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Triathlon: Challenge in Roth

Dirksmeier beendet Profi-Laufbahn: „Habe ein wenig Angst“

Münster

Am Ende wurde es für Patrick Dirksmeier von Tri Finish noch mal ein langer Tag. Der Langstrecken-Triathlet beendete seine Profi-Laufbahn bei der Challenge in Roth und musste beim abschließenden Marathon richtig leiden. Was nun kommt, macht dem 38 Jahre alten Rechtsanwalt schon ein wenig Angst.

Von Alexander Heflik

In Roth beendete Patrick Dirksmeier auf der legendären Langdistanz seine Profi-Laufbahn. Foto: Imago/Zink

Der letzte große Wettkampf für Patrick Dirksmeier begann chaotisch. Als der Triathlet um 5.20 Uhr am Sonntag in der Wechselzone bei der Challenge Roth seine Rennmaschine checkte, funktionierte das hintere Laufrad, „Scheibe“ genannt, nicht. Sie war aus einem unerfindlichen Grund gebrochen, der Bremszug arbeitete deshalb nicht mehr, die Schaltung auch nicht.

„Ich bin 1000 Tode gestorben. Eigentlich wäre der Wettkampf nach dem Schwimmen für mich beendet gewesen“, blickt Dirksmeier zurück. Er, der eine Dekade lang auf der Langdistanz im Triathlon unterwegs war, Europameister auf der sogenannten Mitteldistanz wurde, viermal den Sparda-Münster-City-Triathlon gewann, dreimal als Sportler des Jahres in Münster ausgezeichnet wurde.

Rad im letzten Moment repariert

Doch fleißige Hände packten zu, Peter, der Feuerwehrmann, bei dem Dirksmeier während der Tage in Roth wohnte, schritt ein, reparierte das Hinterrad. Und als der 38-Jährige aus dem Wasser stieg, Seite an Seite mit dem zweifachen Ironman-Weltmeister Patrick Lange und dem spätern Sieger Magnus Ditlev aus Dänemark, da war das Zweirad längst wieder funktionstüchtig. Dirksmeier konnte die Langdistanz über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer auf dem Rad und den abschließenden Marathon „finishen“.

Eine Dekade Triathlon als Spitzensportler: Patrick Dirksmeier tanzt beim Sieg in Münster 2011 förmlich als Sieger über die Ziellinie. Foto: Jürgen Peperhowe

Eigentlich wollte der Jurist die Acht-Stunden-Marke, so etwas wie eine magische Grenze, angreifen. Nach den ersten beiden Disziplinen lag er auf Kurs, da war er unter den Top Ten, doch nach 15 Kilometern „ging er hoch“. Statt eines geplanten Marathons in 2:50 Stunden dauerte es 3:29 Stunden. Die letzten Kilometer absolvierte er neben dem Neuseeländer Cameron Brown. Der 50-Jährige war zweifacher Ironman-Weltmeister und litt genauso wie Dirksmeier. Eine Seilschaft des Laufens. „Nee, aufgeben ist nie eine wirkliche Option“, blickte Dirksmeier zurück. Als er als 34. das Ziel erreichte, war er leer, körperlich wie mental. Das war’s nun mit Triathlon als Leistungssport.

Dirksmeier: „Komisches Gefühl“

„Das ist ein komisches Gefühl. Es fühlt sich fast so an, als würde man seinen Partner verlassen“, erzählte Dirksmeier am Montag, als er die Rückreise von Roth nach NRW bestritt. Daheim warteten Ehefrau Jenna und der dreijährige Henry auf ihn. „Sie hat gesagt, es wäre jetzt genug, dieses ganze Geplane und Getue.“ Wer jetzt die Pantoffel im Haus Dirksmeier trägt, ist klar.

„Mein Leben bestand tagtäglich aus Trainingsplänen und Wattzahlen. Jeden Tag habe ich mich damit beschäftigt. Ein wenig Angst habe ich schon, was jetzt kommt“, sagt Dirksmeier. Statt Wattzahlen, der Überprüfung der Leistungskennziffern und des Trainingsstands, rücken die Paragrafen in den Vordergrund. Dirksmeier macht gemeinsam mit Iris Düchting eine Zweigstelle der Kanzlei Dr. Henrich & Dirksmeier in Bochum auf, die Räume sind angemietet.

Der Fachanwalt für Arbeitsrecht ist stark in Schulungen von Betriebsräten involviert, wird genug zu tun haben. Triathlon war gestern, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Eine Hintertür bleibt offen. Dirksmeier: „Vielleicht greife ich meine Halbmarathon-Bestzeit von 68 Minuten an.“ Mal sehen, was die Ehefrau dazu sagt.

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