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Frauensportverein feiert in kleinem Rahmen einen großen Geburtstag

„Stärken und schützen“: Frauensportverein feiert 40. Geburtstag

Münster

Drei Frauen wurden Anfang der 80er Jahre in Münster Opfer von Gewaltverbrechen. Aus diesen schrecklichen Vorfällen erwuchs der Frauensportverein (FSV) Münster, der Frauen den Raum bietet, Sport zu treiben und Selbstverteidigung zu erlernen – und das nun seit 40 Jahren.

Auf dem Podium und mittendrin: Die Gründungsmitglieder Agnes Lütke Föller (2.v.l.) und Martina Scherff (3.v.l.) mit Vanessa Kreling (l.) und Sabine Heise. Foto: Bernadette Luetke Hockenbeck

Eigentlich müssten sie platzen vor Stolz. Aber sie sitzen da ganz bescheiden und erinnern sich. An die Anfänge, den Anlass und die Auswirkungen. An alles, was sich seitdem rund um den Frauensportverein (FSV) Münster ereignet hat. Und vor allem um die Tatsache, dass dieser Verein seit 40 Jahren Frauen jeglicher Couleur den Raum bietet, Sport zu treiben, sich selbst zu erfahren und Selbstverteidigung zu erlernen. Nebenbei auch das Körpergefühl zu entwickeln, das Selbstbewusstsein zu steigern, aber auch einfach Spaß zu haben. Hat alles prima geklappt. Und deshalb müssten sich Agnes Lütke Föller und Martina Scherff gegenseitig auf die Schulter klopfen.

Tun sie aber nicht, sondern nehmen auch Beate Wulfekotte und Martina Strathmann mit ins Boot, wenn es um einstige Verdienste geht. Diese vier Frauen bildeten damals den Vorstand, nachdem sie den Verein aus dem Boden gestampft haben. Initiiert wurde alles aus einem ganz traurigen Anlass. Drei Frauen waren 1982 in Münster Opfer von Gewaltverbrechen geworden. „Das hat uns natürlich schockiert. Und wir haben uns überlegt, dass wir irgendwas machen müssen, um Frauen besser zu stärken und zu schützen.“

Agnes Lütke Föller war damals als Studentin beim Polizeisportverein Münster in einem Selbstverteidigungskurs und konnte einen Trainer überzeugen, dies auch ausschließlich für Frauen anzubieten. Die Resonanz war groß, aber nach zehn Einheiten war Schluss. Für die engagierten Frauen zu wenig, also schritt man zur Selbsthilfe. Man gründete einen Verein, fand in Isolde Wende eine fähige KungFu-Trainerin, bekam von der Stadt Hallenzeiten an der Albert-Schweitzer-Schule, erfuhr Anerkennung und Respekt in der Öffentlichkeit und durfte sich über regen Zulauf freuen. Auch wenn Anfang der 80er Jahre feministische Projekte wie Frauenhäuser, -zentren, -cafés und –notruf entstanden, war der FSV Münster nicht unbedingt ein Club von Feministinnen. Martina Scherff: „Alles ganz normale Frauen, die sich einfach nur selbst entfalten wollten.“ Es gab keinen Dresscode, keinen Leistungsdruck, keine Altersvorgabe – es gab nur Sport von Frauen für Frauen. Und das bis heute.

Männer gerngesehen, aber nicht gebraucht

Jetzt wurde Jubiläum gefeiert, und sogar eine Handvoll Männer hatte sich zum 40. des FSV eingefunden. Gerngesehen, aber nicht unbedingt gebraucht. Denn die Frauen machen ihr eigenes Ding, und daran wird nicht gerüttelt. Als im März Diskussionen aufkamen, ob sich Karnevalsclubs oder Schützenvereine auch für Frauen öffnen sollten, da fühlte sich beim FSV Münster keine angesprochen, auch umgekehrt etwas anzubieten. „Wenn jemand fordert, dass der FSV Münster auch Männer aufnehmen soll, der hat den Sinn eines Frauensportvereins nicht verstanden“, brachte es Hedwig Tarner, Landtagsabgeordnete der Grünen auf den Punkt. Und ihre Parteikollegin, NRW-Familienministerin Josefine Paul, hatte in ihrem digitalen Grußwort ebenfalls das Alleinstellungsmerkmal des Vereins ausdrücklich gelobt und wünschte für die Zukunft „weiterhin bewegte Zeiten“.

Die werden kommen, da sind sie sich sicher im FSV. Und wo sie schon mal beim Jubiläum so nett versammelt waren, nahmen sie sich auch die Zeit, in die Zukunft zu schauen. „Braucht es (noch) Feminismus im Sport?“ – lautete die spannende Frage, auf die es am Ende nur eine Antwort gab: „Ja.“ Eben weil es um Gleichheit und Gleichberechtigung aller Geschlechter gehe, um gleiche Teilhabe an allen Ressourcen, um gegenseitige Unterstützung. Auch um Freiräume, um Selbsterfahrung, um den Einsatz für die gemeinsame Sache. Außerdem würden Männer den Wettkampfgedanken immer zu hochhängen, anstatt sich um vernünftige Techniken bei den diversen Kampfsportangeboten zu bemühen.

Aikido, Ju-Jutsu, Karate, Fitness, Yoga, Volleyball, Wandern, Radwandern und natürlich Selbstverteidigung – beim FSV ist immer was los. Aber es gibt auch Hallenprobleme, schwierige Suche nach geeigneten Trainerinnen, kaum Nachwuchsarbeit. Das werden die engagierten Frauen überwinden, den Eindruck machen sie. Und was nach 40 Jahren FSV Münster hängen geblieben ist, das bringen Agnes Lütke Föller und Martina Scherff unisono auf den Punkt: „Ich kann mich noch immer gut abrollen.“

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