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Leichtathletik: Olympia

Sprinterin Pinto: „Von solchen Zeiten habe ich geträumt“

Paderborn

Tatjana Pinto ist die große deutsche Sprinthoffnung bei Olympia. Die Münsteranerin, die jetzt für den LC Paderborn startet, hat in Rio das Halbfinale ins Visier genommen. Ihr Trainer traut ihr sogar noch etwas mehr zu.

Frank Beineke

Ab nach Rio: Mit einer neuen Bestzeit von 11,00 Sekunden geht’s für Tatjana Pinto zu den Olympischen Spielen. Foto: dpa

Nach dem Rücktritt von Verena Sailer hatte so mancher Experte magere Jahre im deutschen Frauensprint prophezeit. Doch es kam alles ganz anders. Junge Sprint-Asse wie Gina Lückenkemper (Dortmund) oder Lisa Mayer (Langgöns) stehen vielmehr für ein neues Leichtathletik-Fräuleinwunder. Die Leistungsdichte im deutschen Frauensprint ist derzeit vielleicht sogar so hoch wie noch nie. Die neue nationale Sprintqueen ist eine Münsteranerin im Trikot des LC Paderborn: Tatjana Pinto katapultierte sich bei der Olympia-Verabschiedung in Mannheim über 100 Meter in exakt elf Sekunden auf Rang sieben der ewigen deutschen Bestenliste. Zusammen mit Lückenkemper, Mayer und Rebekka Haase (LV Erzgebirge) gelang ihr über 4 x 100 Meter zudem in 41,62 Sekunden eine Weltjahresbestleistung.

Entsprechend euphorisch fällt schon jetzt Pintos Zwischenfazit aus. „Ich kann es alles noch nicht wirklich beschreiben, was in dieser Saison passiert ist. Von solchen Zeiten hatte ich immer geträumt“, sagt die deutsche 100-Meter-Meisterin, für die der Saisonhöhepunkt aber erst jetzt folgt. Am Samstag macht sich Pinto auf den Weg zu den Olympischen Spielen nach Rio.

Für die gebürtige Münsteranerin, die erst mit 14 Jahren zur Leichtathletik kam, ist es die zweite Olympia-Teilnahme. 2012 in London gab es ein Vorlauf-Aus über 100 Meter (11,39 Sekunden) und Rang fünf mit der Sprintstaffel. Diesmal darf es ein wenig mehr sein. Denn Pinto ist so schnell wie noch nie. Als Hauptgrund für ihren großen Leistungssprung nennt die 24-Jährige einen Namen: Thomas Prange. „Er hat die Leidenschaft für den Sprint, die ich auch spüre. Und Thomas weiß genau, wovon er spricht. Er ist der beste Mann“, urteilt Pinto über ihren Coach beim LC Paderborn.

Seit Frühjahr 2014 gehört die Studentin der ostwestfälischen Trainingsgruppe an. Prange und Pinto entschieden sich damals zu einer Technikumstellung. Rückschläge blieben nicht aus. So wurde die EM 2014 in Zürich für Pinto zur herben Enttäuschung. „Es braucht halt seine Zeit. Aber nun greifen die Automatismen. Tatjana ist beständig geworden“, erklärt Prange, für den die 11,00 Sekunden von Mannheim nicht allzu überraschend kamen. „Im Training war Tatjana schon schneller“, sagt der LC-Coach.

Selbst das besagte Rennen in Mannheim sei nicht perfekt gewesen. Denn nach furiosen ersten 70 Metern („Da lag Tatjana auf Kurs deutscher Rekord“, so Prange) fehlte in der Endphase nicht zum ersten Mal der letzte Punch. Die Ursachenforschung läuft. So gab es am Dienstag zur Sicherheit noch einen Medizincheck. Die Zuversicht in Sachen Rio ist aber groß. „Wenn Tatjana einen optimalen Lauf abliefert, dann wird auch die Zeit passen. Und dann könnte sogar das Finale drin sein“, sagt Prange – und warnt zugleich vor zu hohen Erwartungen. „Denn das Niveau wird brutal hoch sein. Viele haben ihre Karten noch nicht aufgedeckt. Es wird rund 15 Läuferinnen geben, die Zeiten unter elf Sekunden erzielen können.“

„Brutal“ ist auch das Adjektiv, das dem LC-Trainer mit Blick auf die 41,62 Sekunden einfällt, die Pinto und Co. in Mannheim in der Staffel auf die Bahn zauberten. „Das war selbst für mich eine große Überraschung. Mit so einer Zeit hast du bei Olympia Medaillenchancen“, so Prange. Allerdings sei dieses Rennen schon nah an der Perfektion gewesen. „Wenn die Mädels in Rio eine 42,0 laufen, wäre das auch schon absolut klasse“, sagt der Paderborner Coach, der sich am kommenden Mittwoch selbst auf den Weg nach Brasilien machen wird. Drei Tage später wird es dann für Pinto und auch Prange ernst. Dann stehen die ersten Vorläufe über 100 Meter auf dem Programm.

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