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Turnen: Ochtruperin überzeugt auch in der 3. Bundesliga

Hils liefert für Wüllen prima ab

Ochtrup

Fünf mehrstündige Einheiten pro Woche. Dabei wird variiert zwischen Ochtrup, Ahaus und Winterswijk. Was andere schon zurückschrecken würde, ist bei der Ochtruperin Lea-Marie Hils Realität. Doch der hohe Aufwand zahlt sich aus...

Der Sprung von der Verbandsliga in die 3. Liga gelang Lea-Marie Hils mit Bravour. In der abgelaufenen Saison turnte die 24-jährige Ochtruperin für den TuS Wüllen. Foto: Thomas Strack

Der „Tsukahara“ ist grundsätzlich ein Überschlag seitwärts mit einer Vierteldrehung und Salto rückwärts gehockt. Dieses anspruchsvolle Element – benannt nach dem Japaner Mitsuo Tsukahara – hat es echt in sich. Lea-Marie Hils hat diese Technik nicht nur in ihrem Repertoire, sondern liefert die auch gekonnt ab, wenn es darauf ankommt. Wie zuletzt beim Drittliga-Wettkampf in Koblenz, der für die junge Och­truperin von ganz besonderer Bedeutung war.

In der Turnriege des SC Arminia gehört Hils zu den Leistungsträgerinnen. Das hätte die Lehramtsstudentin für Sport und Biologie auch in diesem Jahr nur zu gerne unter Beweis gestellt – doch es gab ein Problem: Die Saison fiel aus. Unter anderem, weil sich keine Ausrichter für die Wettkämpfe finden ließen.

Ärgerlich für die Töpferstädterin, doch dann meldete sich der TuS Wüllen bei ihr. Ob sie sich nicht vorstellen könne, für den TuS an den Start zu gehen? Im Münsterland ist der Verein aus Ahaus die Top-Adresse, die Damenmannschaft turnt schließlich in der 3. Bundesliga Nord. „Das hat mich natürlich gefreut, auf der anderen Seite habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht. Ich hatte vorher noch nie für einen anderen Verein geturnt, und der SCA liegt mir echt am Herzen“, ging Hils ins innere Zwiegespräch. Letztlich nahm Och­trups amtierende Sportlerin des Jahres die Herausforderung aber an. Auch, weil in Wüllen der Niederländer Addick Stroes wirkt, der zwischenzeitlich ebenfalls die Turnerinnen in Ochtrup mittrainierte.

In Wüllen kam Hils gut in den Tritt. Schon beim ersten Drittliga-Wettkampf Anfang Juli in Buchholz wurde sie von Trainer Jürgen Schalk an zwei Geräten eingesetzt – und wusste zu gefallen. „Das war schon ein klasse Gefühl und eine prima Bestätigung, zumal ich auch in die Wertung gekommen bin und so meinen Teil zum guten Abschneiden beisteuern konnte“, freute sich Hils über eine gelungene Premiere und Platz vier für das Team.

Fünf Einheiten pro Woche, die in der Regel zwei bis drei Stunden dauern, stehen für die 24-Jährige im Kalender. Parallel zum Training in Ochtrup wird in Wüllen oder bei Addick Stroes in dessen Halle in Winterswijk gearbeitet. Sonntags, wenn andere auf dem Sofa liegen, fährt Lea-Marie Hils sogar eine „Doppelschicht“.

Die Wettkämpfe zwei und drei in Kassel und Mannheim schloss die Wüllener Riege jeweils auf dem letzten Platz ab. „Wir hatten ein paar verletzungsbedingte Ausfälle“, erklärt Hils, warum sich ihr Team vor dem Finale in Koblenz in großer Abstiegsnot befand. Dort galt es, den BTW Bünde hinter sich zu lassen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Topmotiviert und in Bestbesetzung – unter anderem mit der niederländischen Jugendnationalturnerin Esmee Beekhuis – ging es an die Mosel.

„Alle acht Teams waren super vorbereitet und hatten klasse Turnerinnen am Start, teils mit internationaler Erfahrung. Das sportliche Niveau war daher enorm hoch“, so Hils, für die es am Boden los ging. An ihrem Paradegerät sicherte sie ihrer Mannschaft mit schweren akrobatischen Saltoverbindungen mit Schrauben sowie sicher ausgeführten Spagatsprüngen wichtige Punkte. Auch beim Sprung baute Jürgen Schalk auf die Och­truperin, die das Vertrauen mit einem Tsukahara gehockt zurückzahlte.

Zur Halbzeit lag der TuS noch 0,5 Zähler hinter Bünde zurück, doch am Stufenbarren und am Schwebebalken drehte Wüllen auf. Während Bünde mehrmals patzte, gaben sich Hils und Co. keine Blöße und zeigten nahezu perfekte Übungen mit herausragenden Ergebnissen. Und so gab es bei der Siegerehrung einen Paukenschlag: Sensationell ging der Tagessieg nach Ahaus. Sogar Zweitliga-Aufsteiger TG-TV Herkenrath/Düsseldorf wurde mit 0,4 Punkten distanziert. Im Endklassement bedeutete das Rang sechs und natürlich den Verbleib in Liga 3.

„Einfach super“, strahlte Hils im Anschluss. Verlassen durfte sie sich übrigens stets auf Unterstützung aus der Heimat. „Trotz der weiten Anreisen zu den Wettkämpfen sind immer Turnerinnen und Trainer aus Ochtrup mitgekommen, um mich anzufeuern. Das hat mir ganzviel bedeutet.“

Eine Pause gönnt sich Hils trotz des Erfolges nicht, schließlich steht im Dezember noch der DTB-Pokal in Dortmund an. Und auch dort möchte sie gerne zeigen, wie ein Tsukahara geturnt wird.

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