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Ukrainische Flüchtlinge

Münsters Sport hilft, sammelt und lädt ein

Münster

Normal ist im Moment gar nichts – und der Schnee im April ist dabei noch die geringste Abweichung von der Normalität. Die Folgen des Ukraine-Kriegs sind auch in Münster zu spüren – und Münsters Sportvereine leisten ihren Teil, Not und Leid zu lindern.

Von Ansgar Griebel

Auch Münsters Vereine wollen den ukrainischen Flüchtlingen bei der schnellen Integration helfen. Foto: www.imago-images.de

Wegducken ist keine Alternative in diesen Tagen. Stattdessen gilt es zusammenzurücken: Der Krieg in der Ukraine lässt niemanden kalt. In Münster ist die Bereitschaft groß, denen zu helfen, die die lange Flucht aus ihrer malträtierten Heimat antreten mussten – und natürlich nimmt auch die Sportszene ihre gesellschaftlichen Verpflichtung wahr.

Dass die Sporthallen in Hiltrup und Roxel kurzfristig zweckentfremdet und jetzt zur Unterbringung ukrainischer Flüchtlingen umgestaltet wurden, war zwar eine städtisch verordnete, vom Stadtsportbund (SSB) und den betroffenen Vereinen aber bereitwillig akzeptierte Entscheidung – mit all den logistischen Problemen, die sich im Spielbetrieb daraus ergeben.

Verband schraubt formale Hürden runter

Gleichzeitig geht der münsterische Sport aber auch proaktiv die Hilfe an. Bereits zwischen 2015 und 2017 beteiligten sich zahlreiche Clubs am Projekt „1:0 für ein Willkommen“, das 2018 mit dem „2:0“ fortgesetzt wurde – seinerzeit noch forciert mit einer sachgebundenen 500-Euro-Prämie für die aktiven Clubs. Münster 08, Borussia Münster, der TSV Handorf und VfL Wolbeck waren damals schon mit an Bord.

Zeitgleich, das bestätigt Norbert Krevert, Vorsitzender des Fußballkreises Münster, gab es viele Vereins-Initiativen auch außerhalb dieses offiziellen Programms. Jetzt ist auch ohne finanziellen Anreiz längst die nächste Auflage gestartet – mit zahllosen Initiativen und Sammelaktionen. Krevert setzt dabei vollstes Vertrauen in die gelebte Verantwortung der Clubs: „Ich kenne unsere Vereine als sehr offen und hilfsbereit.“ Das „3:0 für ein Willkommen“ sei in vielen Vereinen längst gefallen.

Auch der Westdeutsche Fußballverband hat erste Integrationsmaßnahmen ergriffen und die formalen Hürden zur Erlangung von Spielberechtigungen heruntergeschraubt. Jugendliche Flüchtlinge bis zwölf Jahre erhalten binnen sieben Tagen vom Landesverband das Spielrecht für Freundschaftsspiele – sie könnten dann ab dem 1. Juni auch schon um Punkte spielen.

SSB hilft mit zweisprachigen Flyern

Beim SSB weiß man um die Nöte der Flüchtlinge, auch darum, dass der Sport sicher nicht die größte Sorge ist. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Sport zwar helfen kann, sich in der neuen Heimat abzulenken und einzurichten. „Integration durch Sport“ hieß das Programm, das während der ersten Flüchtlingswelle vor sieben Jahren auf die Beine gestellt wurde und die Willkommenskultur im Sport stützte. „Wir bauen auf die guten Erfahrungen, die wir und die Vereine damals gesammelt haben“, sagt SSB-Geschäftsführer Robin Schneegaß.

Der Segelclub Münster bittet zum Ansegeln auf den Aasee: Am Sonntag dann unter ukrainischer Flagge und zum guten Zweck. Foto: SCM

Natürlich stellen sich nun neue Herausforderungen, doch die bewährten Maßnahmen dürften erneut helfen. Aktuell verteilt der SSB Flyer an die Vereine, die zweisprachig – ukrainisch und deutsch – auf das Programm in Münster hinweisen. Mit allen sportiven Möglichkeiten, die die Stadt zu bieten hat, von American Football bis Yoga. Vereine können den Flyer auf der SSB-Homepage herunterladen. „Der Sport gilt als Motor der Integration“, heißt es im Infoblatt des Landessportbundes.

W+F packt zwei Kleinlaster voll

Viele Vereine haben bereits Sammelaktionen ins Leben gerufen. Wasser+Freizeit beispielsweise hat pragmatisch mit Schwimm- und Badeutensilien ausgeholfen. An einem Montag hatte der Club zur Spende aufgerufen, am gleichen Abend wurden zwei Kleinlaster mit Badehosen, Schwimmanzügen und Handtüchern beladen. „Die Hilfsbereitschaft ist unglaublich“, sagte der Vereinsvorsitzende Ralf Pander.

An diesem Wochenende setzt der Segelclub Münster Segel für den guten Zweck. Beim traditionellen Ansegeln werden alle Boote die ukrainische Flagge setzen, sämtliche Meldegelder nebst stattlicher Spende des SCM werden via Aktion Lichtblicke zur Unterstützung der Ukraine weiter geleitet.

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