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Leichtathletik

„Noch nicht alles ausgereizt“: Voigt macht sich in Portugal fit für 2023

Münster

Alles andere als perfekte Bedingungen hatte Voigt 2022 – trotzdem wurde er EM-Achter und bester Deutscher. Jetzt geht es erstmal ins Trainingslager nach Portugal. 2023 dürfte dann interessant werden – für die WM-Zeit müsste er einen deutschen Rekord brechen.

Im August belegte NIls Voigt Rang acht bei der Europameisterschaften in München: Der 10 000-Meter-Spezialist hat bereits das Wettkampfjahr 2023 fest im Blick. Foto: Imago/Eibner

Im Münsterland werden die Temperaturen in den nächsten Tagen und Wochen sinken. In Katar, bei der Fußball-WM, dürfte es sommerlich sein, heiß. Vielleicht hat Nils Voigt die beste aller Varianten vor sich: Der Langstreckenspezialist, zweifacher Deutscher Meister über 10 000 Meter, verabschiedet sich in ein dreiwöchiges Trainingslager nach Portugal, Mitte Dezember kehrt er zurück, vielleicht garniert mit einem Wettkampf über seine bisherige Spezialdistanz in Paris.

Gerade erst hat er in ­Nijmegen geglänzt, als er beim „Sieben-Hügel-Lauf“ über die selten absolvierten 15 Kilometer eine inoffizielle deutsche Bestzeit lief. Nach 43:18 Minuten war er im Ziel, damit sechs Sekunden schneller als Marathon-Europameister Richard Ringer im gleichen Wettkampf. Ringer hatte 2018 in 43:40 Minuten vorgelegt, Voigt übertrumpfte jetzt diese Marke. Ein gutes Signal.

Grundlage ist das Aufbautraining

Er wolle, sagte er, mit dem Trainingsblock in Portugal in diesem Jahr auch etwas aufholen von den Ausfallzeiten Anfang des Jahres. Damals stoppte ihn Corona und die eine oder andere Blessur. Wobei es ihn nicht davon abhielt, bei der EM in München zu starten und als Achter sein persönliches Saisonziel doch noch zu erreichen.

Es ist wie in den meisten anderen Ausdauersportarten: Die Top-Resultate der nächsten Saison finden ihre Grundlage im Aufbautraining oder der „Resteverwertung“ an Übungseinheiten bis zum Jahresende. Voigt, der Münsteraner vom TV Wattenscheid, wird im Januar gleich noch ein zweites Trainingslager in Portugal nachlegen. Denn er hat durchaus einiges vor 2023. Möglicherweise erfolgt das Saisondebüt bei einem 10 000-Meter-Wettkampf im März in Kalifornien.

Voigt will sich keinen Träumereien hingeben

Will er allerdings die WM-Norm für die Titelkämpfe in Budapest über „die Zeit knacken“, müsste er den Deutschen Rekord von Dieter Baumann aus dem Jahr 1997 brechen. Der steht bei 27:21 Minuten, die Norm liegt bei 27:10 Minuten. Voigts Bestzeit beträgt 27:49 Minuten. Der 25-Jährige will sich keinen Träumereien hingeben: „Um das zu laufen, müssten ein ganzes Trainingsjahr und der passende Wettkampf perfekt sein.“ Alles andere als optimale Bedingungen hatte Voigt 2022 – trotzdem wurde er EM-Achter in 27:52 Minuten und war damit bester Deutscher.

Die zweite Hürde wäre die Quali über die Weltrangliste, auch dafür müsste er noch zwei exzellente Rennen hinlegen. „Noch ist nicht alles ausgereizt bei mir“, erzählt Voigt. Zuletzt war er neun Tage in Leipzig, überarbeitete Trainingsprogramme und suchte im Institut für angewandte Trainingswissenschaft nach weiteren Impulsen. Mit Trainer Tono Kirschbaum, seit vier Jahren Coach in Wattenscheid, verwertet er nun die Ergebnisse bei seinem Training.

Das kommende Jahr wird interessant

Das nächste Jahr dürfte interessant, spannend werden. Auf der Bahn im Stadion traut er sich eine Bestzeit zu, auch die Qualifikation für die WM. Aber auch ein mögliches zweites Standbein ist ausgemacht. „2023 wollte ich schon immer offen für einen Marathon sein“, schaut Voigt voraus. Im Herbst könnte es so weit sein, im Rahmen einer Marathonstaffel ist er Ende Oktober in Frankfurt gestartet und hat schon einmal das Flair mitbekommen. Aber auch der Volksbank-Münster-Marathon im September ist als Option nicht ausgeschlossen. Er habe mit einer Trainingskollegin gesprochen, und die sei sich nicht sicher gewesen, ob Frankfurt oder Münster die schnellere Strecke ist.

Für Voigt geht es dann nicht darum, ein Debüt zu feiern und mitzulaufen, sondern in seine persönlichen Grenzbereiche vorzustoßen. Er ist Lauf-Profi. Was den Marathon betrifft, will er sich aber auf keine Zielzeit festlegen. Noch nicht. Aber seine Top-Marke über 10 000 Meter lässt darauf schließen, dass er den Marathon unter 2:10 Stunden beenden könnte. Der Kenianer Justus Kiprotich lief 2018 2:09,28 Stunden, das ist die schnellste je in Münster gelaufene Zeit. Voigt sagt dazu nur: „Ich will mich bei einem möglichen Debüt nicht auf eine Zeit festlegen.“ Er findet das unangemessen – in seinem Hinterkopf aber dürfte ein Plan bereits vorhanden sein. Es läuft bei ihm ...

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