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Fußball: WM in Katar

Rückflug-Tickets zehn Minuten nach Abpfiff: Woischners Abenteuer vorbei

Doha/Münster

Fan-Botschafter der deutschen Nationalmannschaft, das war Stefan Woischner aus Münster bei der WM in Katar. Doch auch fernab seiner Tätigkeit hat der 34-Jährige einiges erlebt – und dabei Eindrücke für sein Leben gesammelt.

Von Kevin Michaelis

Der 34-jährige Münsteraner Stefan Woischner als Fan-Botschafter der deutschen Nationalmannschaft im Al-Bayt-Stadion beim dritten Gruppenspiel Foto: Privat

Der Münsteraner Stefan Woischner hat die deutsche Nationalmannschaft als Fan-Botschafter zur WM 2022 nach Katar begleitet. Mit gemischten Gefühlen ist der 34-Jährige in den Wüstenstaat gereist. Nach dem Vorrunden-Aus der Mannschaft um Bundestrainer Hansi Flick endet das Abenteuer für den 34-Jährigen nach nur zwei Wochen schon wieder. Ziemlich „abrupt“, wie er findet, denn er und die anderen Mitglieder des Teams hatten sich gerade erst richtig „eingegroovt“. Dennoch bleibt ihm in vielerlei Hinsicht eine unvergessliche Zeit.

Allerdings hat Woischner das Ausmaß des Ausscheidens ebenso hart getroffen wie wahrscheinlich jeden anderen auch, der vor Ort für den DFB tätig war – egal ob Spieler, Fan-Botschafter oder Busfahrer. So ereilte ihn eine Nachricht, die er zu diesem Zeitpunkt gar nicht erwartete, inmitten der eigenen Schockstarre. Doch die Verantwortlichen des Verbands hatten sich dem Anschein nach auf alle möglichen Szenarien bestens vorbereitet. „Zehn Minuten nach dem Spielende haben wir vom DFB schon unsere Rückflug-Tickets erhalten“, so der Sozialarbeiter.

Einen Tag zuvor habe er bereits eine Liste mit allen notwendigen Angaben für die anstehende Rückreise ausfüllen müssen. Dass es so schnell vorbei sein würde, hätte Woischner noch während des Deutschland-Spiels nicht wirklich für möglich gehalten: „Wir haben uns über das Ergebnis im Parallelspiel immer auf dem Laufenden gehalten. Und ehrlich gesagt haben wir alle nicht ansatzweise gedacht, dass das am Ende so ausgehen wird.“ Die Stimmung sei nach der Partie im deutschen Fan-Lager dementsprechend „enttäuscht“ und „bedrückt“ gewesen.

Zwischen Glitzer und Gastarbeiter

Und trotzdem blickt ­Woischner, der beim Fanport des SC Preußen mit der aktiven Fanszene arbeitet, auf eindrucksvolle 14 Tage in Katar zurück. Eindrücke und Erlebnisse, die ihn für sein Leben geprägt haben, wie er selbst sagt. Aber auch nicht immer nur positiv waren. „Ich habe die zwei Welten dieses Landes kennengelernt“, erzählt er rückblickend. So sei der Kontrast zwischen der Skyline und dem Glitzer-Leben von Doha und der Unterbringung der Gastarbeiter – in unmittelbarer Nähe war auch Woischners Unterkunft – dramatisch gewesen.

Ein einziges Bier oder ein Gin Tonic hätten auf der einen Seite teilweise 40 bis 50 Euro gekostet, auf der anderen habe es Essen und Trinken für umgerechnet 5 Euro gegeben – „überaus lecker“ wohlgemerkt. Woischner beschreibt die Unterschiede in einem für ihn im Nachhinein durchaus interessanten Land als „exorbitant“. Zum Teil habe er im Restaurant zweieinhalb Stunden auf die Bestellungen warten müssen – auch der Zimmer-Service sei seinen Aufgaben überhaupt nur nach mehrmaliger Nachfrage nachgekommen.

Das Abenteuer Katar hatte für den Münsteraner aber auch schöne Seiten: „Wir haben viele tolle Menschen kennengelernt.“ Außerdem sei er am ersten Vorrundenspieltag vor dem Match gegen Japan auf Bundesinnenministerin Nancy Faeser und DFB-Präsident Bernd Neuendorf getroffen. Faeser hatte während der Begegnung, anders als die deutschen Nationalspieler auf dem Platz, demonstrativ die „One-Love“-Binde auf der Ehrentribüne direkt neben Fifa-Machthaber Gianni Infantino getragen.

Zurück in die Realität

Für Woischner geht es an diesem Samstag zurück nach Deutschland. Raus aus der mit Wolkenkratzern bebauten Stadt Doha und weg von 32 Grad mit Sonnenschein – rein ins trüb-kalte Winterwetter nach Münster bei Werten um den Gefrierpunkt und Glühwein. Spätestens am Montag kehrt endgültig Alltag ein. Dann geht Woischner seiner leitenden Tätigkeit in einem Integrationsprojekt für Flüchtlinge nach – zunächst bei einem Termin in der Soccerhalle Rummenigge. Zwar nicht die WM, aber der Fußball bleibt.

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