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Olympische Sommerspiele

Rolf Warnke erlebt Tokio zwischen Olympia und Corona

Münster/Tokio

Rolf Warnke ist als Ruder-Schiedsrichter im Olympia-Einsatz. Der Münsteraner erlebt in Tokio, was aufgrund der Corona-Pandemie Hunderttausenden verwehrt bleibt: Die Spiel aus nächster Nähe. Warnke berichtet von der außergewöhnlichen Stimmung bei außergewöhnlichen Sommerspielen.

Von Ansgar Griebel

Rolf Warnke vor der Olympischen Regattastrecke in Tokio: Am Mittwoch noch im offiziellen „Leasure“-Outfit. Ab Freitag wird er die Wettkampf-Uniform präsentieren. Foto: Warnke

Tokio zwischen Corona und Olympia: Die japanische Hauptstadt steckt mittendrin zwischen diesen beiden entgegengesetzten Polen, die so gar nicht zusammenpassen – und dennoch gemeinsam erlebt werden wollen. Doch was überwiegt in der Metropole: Der Olympische Geist oder die erdrückende Last der Pandemie? Rolf Warnke vom Regattaverein Münster ist am Mittwoch in Tokio gelandet und wird in der kommenden Woche als offizieller Schiedsrichter die Ruderwettbewerbe begleiten. Wir erreichen den 56-Jährigen am deutschen Morgen um 8 Uhr, in Tokio wird gerade der heiße Nachmittag eingeläutet. Rolf Warnke berichtet, wie Olympia Corona zumindest kurzfristig verdrängen kann.

Rolf Warnke

Olympia in Coronazeiten, oder Corona in Olympiazeiten. Wie ist die Stimmung in Tokio?

Rolf Warnke: Was wir hier erleben sind sehr freundliche, gut gelaunte Menschen, die unglaublich hilfsbereit sind. Diese Stimmung überwiegt absolut. Wir wohnen in einem sehr großen Hotel, wo sehr viele Menschen untergebracht sind, die mit Olympia zu tun haben. Zum Beispiel alle, die mit dem Rudern beschäftigt sind – bis auf die Mannschaft natürlich, die wohnt im Olympischen Dorf.

Das Sie vermutlich nicht zu sehen bekommen ...

Warnke: Unsere Möglichkeiten sind tatsächlich sehr beschränkt: Wir können uns im Hotel frei bewegen, in den Hotel-Restaurants, die bestens auf die Hygieneregeln eingerichtet sind mit sehr viel Plexiglas. Ansonsten stehen vor dem Hotel die Shuttles zu den Wettkampfplätzen, für uns also zur Regattastrecke – und da können wir uns dann wirklich recht frei bewegen.

Sie sind jetzt bis zum Abschluss der Ruderwettbewerbe am kommenden Freitag in einer der attraktivsten Städte der Welt, aber um Tokio kennenzulernen, müssen Sie sich trotzdem hinterher einen Bildband der Stadt kaufen.

Warnke: Naja, wir sind vom Flughafen zum Hotel gefahren und vom Hotel jeden Tag eine dreiviertel Stunde zur Regattastrecke, da sieht man schon was, aber das stimmt schon: Da wäre mehr drin gewesen ...

Und das Ganze ohne Zuschauer...

Warnke: Das ist schon ein bisschen traurig, wenn man da die Riesentribünen sieht, auf denen dann niemand sitzen wird. Aber ich habe schon im Flugzeug mit einigen Athleten gesprochen. Neben mir saß eine Leichtathletin, hinter mir ein Hockeyspieler, die und allen anderen Sportler freuen sich alle riesig, dass die Spiele nun doch endlich stattfinden können.

Die offizielle Eröffnung ist am Freitag, da laufen schon die ersten Vorläufe, die Feier werden Sie also verpassen.

Warnke: Ja, aber nicht nur wir. Live kann ja ohnehin bis auf ein paar Funktionäre niemand dabei sein.

Kühlwesten gegen die Hitze

Die Athleten klagen über die große Hitze. Wie schlimm ist es?

Warnke: Es ist nicht nur heiß, aktuell haben wir 31 Grad, es ist vor allem auch schwül und drückend. Aber, das habe ich auch noch nie erlebt, wir haben alle Kühlwesten bekommen. Da sind sechs Kühlakkus drin. Für eine Stunde reicht das, dann muss die Weste runter. Glücklicherweise sind es beim Rudern ja gar nicht so viele Klassen. Wir sind immer so gegen 12.30 Uhr fertig, danach wird es dann aber immer richtig heiß.

Koffer in Reih und Glied

Deutschland gilt ja schon als gut organisiert, Japan ist da noch einen Schritt weiter. Sie haben erzählt, dass Ihre Koffer am Gepäckband erst der Größe, dann der Farbe nach sortiert worden sind ...

Warnke (lacht): Das hat mir schon gut gefallen. Grundsätzlich ist hier alles sehr gut organisiert und vor allem auch bis zum Ende durchdacht.

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