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Fußball: Westfalenliga

Westfalia-Co Asadollahi: Schatten liegt über Traum-Tagen bei Olympique Lyon

Münster

Für Omid Asadollahi, Co-Trainer von Westfalia Kinderhaus, ging Ende September ein Traum in Erfüllung: Er durfte bei Olympique Lyons Trainer Peter Bosz hospitieren. Der Kindheitstraum aber bekam Risse – wegen der Ereignisse in Asadollahis Heimat.

Omid Asadollahi (Dritter von links), Co-Trainer beim Westfalenligisten Westfalia Kinderhaus, hospitierte fünf Tage lang bei Olympique Lyon. Dort lernte er von Torwarttrainer Remy Vercoutre, Co-Trainer Rob Maas, Chefcoach Peter Bosz sowie den beiden Assistenten Ludovic Giuly und Cacapa (v. l.). Foto: privat

Dunkelblauer Trainingsanzug, drei weiße Streifen darauf und das goldumrandete Logo von Olympique Lyon: Omid Asadollahi lächelt auf den Bildern aus der französischen Großstadt. Aber sein Lächeln ist ein gequältes. Der 47-jährige Deutsch-Iraner erfüllte sich Ende September einen „Kindheitstraum“, hospitierte fünf Tage lang bei Lyons Cheftrainer Peter Bosz. „Meine Freude darüber ist aber überlagert worden von dem, was derzeit in meiner Heimat los ist“, sagt Asadollahi, der Co-Trainer beim Westfalenligisten Westfalia Kinderhaus ist.

Im Iran, den Asadollahi vor 34 Jahren verlassen hat, gibt es derzeit landesweit Proteste gegen das islamische Regime. Bereits über 150 Menschen sollen für den Freiheitskampf mit ihrem Leben bezahlt haben. „Ich verfolge in WhatsApp-Gruppen und den Nachrichten, was dort passiert“, sagt Asadollahi. Seine Mutter und Schwester wohnen in Teheran. „Ich mache mir Sorgen“, sagt er – und: „Das Regime ist eine Katastrophe.“

Im zweiten Anlauf zur Hospitation

Dann findet Asadollahi sein Lächeln wieder, seine Stimme wird lauter. „Aber jetzt reden wir über Fußball“, meint er. Und er hat etwas zu erzählen. Olympique Lyon, zwischen 2002 und 2008 sieben Mal in Serie französischer Meister, öffnete fast eine Woche lang die Türen ins Allerheiligste für Asadollahi. Reza Fazeli, der Berater von Lyon-Coach Bosz, ist ein langjähriger Freund des Münsteraners. „Schon zu Leverkusener Zeiten gab es Kontakt, aber dann ist Peter Bosz dort entlassen worden“, erzählt Asadollahi. Nun – im zweiten Anlauf – klappte die Hospitation.

Omid Asadollahi auf dem Trainingsgelände von Olympique Lyon. Foto: privat

Der Mann, der seit Sommer 2021 Co-Trainer von Holger Möllers in Kinderhaus ist, war überall dabei. Morgens holte Bosz seinen Kurzeit-Kollegen ab. Asadollahi nahm an Trainersitzungen teil, hörte sich an, was der Teamarzt zu sagen hat und wurde sogar bei einer Einzelanalyse von Co-Trainer Rob Maas – früher Bundesliga-Profi bei Hertha BSC und in Bielefeld – nach seiner Meinung gefragt. Asadollahi traute sich kaum, etwas zu sagen. Er erklärt: „Der Spieler – Johann Lepenant – hatte eine Woche vorher noch gegen Lionel Messi auf dem Platz gestanden. Was soll ich dem also sagen?“ Aber Asadollahi traute sich und traf Maas’ Meinung.

"Ich wurde überragend aufgenommen"

„Ich hatte von der ersten Minute an das Gefühl, dazu zu gehören. Das Trainerteam hat mich überragend aufgenommen und sich viel Zeit für mich genommen“, sagt Asadollahi. Bosz erklärte ihm einzelne Übungen ausführlich, Athletiktrainer Terry Peters gab zwei Stunden lang einen Einblick in seine Arbeit bei „OL“.

Besonders viel Zeit für Asadollahi nahm sich Lyons niederländischer Athletikcoach Terry Peters. Foto: privat

Plötzlich gehörten Smalltalk mit Ex-Bayern-Profi Jerome Boateng oder der morgendliche Handschlag mit Corentin Tolisso, dem nächsten ehemaligen Münchner, zu Asadollahis Alltag. „Bis ich in den Flieger zurück gestiegen bin, fühlte sich das normal an“, sagt er. Am letzten Abend gab’s noch ein Dinner im Hause Bosz.

Asadollahi will selbst Cheftrainer werden

Geblieben sind Impulse für die Arbeit in der Westfalenliga, der blaue Trainingsanzug von Olympique und ein Trikot als Mitbringsel für den Sohn. „Ich komme jetzt natürlich nicht zurück nach Kinderhaus und meine, dass ich alles besser könnte“, sagt Asadollahi. „Ich werde mich mit Holger zusammensetzen und von meinen Erfahrungen berichten. Wir pflegen einen engen Austausch.“

Als Typ „Hütchenaufsteller“ sieht sich Asadollahi ohnehin nicht. Der B-Lizenz-Inhaber wird die Hospitation in Lyon als Teil seiner Bewerbung für den nächsten A-Lizenz-Lehrgang einreichen. Und dann? „Es wäre ja schlimm, wenn ich nicht noch mal Cheftrainer werden wollen würde“, sagt der 47-Jährige, der noch bis Sommer 2023 bei der Westfalia unter Vertrag steht. „Mal sehen, was so kommt“, sagt Asadollahi. Er weiß jetzt besser denn je: Es gibt Wichtigeres als Fußball.

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