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Fußball: Interview

„Gut bezahlter Nebenjob“: Münsteranerin Grohs steht im Bayern-Tor

Münster/München

Ein Jahr lang war Maria-Luisa Grohs beim FC Bayern irgendwie dabei, aber alles andere als mittendrin. Krankenbett, Reha, Ersatzbank und Corona obendrauf. Doch jetzt steht die Münsteranerin mittendrin: Im Tor, im Interesse und im Rampenlicht.

Mittendrin statt nur dabei: Mala Grohs (im blauen Trikot) hat sich den Stammplatz im Tor des FC Bayern München erarbeitet. Foto: Imago/HMB-Media

Maria-Luisa Grohs stand auf dem Spielberichtsbogen des FC Bayern München beim Saisonstart der Fußball-Bundesliga, in Münster und bei den ehemaligen Mannschaftskameraden und -kameradinnen des 1. FC Gievenbeck kennt man die 20-Jährige nur als „Mala“. Am vergangenen Freitag stand „Mala“ Grohs gegen Eintracht Frankfurt im Tor – vor mehr als 23 000 Fans in der Commerzbank-Arena. Bundesliga-Rekord im Frauenfußball. vier Tage später hielt die Münsteranerin das Bayern-Tor in der Champions League sauber. Mala Grohs blickt zurück auf eine denkwürdige Woche – und voraus in eine große Zukunft.

Die letzten sieben Tag hatten es in sich: Letzten Freitag Bundesliga-Auftakt in Frankfurt, Dienstag Champions League in San Sebastian und am Donnerstag eine Klausur in Elektrotechnik. Was war die höchste Hürde?

Grohs (lacht): Das waren schon die auf den Fußballplätzen. Da musste die Uni ein bisschen zurückstehen.

Ist das nicht immer so?

Grohs: Nein, eigentlich nicht. Ich stehe am Ende der vierten Klausurenphase, in zwei Semestern steht der Bachelor-Abschluss an. Das ist ein bisschen hinter der Regelstudienzeit, weil einige Klausurtermine nicht zu halten waren. Aber insgesamt läuft das im Plan.

Fußball ist aber aktuell schon allgegenwärtig. Bundesliga, Champions-League: Zwei Spiele, kein Gegentreffer – und das nach einem Jahr, in dem man so gut wie nichts von Ihnen gehört hat.

Grohs: Das stimmt. Die Saison 2021/22 wird sicher nicht zu den Highlights meiner Karriere werden. In der Saisonvorbereitung hatte ich Pfeiffersches Drüsenfieber bekommen: Sechs Wochen kein Sport. Als ich dann wieder fit war, fiel Stammtorhüterin Laura Benkarth verletzt aus – und ich musste bei der ersten Mannschaft auf die Bank, statt in der zweiten Spielpraxis sammeln zu können. Und zum Rückrundenstart kam dann natürlich noch eine Corona-Infektion. Die war eigentlich nicht schlimm, hatte aber eine Herz-Muskel-Entzündung im Gefolge. Das war nicht meine Saison.

Aber jetzt von null auf eins ...

Grohs: Laura Benkarth ist noch in der Reha, und in der Vorbereitung scheine ich mich gegen Janina (Leitzig) durchgesetzt zu haben. Ich kann mich nicht beklagen.

Und plötzlich waren Sie Teil eines historischen Fußballabends. 23000 Zuschauer und Zuschauerinnen bei einem Spiel der Frauen-Bundesliga. Das gab es noch nie. Ein besonderes Gefühl?

Grohs: Absolut. Die Stimmung ist unglaublich und reißt einen mit – auch, wenn die Anfeuerung dem Gegner gilt. Aber das war schon toll – man konnte sich auf dem Feld nur schwer verständigen, weil es so laut war.

In München steht jetzt die Heimpremiere gegen Werder Bremen an. Glauben Sie, dass der aktuelle Boom im Frauenfußball auch auf den Rängen in der Bayern-Akademie zu spüren sein wird.

Grohs: In den letzten Jahren hatten wir im Schnitt 700 Fans im Stadion. Aber wir haben schon bei den Vorbereitungsspielen gemerkt, dass da jetzt mehr los ist. Ich bin gespannt, was am Samstag passiert. 2500 Plätze haben wir ...

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Grohs: Unser Torwarttrainer hat schon vermutet, dass es daran liegt, dass ich mich mehr mit meinem Maschinenbaustudium beschäftige. Das hilft, auf dem Platz den Kopf freizukriegen. Das klingt ganz plausibel.

Studium und Profifußball gleichzeitig ist aber auch eine Herausforderung. Immerhin müssen Sie nicht nebenher jobben ...

Grohs (lacht): Nein, das ist schon ein ganz gut bezahlter Nebenjob.

Was kommt denn jetzt als nächstes, der Masters-Abschluss oder der erste Einsatz in der Nationalmannschaft?

Grohs: Eher die Nationalmannschaft. 2027 ist wieder eine WM – vielleicht sogar in Deutschland. Ich denke, das ist ein lohnenswertes Ziel für mich - und nach dem Bachelor könnte ich mir auch eine kleine Studiumspause vorstellen.

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