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Reiten: Großer Preis von Aachen

Nieberg und Schulze Topphoff hinterlassen nachhaltig Eindruck

Münster

Das Starterfeld war exquisit: Der britische Olympiasieger Ben Maher mit seinem Gold-Pferd Explosion, der Weltranglistenerste Daniel Deußer mit Killer Queen oder der Franzose Kevin Staut mit Toledo – und mittendrin, ganz unerschrocken Gerrit Nieberg und Philipp Schulze Topphoff, die bei ihrer Premiere im Großen Preis von Aachen ablieferten und nicht nur die Zuschauer begeisterten.

Von Henner Henning

Gerrit Nieberg mit Ben schaffte es bei seiner Premiere im prestigeträchtigen Großen Preis von Aachen in den zweiten Umlauf und gab damit ein stattliches Empfehlungsschreiben ab. Foto: Imago/Stefan Lafrentz

Das Lob kam aus berufenem Munde und live im TV. Wer ihn am meisten überrascht habe, wurde Ludger Beerbaum nach dem ersten Umlauf des Großen Preises von Aachen gefragt. „Der junge Deutsche, Schulze Topphoff“, antwortete der vierfache Olympiasieger, der selbst beim CHIO dreimal die prestigeträchtige Abschlussprüfung gewonnen hat. „Das war wahrscheinlich auch für ihn ein kleines bisschen überraschend. Hut ab, das war große Klasse, in diesem Starterfeld über diesen Parcours  so rüberzureiten.“

Beerbaums warme Worte galten Philipp Schulze Topphoff, 22 Jahre jung, vom RV Roxel – und sie passten eins zu eins auch für Gerrit Nieberg (RV St. Hubertus Wolbeck), den zweiten Springreiter aus einem münsterischen Reitverein. Das Duo war erstmals beim Großen Preis dabei, begeisterte im „Wimbledon des Reitsport“ die Zuschauer und schaffte es gemeinsam mit einer Nullrunde in den zweiten Umlauf – ein riesiger Erfolg in dem exquisiten Starterfeld, in dem der Weltranglistenerste Daniel Deußer mit Killer Queen die 330 000 Euro Siegprämie einstrich.

Gutes Gefühl bei der Besichtigung

Schulze Topphoff war im Sattel von Concordess der erste fehlerfreie Ritt geglückt. Schon beim Abgehen des Parcours hatte er die Hoffnung auf die Null gehabt, sah schwere, natürlich anspruchsvolle Aufgaben. „Aber ich habe gedacht, dass es nicht unmöglich ist. Und es hat ja geklappt“, sagte Schulze Topphoff, mit seiner Stute 2019 Europameister der Jungen Reiter.

Nach einem schnellen TV-Interview verfolgte er die weiteren Starter im ersten Umlauf – und freute sich mit Nieberg, der mit Ben ebenfalls „das gute Gefühl bei der Besichtigung“ (Nieberg) bestätigte und fehlerfrei blieb. „Gerrit und ich waren zuletzt bei Turnieren öfter zusammen unterwegs“, erzählte Schulze Topphoff, der mit Nieberg etwa zum Nationenpreis in Warschau mit einem LKW reiste. Die beiden kennen sich, die beiden verstehen sich – und gönnen sich gegenseitig den Erfolg, den sie mit dem Erreichen des zweiten Umlaufs schon erreicht hatten.

Nieberg mit „ärgerlichem Fehler“

Diesmal war es Nieberg, der vor Schulze Topphoff in den Parcours musste – und gleich am ersten Hindernis mit seinem zehnjährigen Wallach die Stange herunterriss. „Das war natürlich bitter, ich hab mich auch kurz geärgert“, sagte der 28-Jährige vom Gut Berl, der danach entschied, etwas mehr Risiko in den Wendungen zu gehen, um so weit wie möglich nach vorne zu kommen. Das Wagnis zahlte sich aus, am Ende war es der neunte Rang. „Der Fehler war ärgerlich, aber ich bin hochzufrieden mit der ganzen Woche in Aachen“, sagte Nieberg, der etwa mit seiner Neuerwerbung Blue d’Aveline – der CHIO war erst der dritte gemeinsame Auftritt des Paares – eine weitere Platzierung erreichte.

Philipp Schulze Topphoff auf seinem Schimmel Concordess. Foto: Imago/Stefan Lafrentz

Glücklich und zufrieden war auch Schulze Topphoff. Trotz des frühen und „dummen“ Fehlers am zweiten Sprung und einem weiteren ausgangs der zweifachen Kombination, die unter den Sprüngen mit Wasser unterlegt war. „Da war ich froh, dass wir irgendwie rüber- oder vielmehr durchgekommen sind“, erklärte Schulze Topphoff, der letztlich 13. wurde.

Hoffnung auf Weltcup-Einsätze

Zwei stattliche Empfehlungsschreiben, die da bei Otto Becker hereinflatterten. Doch der Bundestrainer hielt sich in Sachen möglicher Weltcup-Starts bedeckt. „Es wäre schön, wenn ich dort hereinschnuppern könnte“, sagte Schulze Topphoff und drückte dabei die Hoffnung aus, die auch Nieberg hegt. Nachhaltig Eindruck aber haben die beiden in der Aachener Soers auf jeden Fall gemacht. Nicht nur bei Ludger Beerbaum.

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