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Boxen

„Habe noch eine Menge vor“: Oliver Ginkels steiniger Weg zu Olympia 2024

Münster

Gerade erst ist Oliver Ginkel vom Boxzentrum Münster mit der Bronzemedaille von den Deutschen Meisterschaften aus Rostock zurückgekehrt. Auf dem langen Weg zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris muss er harte Konkurrenten ausschalten.

WM-Dritter der Studenten und zweifacher Medaillengewinner bei der DM: Oliver Ginkel (rechts Ringrichter Victor Ares). Foto: privat/Boxzentrum

Äußerlich ist nicht mehr viel zu sehen bei Oliver Ginkel. Das Aus bei den Deutschen Meisterschaften der Eliteboxer hat ihm ein Veilchen unter dem rechten Auge beschert. Ein paar Tage ist das alles her. Die Niederlage im Halbfinale gegen Silvio Schierle, dieses 1:4 nach Punktrichter-Entscheid, sitzt tiefer. Was ist jetzt mehr gefragt? Sportlicher Aspekt oder psychologische Aspekte? Ginkel steuert auf seinen Abschluss an der Universität in diesem Fach hin, boxerisch hat er im Sommer die Vizemeisterschaft geholt in der Klasse bis 80 Kilogramm, nun DM-Bronze – beide Male verlor er gegen Schierle.

„Als ich nach der ersten Runde in die Ecke kam und hörte, dass ich die mit 1:4 verloren haben soll, verstand ich die Welt nicht mehr“, blickt Ginkel zurück. „Die erste und dritte Runde hatte ich gewonnen.“ Das ist sein Verständnis von diesem Kampf. Er zuckt mit den Schultern. Ja, Boxen im Elitebereich ist eine enge Angelegenheit. Aber bereits im Sommer hatte Schierle, zu dem Ginkel ein gutes Verhältnis pflegt, nach dem Kampf gesagt, dass er nicht verstanden habe, die erste Runde glatt mit 5:0 gewonnen zu haben.

Harte Olympia-Konkurrenz in der Klasse

Schierle aus Saalfeld ist einer von den Top fünf in dieser 80-Kilogramm-Klasse, die aus deutscher Sicht völlig überfrachtet ist mit Olympia-Kandidaten für Paris 2024. Das wären noch Kevin Boakye-Schumann (Hamburg) und Delil Dadaev (Berlin), die beide aus dem früheren Mittelgewicht (bis 75 Kilogramm) aufgestiegen sind. Sie haben genauso Paris im Auge wie Ben Ehis (Schiefbahn), der neue Deutsche Meister bezwang seinen Vorgänger und Ginkel-Bezwinger Schierle. Aber nur einer kommt durch in dieser Gewichtsklasse.

Für Olympia 2028 droht das Aus

Der Weltverband IBA, der für das sogenannte olympische Boxen bis 2019 zuständig war, ist suspendiert worden vom IOC. Zum einen, weil dem Russen Umar Kremlew unsaubere Machenschaften vorgeworfen werden, die IBA unter seiner Regie „keinen Kulturwandel“ hergestellt habe. Weiterhin gebe es Manipulation, Bestechlichkeit und Vetternwirtschaft. Auch dass der zentrale Geldgeber Gazprom ist, stößt dem IOC sauer auf. Andererseits weiß Kremlew um die große Unterstützung im asiatischen Raum und früherer GUS-Staaten. Längst ist eine Schlammschlacht entstanden. Das IOC hat festgelegt, dass es nur die kontinentalen Titelkämpfe sowie zwei Weltturniere auf dem Weg nach Paris gibt. Die IBA wird dabei keine tragende Rolle spielen.

Ginkel gilt eher als Außenseiter

Für die deutschen Boxer heißt die automatische Losung daher: möglichst als Meister die Quali für die Europa-Spiele 2023 in Krakau schaffen. Nur im zweiten Anlauf stehen dann noch die angekündigten zwei Weltturniere zur Verfügung.

Es wird eine Gratwanderung. Boakye-Schumann gilt als Top-Anwärter auf die Qualifikationen, Ginkel ist in diesem Fünferfeld eher ein Außenseiter. Vizemeister, DM-Dritter und Dritter der Studenten-WM in der Türkei zu sein, gibt in dieser Gewichtsklasse nicht mehr her.

Der Psychologie-Student ist sich der Lage bewusst, im kommenden Jahr strebt er einen Abschluss an. Aber auch im Boxen hat er noch einiges vor. Als Junior galt der gebürtige Mönchengladbacher als Supertalent, dann pausierte er praktisch über vier Jahre. Nun sagt Ginkel: „Ich bin erst seit einem Jahr wieder im Wettkampfbereich zurück.“ Er lasse sich nicht so einfach aus der Bahn werfen, denn: „Im Boxen habe ich noch eine Menge vor.“

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