sich aktuell in seiner Trainingsstätte für eine Teilnahme an der Europameisterschaft 2024 wappnet.

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